Archiv für den Monat: Dezember 2014

Piwo Sobótka Górka 12 – Ein Bier wie eine Stange saure Drops

Wir haben hier ein kleines Bier aus Polen, gekauft im Beer O’Clock in Breslau. Piwo Sobótka Górka 12 heißt es und kommt auch aus Breslau. Auf der Brauereiseite findet man nicht viel über das kleine Lager, daher bleibt nur trinken und kosten.
Der Schaum verschwindet sofort nach dem Einschenken und macht Platz für einen orangig-süßen Geruch. Auch das Bier sieht eher aus wie ein frisch gepresster Orangensaft – mit Fruchtfleisch, dick und nahrhaft. Der Antrunk ist unglaublich spritzig eine Polonaise aus einer großen Apfesline gespickt mit getrocknetem Pfirsich und unreifer Mango überdeckt erst mal alles. Fast wie ein erfrischender Softdrink geht es den Hals runter. Gleich noch einen Schluck. Wieder das Limonadige, die Kohlensäure-Kanone, ganz spät kommt der Hopfen mit leichter Bitterung und viel Säure. Er macht es sich auch nach dem Schlucken auf der Zunge gemütlich. Von den 4,5% Alkohol ist kaum etwas zu spüren. Wenn man genau hinschmeckt kommt mit dem Hopfen am Ende noch etwas Schwefliges wie Trockenobst. Ein raffiniertes, ungewöhnliches Stück Bier.

IMG_20141224_183717Der Körper ist fruchtig, kaum greifbar, gleich macht sich die Säure des Abgangs breit. Ich habe es definitiv zur falschen Jahreszeit verkostet, eigentlich etwas für einen staubtrockenen Sommertag. Hier sind keine schwerfälligen Bären am Werk, wie das Etikett verspricht, sondern sondern eher leichtfüßige Tanzbären bei einer Polka. Man möchte am Fluss im Schatten sitzen und ihnen beim herumtollen zuschauen. Ein Bier wie eine Stange saure Drops.

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Das ZEST in Connewitz

Wir waren mal kurz im ZEST in Connewitz, da die Karte ein wirklich außergewöhnliches Bierangebot verspricht. Da gibt es zum Beispiel Gusswerk Nicobar IPA oder das Williams Impale IPA oder den verrückten belgischen Zwerg La Chouffe. Naja oder besser gesagt gibt es das eben nicht. Nur in der Theorie! Schon seit Wochen nicht verfügbar! Das ist natürlich maximal ärgerlich, wenn man extra deshalb hingefahren ist. Zumal man, wenn es (laut Kellneraussage) seit Wochen so ist, vielleicht mal die Karte ändern sollte. Zum Glück hat einiges darüber hinweg getröstet: Zum Beispiel das Appenzeller Holzfassbier, dass durch heftigen Malzeinsatz glänzt und durch Eichenfasslagerung eine ganz weiche, milde Note bekam. Smooth und flauschig wie ein Küken. Aber auch das ausgezeichnete und ideenreiche vegane Essen und die zuvorkommende und freundliche Bedienung haben den Ärger schnell verfliegen lassen.

Fazit: Ein netter gemütlicher Laden, der aber das Versprechen seiner Karte in Sachen Bier halten sollte. Und wenn das gewünschte Bier nicht zu bekommen ist, so flexibel sein und umsteigen muss – Biersorten gibt’s genug. Gute Ratschläge bei Bedarf auch 🙂

Nachtrag 15.12.2014: Der Bierzwerg informiert uns soeben, dass La Chouffe und Gusswerk im Zest wieder zu haben sind! Danke!

^sg

Mitte 30 und rattenscharf! Die LVZ berichtet über uns

Die LVZ-Sonntags-App war mit uns auf einem kleinen SpaBIERgang unterwegs. Also nicht die App persönlich, sondern vertreten durch Lisa. Da sie wahrscheinlich nur acht Abonnenten hat, also die App nicht Lisa, dürfen wir den Artikel hier noch mal veröffentlichen. Es ist durchaus ein lustiger Artikel über uns geworden. Beispiele gefällig? „Bier besinnungslos in sich hineinkippen – das mag Sebastian nicht.“ – Wie? Was? Das ist ja fast schon rufschädigend! oder der hier: „Srdan ist Mitte 30, trägt eine Ray-Ban, Modell Hornbrille, und berichtet begeistert über seine neueste Entdeckung: St. Feuillien Blonde. Gefunden in der Karstadt Feinkost-Abteilung. „Ein rattenscharfes Bier“, findet er. „Schon auf dem Blog gelesen“, antwortet Sebastian und nickt anerkennend.“ – Hieran ist so vieles falsch. So respektvoll würden wir nie miteinander umgehen 😉

Naja wir legen mal das Mäntelchen der Eitelkeit ab und freuen uns über einen unterhaltsamen Bier-Artikel. Dessen inhaltliche Fehler sind uns bewusst und das halten wir aus! Ihr auch?

