Archiv für den Monat: Oktober 2014

Budabier – Nachklapp einer kleinen kleinen Reise nach Budapest

Es war eher überraschend, dass, als wir in Budapest ankamen, direkt unter unserem Quartier ganz offensichtlich eine Bierbar war. Die Bar hieß Felni Szörbistro und hatte mindestens 30 ungarische und internationale Biersorten angeschlagen, von denen ich teilweise noch nie gehört hatte. Also gleich mal rein und ein wundervolles Dark IPA verkostet – Fabrikat? Konnte ich nicht lesen. Aber ein netter place to be. Sogar einen Kühlschrank aus dem man sich noch zwei Hülsen zu fairen Preisen mitnehmen konnte gab es. Wer nun denkt, diese Bierbar war ein Zufallsfund, ein Solitär und den Rest des Urlaubs verbringt man mit Dreher und Soproni, der sieht sich getäuscht. Budapest ist eine (Craft-)Bierstadt – und wie! Nicht nur, dass man in jedem Späti oder 24/7-Shop ein gut sortiertes Angebot ausländischer Biere findet (zum Beispiel Hoegaarden oder Fuller’s) auch in den Supermärkten kann sich die Auswahl absolut sehen lassen. Ein weiteres Beispiel: Zufällig war gerade Nationalfeiertag. An einem Volksfest-Bierstand erwartet man ja nix weiter, bekommt dann aber ein Bitter oder ein IPA in den Becher.
Vor allem aber mangelt es nicht an Craftbeer-Bars. Da wäre etwa die kleine Bar Léhűtő, mit 6 ungarischen Bieren am Fass und etlichen aus der Flasche. Darunter auch ganz interessante Klone bekannterer Biere. Leider war vieles schon ausverkauft und die Preise am oberen Limit. Auf der Suche nach einer weiteren Bierbar namens Kandallo, die aber immer (sic!) geschlossen hatte, stößt man sofort auf den Beer-Hotspot Budapests: Csak a Jó Sörök – Bierladen und Bar in einem. Das Angebot ist famos und damit nicht genug, gibt es jeden Tag ein paar Biere vom Fass und die Beratung durch die Betreiber ist perfekt. Hier kommt man ganz nahe an die ungarischen Craft-Szene und stößt auf Brauereien wie RothBeer.
Fazit: Budapest ist eine Bier-Hochburg und für jeden Hophead unbedingt eine Reise wert. Von Leipzig aus geht das übrigens ganz bequem und günstig  (39 Euro) mit dem Eurocity.

PS: Hier noch zwei schöne Zusammenfassungen der Budapester Bierszene und aller Bars, die wir nicht gesehen haben: http://tastehungary.com/tour/craft-beer-walk/ und http://budapestcraftbeer.com/.

^sg

Leipziger SpaBIERgänge: #1 Der Osten – Kontor, Klaus und Kupferbier

Immer wieder werden wir gefragt: Wo kann man in Leipzig denn mal ein gutes (craft) Bier trinken gehen? Immer wieder antworten wir „Hmmm…naja….nicht so einfach, denn einen guten Bierladen oder eine Craft-Kneipe haben wir nicht.“ und verweisen dann auf unsere kleine Übersicht der Leipziger Bierlocations. Wir wollen euch gerade deshalb ein kleines Bier-Survival-Paket für Leipzig schnüren und nehmen euch mit auf fünf Bier-Spaziergänge – kurz Spabiergänge – durch Leipzig, die jeweils nach Himmelsrichtungen aufgeteilt sind. Die Auswahl dabei ist betont subjektiv und erhebt null Anspruch auf Vollständigkeit. Es sind lediglich ein paar Bier-Schlaglichter auf die Bier-Diaspora Leipzig. Wir beginnen mit dem OSTEN. (Die Strecke in Kürze: Substanz – Kiezkontor – Hopfenspeicher – Brauhaus Napoleon – HIT Markt – Bayrischer Bahnhof und verschiedene Getränkehandel. Die Karte findet ihr unten.)

10454969_510035572476131_4886809538822393444_oDer Leipziger Osten hat keinen guten Ruf: kriminell, oll, brennpunktig – oder kurz Dunkel.Dreckig.Reudnitz (Martin hat auf seinem Blog alles dazu gesagt). Aber der Osten ist auch unser Kiez, wir wohnen hier (freiwillig und gern) und daher wollen wir auch mal Bier trinken ohne aus der Hood rauszumüssen. Und – Überraschung – das geht! Wir nehmen euch mit auf einen Spabiergang durch den Leipziger Osten. Los geht’s!

