Archiv für den Monat: Juni 2014

Pandora von der Brouwerij Maximus

IMG_1164Bei unserem letzten Bierlaub in Groningen haben wir unter anderem die Brauerei Maximus aus Utrecht kennengelernt. Über das in meinem Gaumen leckerste Bier PANDORA will ich euch etwas mehr erzählen. Es handelt sich um ein Dutch Pale Ale mit amerikanischem Hopfen. Die Etiketten sind sehr straight, einzigartig, monochrom und heben sich angenehm von normalen craft beer Etiketten ab.

Es sieht zunächst sehr reizend aus: dunkel und bernsteinfarben, sehr dickflüssig, gehaltvoll fast schon sämig, enorm viel Schaum. Vom Flaschenboden kommt einiges an Rückständen mit ins Glas. Wenn das der Grund war, es nach Pandora (viel mehr nach ihrer Büchse) zu nennen, dann nenn‘ ich das eine ordentliche Portion Selbstironie. Den Geruch dominieren vergorene Früchte. Führt man den Fruchtkorb zum Mund ist der Antrunk vor allem Pfirsich, frischer reifer Pfirsich mit einem Anklang vereinzelter dunkler Früchte. Im Körper wird das Pandora ganz spritzig, eine schneidende Hopfenklinge fährt durch den Mund, geschwungen durch ordentlich Kohlensäure. Ein wenig Vanille macht die Klinge geschmeidig und seidig. Der Abgang kippt dann eine Spur zu sehr in Richtung Frucht, zumal vergorene Frucht, alkoholisch-hefig (6,6 % Vol.) schlägt es durch. Nur ein wenig bitter. Aber mit anhaltendem Nachgeschmack.

Pandora erinnert ein wenig an Belgian Style IPAs und ist ein Bier, das man langsam trinken muss. Es wird mit jedem Schluck besser und sollte tatsächlich mit Bedacht genossen werden. Es ist nix zum nebenbei trinken, da dann nur die überreifen Früchte knallen. Pandora, die Allgeberin, die Allbegabte vom alten Hesiod in das Paradoxon „schönes Übel“ gepackt gibt viel und zeigt doch, dass unter ihrer Schönheit ein Abgrund liegt. Absurd ist, dass es das Pandora nicht aus Büchsen gibt.

PS: Gibts natürlich nicht in Leipzig, aber zum Beispiel beim Zwerg.

^sg

Springt Beck’s auf den fahrenden Zug auf?

 

Update März 2015: Nun haben wir die neuen Beck’s-Biere getrunken.


Es ist ja nur eine Frage der Zeit, bis alle großen Brauereien Stück für Stück nachziehen und neue Biersorten auf den Markt bringen. Das Bitburger Craftwerk läuft so lala, das (ebenfalls zu Bitburger gehörende) Köstritzer Pale Ale und Witbier ist scheinbar ganz gut angelaufen und jetzt kommt mit Becks anscheinend der nächste Big Player dazu, der vor allem durch sein dichtes Vertriebsnetz und seine Internationalität neue Impuls setzen würde. Und irgendwie auch dringend mal eine Imagepolitur nötig hat.

Uns wurde zugetragen, dass aktuell Marktforschungsstudien zum Flaschendesign einer Beck’s Craft-Bier-Serie stattfinden. Wir erhielten ein paar Bilder, die offenbar extra für die Studie angefertig wurden. Die Bilder können wir aufgrund fehlender Bildrechte nicht veröffentlichen. Darauf sehen wir aber – stark am klassischen Beck´s Design angelehnt – drei Flaschen und damit drei neue Sorten:

1. Beck’s Amber Lager – aromatisch vollmundig – 7,5% Vol.
2. Beck’s 1873 Pils – traditionell herb – 6,5% Vol.
3. (natürlich) ein Beck’s Pale Ale – hopfig charaktervoll – 5,5% Vol.

Die Vol-Angaben scheinen beliebig zu sein, aber man darf gespannt sein!

Update Februar 2015
Jetzt wirds ernst. Es ist offiziell. Eine gute Zusammenfassung der neuesten Informationen bringt euch mixology.

Update März 2015
Nun haben auch wir die neuen Beck’s-Biere getrunken.

Jopen Jacobus RPA

Jopen-Jacobus-RPA_300Kommen wir heute mal zu einer unserer Lieblingsbrauereien: Die Jopen Brauerei aus Haarlem, Niederlande. Die Brauerei befindet sich in der alten Jopenkerk und ist seit 1995 aktiv und erfolgreich. Ihr Hoppenbier ist genauso eine Wucht wie der mit massig Koriandersamen eingebraute Lente-Bock (Frühlingsbock). Ganz oben steht auch das Witbier Adriaan nach einem Rezept aus dem 15. Jahrhundert.

