Archiv für den Monat: Januar 2015

Bitterwolken am Horizont – Das imperium atakuje von Pinta aus Polen

Heute mein vorerst letztes Mitbringsel aus Polen, ein Imperial India Pale Ale also dem großkotzigen, muskulösen Bruder des kleinen IPA. Wir haben hier das imperium atakuje von Pinta. Die Jungs von Pinta sind sowas wie die Craft-Pioniere im stolzen Industrie-Bierland Polen. Sie fingen vor vier Jahren in Krakau damit an und haben inzwischen sogar einen ordentlichen Brewpub dort.IMG_1608

Aber zurück zum Bier, atakuje heißt so viel wie Anschlag und der ist das starke Bier auch. Ein Anschlag auf die Geschmacksnerven, da läuft ein IPA Amok. Das Amerikafähnchen weht uns vom braunen Etikett entgegen und verrät uns außerdem noch 7,8 Umdrehungen, 19,1 Stammwürze, 81 IBU. Worauf habe ich mich hier nur eingelassen? Als Hopfensorten sind angegeben Zeus, Chinnook, Amarillo, Citra, Cascade, Palisade – also so ziemlich die aromastärksten die zu haben sind.

Nach dem Einschenken zieht sich der bräunliche Schaum sofort ängstlich zurück. Einschüchternd dunkel zwinkert mich das Bier aus den Glas an. Es ist relativ geruchsneutral, hält man den Zinken tiefer rein ist da etwas dräuendes, erdiges, autochtones. Man sieht schon die Bitterwolken am Horizont heraufziehen.

Dennoch setze ich an. Einen Antrunk gibt es eigentlich gar nicht. Geschmeidig schlängelt sich das Bier aus dem Glas und winkt mit rauher Hand voll Bitterkeit. Im Körper knallt dumpf der Hopfen rein, ein dunkles Dickicht brutaler Bitteraromen. Der Wald ist so dicht, dass man sich kaum zurechtfindet, kaum Hopfenkrumen, die einem den Weg weisen, ein wenig dunkle Fruchtigkeit womöglich. Hier gibt es keinen Likör, sondern schweren Weinbrand. Der Abgang ist dann nur noch ein trockener Knall aus Hopfen. Hier entlädt sich das Geschmacksgewitter endgültig. Ein heißes blitzen und prickeln vom Alkohol. Der Geschmack und die Bitterkeit wollen gar nicht mehr verschwinden. Das imperium atakuje ist ein fieser Waldgeist von IPA, der mit der Statur eines Trolls durch den Bierwald stampft.

PS: Wer mehr über die polnische Craft-Szene wissen will, kann hier oder hier nachlesen.

^sg

Die ersten Leipziger Bierstammtische 2015

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So Leute, die ersten beiden Bierstammtische 2015 sind terminiert. Am 31.01. gibt es ein Special mit den BierFreunden und Schön und fein. Am 13.02. regulären Stammtisch im Brauhaus an der Thomaskirche. Alle Infos findet ihr in der Kategorie Veranstaltungen.

Hier etwas ausführlicher:

Der 5. Leipziger Bierstammtisch ist mal wieder ein Special. Seit ein paar Monaten haben wir in Leipzig einen Bierladen – die BIERFREUNDE. Marie und Sebastian sind inzwischen in Leipzig angekommen und mit dem Bierstammtisch-Special wollen wir euch die Möglichkeit geben, die beiden kennenzulernen. Außerdem kooperieren wir mit Steffi von Schön und Fein, die nur für uns an diesem Abend eine leckere Kleinigkeit mit Bier backen wird.
Die Plätze an dem Abend sind begrenzt, also First-come, first-served – verbindliche Anmeldungen bitte an info@bier-in-leipzig.de.
Wir haben uns überlegt, dass es am Besten ist, wenn jeder Teilnehmer 20€ in den Topf wirft und dafür eine Auswahl von fünf bis sechs Bieren aus dem Sortiment der BierFreunde und eine mit Bier gebackene Spezialität bekommt. Wir beginnen 20:30 und werden den Stammtisch im Laden ca. 23:00 beenden. Die Bierliste werden wir demnächst noch veröffentlichen.

Der 6. Leipziger Bierstammtisch führt uns in die Innenstadt – zum Brauhaus an der Thomaskirche. Special Guests wird voraussichtlich der Braumeister des Lokals sein. Der Ort Thomaskirche ist etwas Besonderes, ein altes Brauhaus mit wechselnden Besitzern. Die Jahreskapazität im Brauhaus an der Thomaskirche beträgt 250.000 Liter. Ein Pils und ein Weizen sind eigentlich meistens am Hahn. Bilden wir uns selber ein Urteil.