Unseren Starter nehmen wir in der Substanz. Hier gibt’s erst mal den schönsten Biergarten der Stadt, wenn das Wetter nicht mitspielt ist es drinnen etwas verraucht, aber der Platz an der Theke ist trotzdem ganz angenehm. Es gibt – als Start in das Wochenende macht sich ein Hefe immer gut –   Franziskaner vom Fass. Nix besonderes aber gut gezapft und gekühlt doch eine Wonne und ein guter Durstlöscher. Wer das nicht mag, bestellt ein Nerchauer aus Grimma. Jeden Monat wird ein anderes dieser handwerklich gebrauten, interessanten Biere serviert. Das Hefe ist enorm spritzig-sommerlich, im Herbst macht der sanfte, harmonischeLeffe-Substanz Bock eine gute Figur und im Winter bezirzt das Schottendicht den Gaumen mit einer differenzierten Ladung Malzigkeit. Im Sommer ist sogar Leffe am Fass, was jedoch ob seines hohen Alkoholgehalts zum Versacken einlädt. Wir wollen aber weiter, machen noch einen kurzen Schwatz mit Betreiber Jörg, der aus dem Norden stammt und sich über die Bitter-Entschärfung von Jever aufregt. Wir pflichten bei und gehen dann weiter.

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(Foto von Cathrin Rühle)

Den Täubchenweg hoch, über die Breite Straße zum Kiezkontor. Ein netter Späti, der neben vielen Hellen im Kühlschrank neuerdings auch das erste Leipziger Craftbier Braustrom führt. Wir treffen noch Braumeister Jann, der um die Ecke wohnt und gerade Nachschub anliefert. Wir schwatzen über das nächste geplante Monohop Ale und die Vorzüge des Willamette-Hopfens. Die Kanne Braustrom nehmen wir auf die Faust und machen uns auf den Weg in den Lene-Voigt-Park – vulgo: Todesstreifen. Dort pulsiert allerdings das Leben. Mit Blick auf das voll gentrifizierte Publikum schlürfen wir unsere Monohop Cascade Ale und fragen uns, weshalb im alten Lokschuppen immer noch niemand eine Kneipe mit Biergarten und Brauerei eröffnet hat. Wäre das nix für Menno Olivier von de Molen? So eine kleine Außenstelle des Holländers in Reudnitz, das hätte doch was.

Justament weht uns der strenge Geruch von Hopfen in die Nase. Auf der anderen Seite des Parks wartet nämlich die Sternburg-Brauerei und gleich daneben der Hopfenspeicher. Ob die beiden Läden zusammengehören, weiß niemand und nur aus Prinzip verlangen wir ein Sterni vom Fass. Als das abgelehnt wird, ordern wir das Reudnitz Nut Brown Ale. Oder ist das Sterni Imperial Pale gerade am Hahn? Nein? Aber wenigstens doch Sternis Extra Bitter!? IMG_0559Na gut, dann eben ein Krostitzer Zwickel. Ein schlanker Zylinder naturtrüben Biers wird gebracht. Der kleine versteckte Stiefbruder des großen hässlichen Krosti. Tatsächlich sehr lecker! Wir zahlen, bedanken uns für die ausgesprochen nette Bedienung, werfen noch einen letzten Blick auf die riesigen Sterni-Tanks und sachte dreht sich der Stern auf dem Dach. Wir lassen den Mercedes unter den schlechten Bieren hinter uns und stiefeln die Oststraße stadtauswärts.

An der Holsteinstraße biegen wir rechts ab, vorbei am Späti mit dem seltsamen Namen Sprutzbude (und der grandiosen Webadresse: www.sprutzbu.de). Durch Stötteritz schlagen wir uns in Richtung Prager Straße. Dort finden wir das Brauhaus Napoleon (eines der wenigen in Leipzig) und nehmeIMG_1015n ein Kaiser Napoleon Hell. Das Bier ist ganz ordentlich – vor allem das Helle (nah an einem Pils) geht gut rein. Wir essen hier nichts, da Service und Qualität der Gerichte extrem zu wünschen übrig lassen. Wir trinken unser Helles stehend an der Theke. Schauen auf die Kupferbraukessel und hoffen auf einen kleinen Schwatz mit dem Braumeister René, dem man wünscht, dass er so brauen könnte wie er will.