Nachweis: „Rundgang mit Promille“ von Lisa Berins (Text) und Dirk Knofe (Fotos), erschienen im LVZ sonntag, 23. November 2014

^sg

 

Bierseliges Advents-Tasting

Das erste Leipziger Bier-Tasting am 30.11.2014 war ein bieriges Erlebnis vor vollem Haus. Die Veranstalter waren die Leipziger Galerie Artae, die Bier-Sommelière Sylvia Kopp und wir von Bier in Leipzig. Als Überraschungs-Gäste kamen noch Cathrin von Braustrom mit dem Cascade Monohop und Matthias vom Bayerischen Bahnhof. Dazu 20 bier-neugierige Gäste, denen insgesamt neun Biere zu Verkostung angeboten wurden.

Von einem leichten extrem spritzigen Grünhopfen-Pils (Schönramer) über ein Bitter von Young’s bis zu einem Roggen Pale Ale von Jopen. Am Ende standen vier schwere Geschütze, die die Gaumen des einen oder anderen Bierneulings an die Grenzen brachten und ein Leuchten in die Augen der alten Bierhasen zauberte. Zunächst das weihnachtliche Hopfenstopfer Seasonal Special, das, einer Geschmacksexplosion gleich, alles zuvor an Geschmacksnuancen erlernte sprengte. Ein mächtiger, leicht öliger Hammer, der aber zu scharfem Essen gut vorstellbar ist. Anschließend präsentierte Braumeister Matthias Richter von Bayerischen Bahnhof seinen nur für den US-amerikanischen Markt produzierten Goseator. Der Clou: Das Bier reifte in frischen noch nassen Tequlia-Fässern. Es ist schwer zu beschreiben, woran man beim Trinken dieses Bieres denkt; an eine exotische Schönheit, einen rauen Fischer mit sonnengegerbter Haut, einen wilden Ritt auf einem Muli durch die Berglandschaft der Anden. Ein hochkomplexes gänzlich anderes Bier, bei dem man wieder mal nur brüllen will: Du mich auch Reinheitsgebot! Gleich anschließend gab’s die Schlenkerla Eiche, einen Rauchbock. Alle jenen, – auch ich gehöre dazu – die beim normalen Rauchbier abwinken, sei dieser Bock ans holzige Herz gelegt. Über Eiche geräuchert, haben wir zwar immer noch den kräftigen Geruch nach Speck und Schinken, kippt der hier aber leicht Richtung Kasseler ab. Der Geschmack der Schlenkerla Eiche ist dann grandios. So anschmiegsam, so differenziert dabei, viele feine Nuancen, leichter Likör, etwas Vanille, angenehm süß. Man möchte in einer Blockhütte sitzen und auf den Winter warten, denn was kann einem die Kälte mit diesem Bier? Zum Abschluss gabs dann das Aventinus Barrique – ein Cuveé aus Aventinus und Aventinus Eisbock, gereift in Chardonnay Fässern. Noch Fragen? Eine unglaubliche, weinige Säure, die manchmal fast ins Essig schwenkt, malträtiert die Zunge. Dabei etwas Frucht, viel Alkohol. Nix für Anfänger.

Aber das war ja nun auch niemand mehr im Raum. 😉 Zumindest nüchtern war auch keiner mehr. Beim Restetrinken und gemeinsamen Plausch über Bier und jenes klang das Tasting aus und alle verschwanden bierselig im kalten Sonntagabend.

Soviel sei gesagt: Das war nicht das letzte Tasting dieser Art, wir basteln mit Marian und Sabine von der Galerie Artae schon an neuen Ideen.

PS: Wer Einladungen zu Veranstaltungen und Informationen in seinen Mail-Briefkasten willl, bitte eine kurze Anmeldungsmail an info@bier-in-leipzig.de

^sg