CHIMAY BLAU 2010

Manche Biere sollte man etwas stehen und alt werden lassen. So zum Beispiel diesen raffinierten Belgier. Die Belgier bauen keine Panzer aber sie mache Bier wie Panzer.
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Chmay blau ist immer eine Überraschung. Der Jahrgang 2010 war – oder zumindest die Flasche die ich hatte – recht leicht, fast wie ein davonlaufendes Reh, nicht schwer, alles geschmeidig und ohne große Aufregung.
Dabei hatte ich Angst, denn der Geruch war schwer. Tonnenweise dunkle Frucht war das nämlich mit einer ganz kleinen Note Frucht.
Wer Chimay Blau des Hopfen wegens trinkt ist so richtig auf dem falschen Weg, Chimay Blau ist so wie Eric Cantona, grantig aber immer für einen Geniestreich gut.

^sm.

Meine Leipziger Lieblingsblogs

Adelina von LEIPZIG LEBEN hat uns zum ersten mal zu ihrer Blogparade eingeladen. Dann probieren wir mal unser Glück. Das Motto lautet „Meine Leipziger Lieblingsblogs“. Nun haben wir in Leipzig nicht gerade viele Bierblogs (ähm eigentlich nur uns) und daher vor allem mit auswärtigen Bierblogs zu tun. Aber es gibt viele nette fachfremde Kollegen in Leipzig, die wir hier gern listen:

  • Mario bloggt auf novastation über Literatur und ist gern gesehener Gastschreiber auf Bier in Leipzig. Auch wenn er inzwischen in Erfurt lebt, ist seine Bindung an Leipzig noch groß.
  • Steffi hat den besten Foodblog, den wir kennen und wagt gern auch mal Rezepte mit Bier. Das ist Schön und fein.
  • Dunkel.Dreckig.Reudnitz berichtet über unsere Hood – und das gut! Gut weil herrlich unaufgeregt und lakonisch. Trocken wie ein Kaltgehopftes.
  • Jann und Cathrin von Braustrom machen das erste Leipziger Craftbier und sind auch darüber hinaus dufte. Hier entsteht ihr Blog Bier und Futter
  • Knut ist unser Berater in Sachen Bier aus dem europäischen Osten und schreibt hier über sein Festival OFF EUROPA.
  • Die Mutter aller Leipziger Blogs heiiiißßßßßt: HELDENSTADT.
  • Unser fußballerisches Herz schlägt beim rotebrauseblogger. Das Red Bull Rough IPA ist nicht mehr weit.
  • Gerade aus Magdeburg nach Leipzig gezogen ist Willi und er hat seinen Blog gleich mitgebracht. Alles rund um Essen, Musik und Podcasts gibt es auf dem plaisir.blog
  • Die bestenschönstentollsten Fotos gibts bei Susann. Irgendwann wird sie auch mal ein Bier für uns fotografieren
  • Weltnest lesen wir natürlich auch gern! Wie die meisten Blogger in Leipzig. Wollen wir hoffen, dass die trotz Leipziger Zeitung ihre Lockerheit behalten/zurückbekommen.
  • Immer wieder für einen Überraschungsfund gut ist auch Geheimtipp Leipzig. Vor allem wenn sie mal wieder etwas Kiez-historisches aufgetan haben.

Leipziger SpaBIERgänge: #2 Der Süden – Wunder, Zwerge und Suppe

Immer wieder werden wir gefragt: „Wo kann man in Leipzig denn mal ein gutes (Craft-)Bier trinken gehen?“ Immer wieder antworten wir „Hmmm…naja….nicht so einfach, so viele Bars mit gutem Bierangebot haben wir nicht.“ und verweisen dann auf unsere kleine Übersicht der Leipziger Bierlocations. Wir wollen euch gerade deshalb ein kleines Bier-Survival-Paket für Leipzig schnüren und nehmen euch mit auf fünf Bier-Spaziergänge – kurz Spabiergänge – durch Leipzig, die jeweils nach Himmelsrichtungen aufgeteilt sind. Die Auswahl dabei ist betont subjektiv und erhebt null Anspruch auf Vollständigkeit. Es sind lediglich ein paar Bier-Schlaglichter auf die Bier-Diaspora Leipzig. Wir haben mit dem OSTEN begonnen und wollen heute in den Leipziger SÜDEN (Die Strecke in Kürze: Oskar – Biomare – KillyWilly – naTo – Südplatzspäti – Zest – Lazy Dog – Black Label Pub. Die Karte findet ihr unten.)