Wir gehen zurück auf die Prager Straße, folgen dieser hässliche Leipzvölkerschlachtdenkmaliger Magistrale stadteinwärts, biegen am Völki links weg und betreten von hinten das alte Messegelände. Unser Weg führt uns zum HIT Markt, denn dort steht ein Braufactum-Kühlschrank. Dieser hat vollkommen überzogene Preise und teilweise seltsame Sorten. Aber dazwischen findet sich auch immer ein Schätzchen für kleines Geld. Heute zum Beispiel das Firestone Pale 31 von Firestone und das neue The Brale von Braufactum. Zwei tolle Wegbiere – und vor allem gekühlt. Wir lassen den eigentlichen Getränkemarkt von HIT links liegen (obwohl auch hier ein nettes Angebot wäre) und laufen über die Straße des 18. Oktober Richtung Bayrischer Platz.

Im Gasthaus Bayerischer Bahnhof sind wir dann auch schon mitten im Hotspot der Leipziger Bierwelt. Hier gibt es das beste Bier der Stadt. Braumeister Matthias versteht sein Handwerk bestens und zaubert erst mal drei Standardbiere hin: ein Schwarzes (sehr schön süß dabei trotzdem ordentlich hopfig), ein Pils (leicht säuerlich, spritzig, angenehme Hopfennoten) und IMG_0863ein grandioses Hefe, das an Fruchtigkeit unübertroffen ist. Daneben gibt’s natürlich die weltberühmte Gose – naja wers mag. Immer mal wieder macht der Braumeister ein Saisonbier. Im Sommer zum Beispiel ein völlig abgefahrenes Amarillo (ausdauernder Hopfen, eine Spur Marzipan, knallharter trockener Abgang) oder ein Centennial (nahe an einem leichten Sommer-Ale, flüchtig und perfekt für heiße Abende). Im Winter auch mal einen Weizenbock mit Aromahopfen (einmalig im letzten Jahr mit Simco). Hierzu genießt man die deftige Küche und schafft ein wenig Grundlage – zum Beispiel mit den Brauhaus-Pommes. Mit ein bisschen Glück treffen wir Matthias auch persönlich und wenn er fünf Minuten Zeit hat, lässt sich’s mit ihm blendend über Bier quatschen. Er produziert viel für den internationalen Markt (von Finnland bis USA), was wir in Leipzig gar nicht zu sehen kriegen. Dazu ist er blendend mit anderen Brauern weltweit vernetzt und gerade in Sachen Sauerbier ganz oben dabei.

Mit leichter Schräglage verabschieden wir uns aus dem Bahnhof, es ist höchste Eisenbahn. Wir tänzeln zurück nach Reudnitz. Zuhause angekommen, fällt uns ein, wir waren ja vormittags noch mit dem Auto im weiteren Osten Bier jagen. Hoch getragen in die Wohnung hat’s natürlich noch niemand. Also Kofferraum auf und der Blick wird frei auf ein paar am Vormittag gefangene Spezialitäten. Da sehen wir zunächst das gute Wippraer aus der Museumsbrauerei im Harz. Lieblich lächeln die 1-Liter-Flaschen – das prämierte Schwarze (nah an einem englischen Stout), das Kupferbier (atembraubender Malzeinsatz, fast schon 21280_272365789576445_1778583037_nein Amber) und das außergewöhnlich nussige Pils. Der Braumeister Dr. Gehring weiß, was er tut und der Getränkehandel Klaus verkauft es exklusiv in Leipzig. Bei Klaus hat man gelegentlich mal einen Glücksfund, ansonsten das übliche Pils-Inferno. Dann liegen da noch ein paar Flaschen Meißener Elbsommer, so gut und weich wie ein belgisches Witbier und daneben ein Zufallsfund: ein österreichisches Steinbier. Die haben wir aus dem Getränkemarkt Andrae. Idyllisch auf einem Vierseitenhof gelegen, wird dort auch Gemüse aus heimischen Gärten verkauft. Hier findet man immer mal wieder eine Spezialität oder ein Saisonbier zu fairen Preisen.

