Archiv für den Monat: März 2014

IPA von S:T Eriks Bryggeri (Schweden)

Guten Tag So, IPA der ST Eriks S:T Eriks Bryggeri.

Wenn man den Riechkolben übers Glas hält, schweben einem Hopfenwände entgegen. Wände so undurchdrungen wie wilde Wälder. Der Antrunk gleicht einer Explosion des Hopfens, die Zunge zuckt nervös, ein Obstkorb von exotischen Früchten prügelt auf den Geschmacksnerv ein und sorgt dann mit dem Malz für eine gelungene Massenkeilerei die man aus alten Tagen noch von seinem Schulhof kennt. Im Mittelteil zeigt das Malz seine volle Kraft und das über mehr als 12 Runden. Ein toller Wechsel von Pfirsich zu saftigem Apfel weiß zu faszinieren. Im Abgang zeigt der Hopfen noch mal seinen durchschlagenden Punch, dicht und perfekt in der Technik und der Abgang bleibt lange auf der Zunge und macht den Trinkenden langsam mürbe und zwar auf die Art wie es nur ein wirklich gutes IPA kann.

Geiles Bier.

^sm

Brauhaus Watzke Dresden | Pils und Doppelbock

Die Dresdener Watzke Hausbrauerei wurde 1996 eröffnet und stellt ausschließlich unfiltriertes Bier her. Wir waren im Watzke am Goldenen Reiter. Von außen geht es kaum hässlicher, zumal, wenn man aus der bunten Neustadt kommt. Tritt man dann jedoch ein, ist man in einer ganz anderen Welt. Tolle Atmosphäre in einer Mischung aus Charme vergangener Jahrhunderte, DDR-Chic und zeitgemäßer Gastronomie. In dem rustikalen Laden wird überwiegend Bier getrunken, dazu gibt’s deftige Hausmannskost und kompetente, lockere Beratung und Bedienung. Alles in allem sehr stimmig. Es werden zwei Standardbiere ausgeschenkt: das Pils und das Altpieschener. Dazu gibt’s jeden Monat ein Sonderbier, das dieses Mal ein Doppelbock war.

Kommen wir zum Watzke Pils: In einem Humpen wird ein sehr naturtrübes, fast strohgelb leuchtendes Pils serviert. Der säuerlich-untergärige Geruch schreit nach Hochsommer. Der feinporige, weiche und milde Schaum sagt „Trink mich ganz schnell, denn stabil bin ich nicht!“ Der Antrunk ist prickelnd, säuerlich und spritzig. Ein milder, wohliger, unaufgeregter, fast schon zarter Körper. Im Abgang kommt es zum Infight von Blumigkeit, Fruchtigkeit und Säure, den ganz knapp die Fruchtigkeit für sich entscheidet. Ein rollendes Perlen aus grünem Apfel und unreifer Traube. Ein unaufgeregtes, süffiges, sehr solides Pils, das bei sommerlichen Temperaturen im Freisitz mit Canaletto-Blick wohl noch besser mundet.

Danach gab’s noch den Doppelbock, der einige Grundeigenschaften des Pilses mitbringt aber doch eine sehr eigene Note hat! Das ist wirklich ein handcrafted Bier: Sehr süß, der Sprit schmeckt nicht hervor, likörige Noten, sehr passend zu einem windigen Februartag.

Ein sehr schöner Ausflug zu absolut fairen Preisen. Wir kommen wieder!

Anmerkung [18.01.2017]: Kein Bier für Rassisten! Kein Bier bei Rassisten!
Das Private ist politisch, das Öffentliche ist politisch – und auch das Bier ist politisch. Nicht zuletzt, wenn Brauhäuser ihre Türen Rassisten, Faschisten und Menschenfeinden öffnen, stellt sich die Frage, welcher Geist in den jeweiligen Orten wohnt. Am 17.01.2017 hat das Brauhaus Watzke seine Räume der AfD zur Verfügung gestellt, ihnen den roten Teppich ausgerollt und deren revanchistischer Ideologie viel Platz eingeräumt. Als privater Unternehmer kann das Ball- und Brauhaus Watzke selbst entscheiden, wem sie ihre Räumlichkeiten vermietet. Vor dem Hintergrund dessen mutet es – gelinde ausgedrückt – befremdlich an, wenn einer rechtspopulistischer Partei freiwillig solche Zugeständnisse gemacht werden. Es stößt uns ab – und wir sind ziemlich sicher, dass wir dort kein Bier mehr trinken werden. Kein Bier für Rassisten! Kein Bier bei Rassisten!

Leipziger Industriebier (Gastbeitrag)

Schattenbier_IndustriebierDie LVZ-Doppelseite zum Thema Braustadt Leipzig hat einiges an Staub aufgewirbelt. Vor allem in der Leipziger Homebrewer-Szene. Die Kritik richtete sich gegen die Hofberichterstattung für Sternburger und das Vernachlässigen anderer zarter Brauerpflänzchen. Deshalb veröffentlichen wir hier gern einen Gastbeitrag eines befreundeten Hopheads. Clarknova ist Heimbrauer aus Leipzig, bloggt jedoch selten über Bier sondern hauptsächlich hier über Literatur, Kunst und Kultur.Seine Generalkritik an der LVZ-Soppelseite ist sehr lesenswert. Er spricht über Industriebier – und er tut das ehrlich und direkt. Wir teilen seine Meinung zum Geschmack dieser Biere und versichern an dieser Stelle: Eigentlich liebt clarknova Bier. Viel Spaß mit seinem Beitrag. Weiterlesen

Bierstadt Leipzig? Die LVZ berichtet

Hier unser kleines Interview aus der Leipziger Volkszeitung vom 04.März 2014. Wir reden üb2014-03-04_LVZ-Interviewer Paulaner und Augustiner – ja wir sind niveauflexibel. Dass allerdings in der Bildunterschrift Augustiner als eines unserer Lieblingsbiere dargestellt wird ist dann doch etwas frappierend. Wir bekommen dafür übrigens ca. 100.000 Euro in Pfandflaschen und 100 Sack Tettnanger Hopfen für die Badewanne.

Apropos: Die LVZ widmet dem Thema Bier und Leipzig eine Doppelseite. Ein Drittel davon geht es um den „Kult Sternburg“, die Hälfte der Seite wird von einem riesigen Sternburg-Kronkorken und Fan-Fotos der Sternburg-Brauerei eingenommen. Nun ja jede Stadt bekommt die Brauerei die sie verdient. Ansonsten noch ein nettes Portrait über Matthias Richter vom Bayrischen Bahnhof, eine Bericht über den Hausbrauer von Böhlitz-Ehrenberg, eine kleine Sortenkunde der bereits eingegangenen Leipziger Biersorten und was Spannendes über die Connewitzer Kronen-Brauerei. Alles in allem nicht mehr als eine schöne Geste an die ehemalige Bierstadt Leipzig. Es wird deutlich, dass es noch zu wenig spannende Sachen in Leipzig gibt! Das kann ja noch werden.

Wie wäre es eigentlich mal mit einer Doppelseite über euch Hopheads hier aus Leipzig! Das wäre sicher um einiges spannender!