Manchmal wagen wir uns aus unserem Kiez heraus, um auch den Rest der Stadt mit unserer Bierneugier zu belästigen. Zum Beispiel in den Leipziger Süden entlang der Karl-Liebknecht-Straße. Irgendwie seltsam da, war mal cool, ist jetzt teuer, war mal studentisch, ist jetzt eher gediegen, war mal Avantgarde ist jetzt Mainstream. Ein Reservat unter speziellem Schutz. Weil wir Hunger haben, geIMG_20141230_203715hen wir zunächst das neu eröffnete Oskar testen. Die haben einen Smoker für ihr Fleisch, eine absurde Atmosphäre aus Bauernstube, In-Schuppen und Italiener und eine sogenannte Craft-Beer-Karte. Sogenannt weil sich ganze drei (aber immerhin und irgendwer muss ja anfangen) Craft-Biere darauf versammeln: das Monohop von Braustrom, das IPA von Zwönitzer und das Imperial Stout von Schoppe aus Berlin. Wir entscheiden uns für letzteres, ein wirkliches Erlebnis. Tiefschwarz, brotig, schokoladig, mit unglaublicher Espressonote im Abgang, bei 9% Alkohol. Eigentlich ein schlechter Starter, eher ein Finisher zu zartbitterer Mousse au Chocolat. Andererseits fühlen wir uns wach, wie nach einem Coffeeshot. Gestärkt stiefeln wir in die kühle Dezembernacht.

Wir laufen mitten auf der Straße, hier ist ja eh gerade alles Baustelle. Oder doch nicht? Jedenfalls bebt hier gerade gar nix, alles wie ausgestorben im vorderen Teil dessen was der Leipziger Karli nennt. Die Kneipenmeilenantithese zum folkloristischen Drallewatsch-Quatsch. Links leuchtet das BioMare und lädt zu einem kurzen Abstecher ein. Irgendwie haben es die Bioläden ja geschafft durch das Bio-Siegel mehr interessanteres Bier zu verkaufen als manch Supermarkt. Mal sehen wann der erste so clever ist und sein Bier in die Apotheken bekommt. Wir finden ein nettes Angebot, die gesamte Palette von Nerchauer aus Grimma zum Beispiel und wie inzwischen öfter in Bioläden das Riedenburger Doldensud. Eigentlich kein gutes Bier – viel zu alkoholisch, wodurch so ziemlich alle möglichen Geschmacksnuancen eines IPA überdeckt werden. Feige! Aber nun gut wir geben ihm noch eine Chance als Wegbier.

Vorbei am La Boum und Michael Fischer Arts schreiender Hauswand – zwei Leipziger Erscheinungen die sich gesucht, gefunden und verdient haben – schlendern wir Rickilliwillyhtung Süden. Als wir am KILLYWILLY stehen, reden wir über alte Zeiten. Das Bierangebot dort war schon mal besser (es gab mal Youngs Bitter vom Hahn!), aber Murphys oder Guiness vom Fass ist immer noch recht nett und es ist nun mal der schönste Pub der Stadt. Als wir so quatschen fliegt in hohem Bogen Pat Keene durch die Tür auf den Bürgersteig, berappelt sich kurz und grinst uns aus seinem zahnlosen Mund an. Wir nutzen die offene Tür und  schlüpfen hinein. Misses O`Leary zapft schon den ganzen Abend lang Ale. Danny Flowers und Ian Rankin sitzen am Tresen und sehen ihr dabei zu. Sie ist ruhiger als sonst. Ihr Sohn verlor heute ein Auge bei einem der Barrikadenkämpfe. “Es tut mir für ihren Sohn leid Misses O`Leary.” sage ich leise. “Was hast du da gesagt, einen scheiß tut es dir leid. Alles für Irland ihr blinden Bastarde oder Heilige Maria, Mutter Gottes, euch tut nichts leid”, schimpft Misses O`Leary. Und vielleicht hat sie recht. Wir sind auf unserem Weg. Wir haben kaum was zu fressen, kaum warme Socken aber die Kinder glauben an uns. Wir sind Helden aus dem Grünen Land in dem die Menschen hungern. Polternd stolpern wir nach einem Sturzglas Murphys Red aus dem Pub zurück in die eiskalte Luft der Stadt.

natoWir brauchen dringend was zum runterkommen. Da müssen Blauhelmtruppen rein oder mindestens die naTo. Die ist zum Glück gleich gegenüber. Das Hauptquartier hilft uns mit einem Andechser vom Fass. Auch eine Seltenheit in Leipzig und immer noch das beste Hefe der Welt. Ein hopfiger Obstkorb, die schönste Hefeblume im Garten lässt uns wieder ruhiger werden und die Welt bunter sehen.