Außerdem steht im Kofferraum noch ein Sixpack Anchor Liberty Ale. Das Bier, mit dem unsere Bierkarriere begann, als wir merkten, da gibt es mehr als das Einheitspils. Gekauft haben wir es im Löschdepot, fast schon außerhalb der Stadt.. Das Löschdepot hat ein sehr ordentliches Angebot, wenngleich von Filiale zu Filiale verschieden. Hier im Osten bekommen wir zum Beispiel das Störtebecker Atlantik Ale oder das Andechser Weizen.

LibertyWir entscheiden uns für ein kleines Liberty – der perfekte Finisher. Ein Bier wie ein gutes Buch, tief und intensiv. Das Liberty Ale riecht wundervoll nach hellen Früchten; Aprikose und Pfirsich drängen sofort in die Nase. Der Antrunk ist beerenmäßig fruchtig und hopfig. Man hat das Gefühl, dass sich ein leichter Film einer konstanten Frucht auf der Zunge niederlegt. In der Mitte baut sich ein gigantischer Körper voller Bitterkeit auf, der nie ins Unangenehme übergeht. Im Abgang macht sich nochmals die volle Baggerladung an Frucht bemerkbar. Der Nachknall ist noch lange auf der Zunge zu schmecken. Das Liberty Ale ist eine Wucht. Eine Art eigene Liga, wie Zidane am Ball, ein Bier das seine unglaubliche Klasse hält, eine Klasse die ihre Kraft aus perfektem Handwerk und der Liebe zum Produkt schöpft. Ein Bier für die Ewigkeit. Gute Nacht!

PS: Das nächste Mal gehen wir in den Leipziger Süden. Und ja – wir haben hier etwas geschummelt und manches in den Osten eingemeindet!

^sg

La Trappe Dubbel Trappist

Hallo,
heute das La Trappe Dubbel Trappist von der Brauerei La Trappe .
10644648_584064825073205_3288427704204010011_oDas Bier passt zu stürmischem Wetter mit tobendem Regen. Wenn kein Korn am Strand dort bleibt wo es mal war, ist das La Trappe Dubbel genau das richtige Bier.
Der Duft ist schwer, eine grausame Wand von dunklen Früchten macht sich an die erbitterte Arbeit, besonders bestialische Pflaumen und satte blaue Trauben nehmen die Nase unter ein wildes Trommelfeuer.
Der Antrunk ist sehr fruchtig und wird von einer gewaltigen Portion Malz begleitet. Im Mittelteil entfalten sich die dunklen Früchte perfekt auf der Zunge und halten sich im Abgang lange, bis sie einer ungewöhnlich röstigen Hopfennote Platz machen müssen, die dann in einem nochmals sehr fruchtigen Ende ganz langsam auf der Zunge ausklingt.
Ein wundervolles Dubbel.
^sm

BRAUSTROM – Leipzigs erstes Craft Beer

Wir kommen in die Wohnung von Cathrin und Jann und treffen zwei sehr entspannte Menschen, die das erste Leipziger Craft Bier herstellen. Kaum an einem großen rauhen Tisch Platz genommen, hat Jann schon ein Pils an der hauseigenen Zapfe eingelassen. Moment! Waren wir nicht da, um das neue Monohop Cascade zu kosten? Ja aber wir beginnen mit dem Pils. Das solls nämlich auch bald unter dem Braustrom-Label geben – Arbeitstitel Hausmarke. Ein einfaches, klares, sehr süffiges Pils mit 4,7%. Es ist ein Gebrauchspils, dabei ein handwerklich hergestelltes Bier. Es macht tatsächlich keinen Kater (Wir haben getestet!), läuft richtig gut rein und soll einmal in Halb-Liter-Flaschen in Leipziger Spätis zu haben sein. Es ist durchaus vorstellbar, dass ein so unaufgeregtes, dabei schmeckbar gutes, leicht süßliches Pils zu Leipzig passt.

Cathrin und Jann haben viel vor und haben momentan nur ein Thema: Bier! Da geht es schnell um eine eigene Gastronomie, ein Leipziger Craft Beer Festival, neue Marken, neue Biere, Craft Beer Stores etc. So viele Träume, dass man sich gern mit auf die Schwingen setzt und forttragen lässt, in ein kleines Bierparadies. Zurück auf den Boden der Tatsachen bringt einen nur die Frage nach dem nächsten Bier. Und jetzt wird auch das Monohop Cascade aufgetischt, dass die beiden entwickelt haben.IMG_1548

Die 1600 Flaschen sind händisch abgefüllt und verkorkt (alles im Brauhaus Röglitz), werden jetzt gerade mit selbst gestempelten Etiketten versehen und warten momentan im Braustrom-Schlafzimmer auf ihre Kunden.