Jetzt also das Roggen Pale Ale (RPA), Gewinner des World’s Best Gold, World Beer Awards 2013. Die Geschichte weshalb Jopen ein Roggen Pale Ale braut ist recht interessant: Die Jopenkerk war eine Pilgerstätte, St. Jacobus der Schutzpatron der Pilger und erreichte als Gasthaus früher einen Deal: Wenn sie mit Roggen brauten, wurden sie von Steuerabgaben befreit.

Im Glas schimmert das Pale Ale roggentypisch in amber, mutet ein wenig wie dunkler Honig an. Der Schaum verflüchtigt sich schnell und gibt einen überraschend fruchtigen Geruch frei. Daneben kommen Schwaden von Hopfen aus dem Glas. Eine leichte Schwere – ist das der Alkohol oder der Roggen?

Der Antrunk ist unglaublich fruchtig und intensiv, ein gutes Maß an Kohlensäure und irgendwie doch ganz easy zu trinken. Auf der angnehmen Kohlensäure surft man in den leicht öligen schweren Hauptteil des Bieres. Hier kommt die volle Ladung Frucht und sofort taucht der recht sparsam eingesetzte Hopfen (Cascade und Simcoe) auf. Eine angenehme Säure macht sich breit, bis hin zur Likörigkeit Der Abgang ist immer noch differenziert. Hier schlägt dann der Roggen durch, während man auf der Zunge noch die Fruchtigkeit hat. Immer noch eine ordentliche Ladung Kohlensäure, die den Abgang gleichmäßig aufgeregt gestaltet. Nach dem Schlucken ist noch der ganze Mundraum mit Geschmack ausgefüllt. Dazu kommt ein wenig der sanfte Alkohol (5,3%) durch.

Ein wirklich großes Bier. Roggen-Bier schmeckt ja sonst dominant nach Roggen und nach nichts anderem. Das Jacobus bleibt dagegen immer fruchtig und zwar nicht wie üblich dunkle Früchte, sondern Citrus und Orange – die amerikanischen Hopfen tun ihr übriges. Ein leichtes IPA, easy unaufgeregt, ausgewogen. Es ist kein klassischer 3-Akter aus Antrunk, Körper, Abgang, sondern ein Einakter mit nahtlosen Übergängen – großartig.

PS: In Leipzig nicht zu bekommen, war ein Mitbringsel aus Holland. Online gibts das meiste hier.

^sg

Biertagebuch Rheinradweg (Gastbeitrag)

Der neue Gastbeitrag auf BIER IN LEIPZIG schweift etwas in die Ferne. Leipziger auf Abwegen gewissermaßen. EIne derartige Braugasthofdichte ist wirklich toll und verdient auf unserem Blog zu erscheinen. Die Autorin Anne schreibt seit 8 Jahren auf dem germanistinnenwerk über ihr Leben, Leipzig, Musik, Filme und manchmal auch über Reisen und Bier. Letzteres sogar gleichzeitig. Von ihrem letzten Urlaub hat sie uns einen Gastbeitrag mitgebracht.

Begibt man sich auf eine mehrtägige Tour auf dem Rheinradweg von Karlsruhe nach Mainz, dann befindet man sich in erster Linie in einem renommierten Weinanbaugebiet. Dass es aber auch empfehlenswerte Bierlokalitäten zu entdecken gibt, soll dieser Beitrag zeigen.

Am ersten Abend in Karlsruhe führten uns das sommerliche Wetter, der Hunger und der Vogelbräu Karlsruhe PilsDurst zum Vogelbräu, einen Brauereigasthof mit solider schwäbisch-badischer Hausmannskost und wunderschönem Biergarten nur wenige Gehminuten vom Karlsruher Schloss entfernt. Vom Fass gab es das unfiltrierte Kellerpils (ausgezeichnet mit dem European Beer Star 2012 in Bronze) und ein fast bernsteinfarbenes Hefeweizen. Hier kann man den „Bierkalender“ des Lokals einsehen; nur das Pils wird ganzjährig gebraut, das zweite Fassbier wechselt sehr häufig. Fazit zum Pils: geschmacklich sehr unspektakulär, an einem Frühsommerabend aber eine sehr erfrischende und süffige Sache. Übrigens: einen Baden Single Malt stellt der Brauer seit Kurzem auch her. Im benachbarten Irish Pub Brayhead werden laut Karte auch ein Ale und ein Stout aus dem Hause Vogelbräu ausgeschenkt – schade, dass der Brauereigasthof diese nicht auch selbst anbietet. Weiterlesen