Wir ziehen weiter zum Südplatzspäti. DEM Späti. Einer Institution. Hier ist immer Betrieb und es gibt gutes Bier. Der Südplatzspäti war einer der Vorreiter in Sachen neue Biersorten und schon immer eine Oase für uns. Hatten die doch vor Jahren als erste das Atlantik Ale im Angebot – heute immer noch unser Haus- und Hofbier. Wir entscheiden uns für zwei kleine Belgier: Den handlichen Zwerg von La Chouffe – ein treuer beaxter Begleiter in allen Situationen und ein kleines Hoegaarden. Ein belgisches Wit. Eine überwältigende Fruchtigkeit macht sich da über die Zunge her und mündet in einen schönen weichen Abgang. Zitrone und Orange verbinden sich mit Hefe, ein eindrucksvoller Tanz nimmt seinen Lauf. Das Hoegaarden hält immer was es verspricht. Pierre Celis der den Witbier-Stil mit dem Hoegaarden geprägt und vor allem wiederbelebt hat, ist mit seinem Wit, das er im März 1966 zum ersten Mal einbraute, ein kleines Wunder gelungen.

Mit dem Wunder und dem Zwerg stapfen wir weiter durch die kühle Nacht. Wir verlieren unsHoegaarden in Gesprächen über Wit und warum es seinen Weg nach Deutschland noch nicht angetreten hat, obwohl es doch das beste Biergarten-Getränk wäre. Eine tolle Alternative zum manchmal schweren Hefe. Oder warum es in Leipzig kein Bitter vom Hahn gibt. Ein raffiniertes Werk der Engländer, oft unter 4% aber den Geschmack eines ganz großen. Wir grübeln mal wieder, weshalb es keine Bierbar in Leipzig gibt und warum wir überhaupt so lange hier durchs Niemandsland laufen. Am Connewitzer Kreuz sitzen wir plötzlich auf dem trockenen und biegen  schnell links weg zum Zest auf einen Snack in veganer Hipsteratmosphäre – so geht Punk 2015. Der eigentliche Grund ist aber, dass die Karte ein wirklich außergewöhnliches Bierangebot verspricht. Da gibt es zum Beispiel Gusswerk Nicobar IPA oder das Williams Impale IPA oder wieder den verrückten Zwerg La Chouffe. Wir nehmen ein Appenzeller Holzfassbier, dass durch heftigen Malzeinsatz glänzt und durch Eichenfasslagerung eine ganz weiche, milde Note bekam. Smooth und flauschig wie ein Küken.

Lazy-Dog-SchildAls wir wieder raustreten beraten wir über den Finisher. Soweit im Süden bleibt uns nur ein Bad im eiskalten Cossi oder ein letzter Gang zum Lazy Dog – dem wohl unfreundlichsten Späti der Stadt. Aber auch der Späti mit der höchsten Bier-Überraschungsquote: Da findet man mal ein Butcher’s Tears, ein Duvel, ein Crew Republic, was von Ratsherren. Aber es ist nie Verlass darauf, dass diese Getränke beim nächsten Mal noch da sind. Wir entscheiden uns für einen Proper Job. Denn den haben wir heute Abend getan. Das beste IPA, das wir kennen. Ein authentisches, ehrliches Bier mit einer unglaublichen Ausgewogenheit aus Fruchtig- und Malzigkeit. Es hat nichts von der Aufgeregtheit oder Nervosität der deutschen Craft-Biere. Es ruht in sich, ist gleichmäßig laut. Ein Bier wBier-Suppeie Steven Gerrard. Voller Würde und ausgestattet mit allem was Bier banal macht, am Meer sehen wir uns alle. Ein Meisterwerk aus Englands Südwesten. Wir stehen in definitiver Schräglage vorm Anschlag des Black Label Pub: „Suppe des Tages: BIER!“ steht da drauf. Auf seinem klapprigen Rad schleicht Ian an uns vorbei, es war Zapfenstreich, er muss in den Nachbarort.
„Viel Glück du alter Humpen!“
„Schön hier!“ sage ich leise.
„Cheers!

^sg