Im Glas ist es dann überraschend dunkel, fast schon bernsteinfarben. Der Geruch stellt einen schon  etwas auf die Probe und bereitet vor, auf das was kommt: süßlich, karamellig, dunkle Frucht, fast schon likörig. So ist dann auch der erste Schluck kaum fruchtig im cascade-typischen Citrus-Sinne, sondern stark nach Biskuit schmeckend, süßlich, fast schwer. Die Hefe spielt hier nicht nur eine Nebenrolle. Alles andere als ein leichtes sommerliches Cascade, sondern ein Herbst und Winterbier. Man stelle sich vor, am Fenster einer Großstadtwohnung zu sitzen, draußen fallen dicke Flocken, die Stadt wird gedämpft, das warme Licht der Straßenlaternen refklektiert schwach. Genau hier gehört das Braustrom Cascade hin. Der Tropfen ist durchgängig spritzig und anregend, er wirkt dickflüssig und voll, schmeckt dabei durchaus alkoholisch (hat aber nur 5,2%). Das Prachtstück des Braustrom Monohop Cascade ist aber der Abgang. Er fächert sich in unzählige komplexe Geschmacksnuancen auf, bleibt nahezu ewig auf der Zunge und im Rachen, prickelt dabei aufregend.

Das Braustrom Monohop ist ein Bier, dass sich unterscheiden will. Es ist wie ein entspanntes Bad im Nichtschwimmerbecken, bei dem man nie Angst hat wirklich schwimmen zu müssen, ein wirkliches Einstiegsbier! Es ist vorstellbar, dass dieses Bier bei Leuten, die sich ein wenig auskennen enttäuschen wird, da man bei Cascade ja Fruchtigkeit und Citrus erwartet, aber Biskuit und karamellige Hopfigkeit bekommt und ein Finish, das seinesgleichen sucht. Vielleicht ein wenig vergleichbar mit den enttäuschten Reaktionen auf das Anchor IPA, das auch nicht alles auf die Karte Fruchtigkeit setzt. Wir für unseren Teil stehen total darauf!

Das Monohop gibt’s ab ca 20.10.2014 auf www.braustrom.de: „Bei einer Bestellung zwischen 2 und 30 Flaschen wird das Pale Ale in Leipzig persönlich mit dem Fahrrad ausgeliefert.“ heißt es auf der Website. Momentan gibt es das Monohop bereits im Kiezkontor. Weitere Leipziger Spätis und Gastronomien findet ihr ständig aktualisiert hier.

PS: Der Preis fürs Monohop liegt im Späti bei 3,50€, in der Direktbestellung bei 3€.
PPS: annabelle sagt hat den Fahrrad-Lieferdienst ausprobiert.

^sg

Távoli Galaxis von RothBeer

Ich war dieses Jahr in Ungarn und vollkommen frappiert, über die dort blühende Craft-Szene, zumindest in Budapest. Unentdeckte Welten: Wenn ich mal wieder Zeit habe, schreibe ich noch mal etwas ausführlicher über die dortige Lage. Bis dahin sprechen wir über meinen ungarischen Favoriten: das Távoli Galaxis der ungarischen Brauerei RothBeer.

IMG_1390 Das American IPA wurde 2013 Grand Champion in Hungary und das vollkommen zurecht. Schon der Geruch aus der Flasche ist kraftvoll – nach Apfel, vielleicht Litschi, jedenfalls ordentlich sauer-fruchtig. Die Farbe im Glas ist fast schon Bernstein, ganz dickflüssig und gehaltvoll – so wertvoll wie ein kleines Steak. Dafür gibt es kaum Schaum und dementsprechend wenig Kohlensäure. Der erste Schluck ist sofort voll, komplex, vielfältig, ein wenig vermisst man die Kohlensäure. Der Körper knallt dann wirklich laut und heftig seine Fruchtbombe raus. Der Abgang ist sehr bitter und hopfig, beißt schon fast etwas in seiner Hopfigkeit, bringt aber tatsächlich noch mal neue, prickelnde Geschmacksnuancen. Die 6.1% spielen dabei aber fast keine Rolle, müssen den Geschmack nicht tragen, sondern versickern sanft!
Das Távoli GalaxiIMG_1391s, ein Intergalactical Pale Ale baut voll auf den australischen Galaxy Hopfen und heraus kommt ein abgefahrenes Zeug. Ein sehr komplexes und anderes Bier, dabei aber extrem interessant, fordernd und vielfältig. Das  Távoli ruckelt vielleicht ein wenig in den Geschmacksübergängen, ist nicht wirklich harmonisch abgerundet. Macht das aber mit Geschmacks-Vielfalt wieder wett. Also mehr Klingone als Betazoid.