Köstritzer Witbier

Heute wollen wir uns mal mit dem zweiten neuen Bier beschäftigen, das Köstritzer parallel zu seinem Pale Ale herausgebracht hat: dem Köstritzer Witbier. Die niederländisch-belgische Variante des deutschen Hefeweizens, wird oft mit Koriander oder Orangenschalen IMG_1085_300aromatisiert und ist für uns Holland-Bierfahrer ein absolutes Muss. Nichts geht über ein eiskaltes Hoegaarden oder Wieckse oder Korenwolf oder gar ein absolutes Highlight wie das Jopen Adriaan. Seit Jahren wundern wir uns, warum das Witbier seinen Weg nicht in das Biergartenland Deutschland findet, denn genau da gehört es hin. Zu einem warmen Sommerabend in geselliger Runde, eiskalt serviert. (Ein Grund könnte übrigens wie so oft das Reinheitsgebot sein. Köstritzer hat nach unseren Informationen eine Sondergenehmigung.) Umso größer war die Freude, als herauskam, dass die Bad Köstritzer Brauerei sich daran probiert. So haben sie denn als Pioniere auch einen gewissen Bonus bei uns und wir befürworten diesen Geist zu 100%. Das Ergebnis ist allerdings recht ernüchternd (soweit man das bei einem Bier mit 5,4% sagen kann).

Im Glas angekommen zeigt das Bier die typisch helle, strohgelbe Frabe eines Wit. Der Schaum ist ordentlich wild und fein, verflüchtigt sich aber rasch. So weit so normal. Aber schon der Geruch irritiert. Dezent bis kaum vorhanden. Mit Wohlwollen riecht man etwas saures, ein wenig Orange und leider auch schon etwas Abgestandenes. Der Antrunk ist blass, leichte Fruchtschwaden wabern umher, viel Kohlensäure. Der viel zu flüchtige Körper ist noch das Beste. Orange, ein Hauch von Koriander, eine kleine Hefigkeit, ordentlich Kohlensäure, ein wenig Alkohol. Aber das ist nur eine Idee. Viel zu schnell macht sich dieses Wohlgefallen jedoch aus dem Staub und gibt einem wirklich schlechten Abgang Raum: der ist vor allem metallisch. Das Kräuterige wird undefinierbar muffig und abgestanden, die Hefe wirkt alt und gar nicht spritzig. Zum Glück ist da noch ein Rest Kohlensäure. Und weg ist das Bier. Nicht etwa weil man es geschluckt hat. Es gibt kein Nachhallen, ein metallischer Rückstand auf der Zunge bleibt zurück. Vom Alkohol war gar nichts zu merken.

Fazit: Die Idee – sehr gut! Die Umsetzung – gar nicht gut! Das Problem ist, dass man für ein gutes deutsches Wit Eier in der Hose haben muss. Eier sind in diesem Fall Koriander und Orangenschalen. Es ist ein gänzlich anderer Biertyp, der von so manchem Reinheitsgebotsfanatiker sicher hart angegangen wird. Da darf man dann aber keine Kompromisse machen, nach dem Motto für den deutschen Markt darf es aber nicht so sehr danach schmecken. Vielleicht ist ja da beim nächsten Sud noch was zu machen. Das Hauptproblem ist allerdings das Gebinde: Momentan muss man zu die zwei wirklich guten Pale Ale zwei Witbier dazu kaufen, was bei immer mehr Leuten dazu führt, es gar nicht mehr zu kaufen, da man ja dann auf den Wit rumsitzt! Auch hier besteht dringend Nachholbedarf.

^sg

Das OLs Brauhaus in Oldenburg

Kurzer Abstecher nach Oldenburg ins Marvin’s, wo es ein überaus leckeres, enorm fruchtiges Lager mit überraschend malzigem Abgang vom Fass gab. Gemacht hat’s das OLs Brauhaus Oldenburg – absolut eine Reise wert, wenn ihr mal in der Nähe seid!

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PS: Die haben auch einen sehr gemütlichen Brauereiausschank!
PPS: WIr hoffen auch die anderen Sorten bald mal zu verkosten!

Leipziger Bauer Bier

Gerade um die Ecke in Reudnitz gefunden! Wer mehr übers Bauer Bier und die Umstände seiner Schließung wissen will, kann das unten nachlesen. Das, was man heute als Bauer Bier bekommt, hat nichts mehr mit dem alten zu tun und wird als Lohnbrauauftrag vom Brauhaus in Hartmannsdorf hergestellt! Da kommt ja so einiges her. Bauer-Bier-Reudnitz-Tür

Klickt mal hier http://geheimtipp-leipzig.de/brauerei-ernst-bauer/ oder auch hier: http://www.blog-ums-bier.de/2010/05/geschlossene-braustatten-familienbrauerei-ernst-bauer-in-leipzig/