sg

DER SOMMER IN FLASCHEN – RIEDENBURGER DOLDEN SOMMER SUD

Der Sommer 2014 ist nun wirklich zu Ende. Zeit einen letzten wehmütigen Blick zurück zu werfen, zum Beispiel mit der Besprechung eines Summer Ales. Bei den Seasonal Bieren spielten die Summer Ales dieses Jahr eine wichtige Rolle – zu Recht wie ich finde. Nach dem völlig überschätzten, überalkoholisierten Dolden Sud von Riedenburger, war mir der Dolden Boom (zusammen mit der Brooklyn Brewery gebraut) entgangen. Aber nicht der Sommer Sud, über den wir jetzt sprechen.IMG_1223

Der erste Blick zeigt ein helles, recht dünnes Getränk. Der Schaum ist ordentlich klebrig und feinporig, dabei überaus flüchtig. Es riecht gehörig hopfig, säuerlich sogar, leicht alkoholisch dabei (obwohl es nur angenehme 4,2% hat). Der erste Schluck ist enorm spritzig, voller Kohlensäure und heiterer Fruchtigkeit. Dann folgt ein leichter, schlanker Körper, fast etwas beflügelt und ganz süffig. Man hat kurz die Idee eines erfrischenden Brauhaus-Schankpilses. Im Abgang kommt dann hinterrücks eine fiese Ladung Hopfen (Cascade und Mandarina Bavaria). Hier hat man unvermittelt Angst, die große Schwäche des Dolden Sud wieder zu entdecken, etwas metallisches, schweres, brennendes, alkoholisches auf der Zunge. Zum Glück aber rollt der Sommer Sud dann sanft aus, wie Wellen an einem flachen Strand. Der Sommer Sud ist ein leichtes, obergäriges, süffiges Sommerbier, das hält, was sein Name verspricht. Es ist wie der Schatten, den man in der Siesta sucht, wie ein kühler Bergbach der sich durch den Rachen schlängelt. Sommer Sud ist Sommer in Flaschen, der gute Sommer, nicht die unerträgliche Hitze des Julis, sondern die leichte Wärme eines Augustabends.

PS: Die Riedenburger Brauerei stammt ja aus dem Bio-Geschäft und zieht jetzt den Nutzen daraus, ihre Biere auch in den Bioläden loszuwerden. In Leipzig zum Beispiel im Bio Mare. Aber auch regelmäßig im Lazy Dog zu haben.

sg

Summer Ale von Fremont Brewing Company (Gastbeitrag)

Ein weiterer Gastbeitrag von Clarknova. Er ist Heimbrauer aus Leipzig und Erfurt, bloggt jedoch selten über Bier sondern hauptsächlich hier über Literatur, Kunst und Kultur. Von ihm kriegen wir immer mal wieder kleine Bierkritik-Miniaturen. Heute geht’s um CREW.

10645050_851269954885774_6785125314087580644_nWoohoo! Wie Craft Beer wirklich geht wissen nämlich im Grunde nur die Amis (polemische Übertreibung). Das Summer Ale (5,2% Vol.) der Fremont Brewing Company ist gemessen an seiner Brauart einfach irre geil. Ein Malz (Pale Ale), ein Hopfen (Amarillo), Wasser, Hefe und fertig ist ein wirkliches Weltklasse-Bier, das mit dominanter, aber nicht übertriebener Mandarine in der Nase und stolzer, aber ebenfalls gut balancierter Bitterung voll und ganz überzeugt. Und man beachte: Craft Beer aus der Dose! Was in Deutschland unter Bierfreunden, Heim- und Kleinbrauern lang und breit diskutiert wird, machen die Amerikaner einfach. Warum auch nicht?