Bier in Thüringen – Waldhaus Erfurt (Gastbeitrag)

Endlich mal wieder ein Gastbeitrag von Mario. Er ist Heimbrauer und lebt inzwischen in Erfurt. Er bloggt sonst selten über Bier sondern hauptsächlich hier über Literatur, Kunst und Kultur. Von ihm kriegen wir immer mal wieder Gastbeiträge. Heute gehts um das Waldhaus Erfurt – BIER IN LEIPZIG goes Thüringen 🙂


Das im Steigerwald gelegene Waldhaus wurde 1994 als erste Erfurter Gasthausbrauerei eröffnet. Zu erreichen ist das Waldhaus zum Beispiel auf einer kleinen, ca. 4 km langen Wanderung, beginnend am Steigerwaldstadion. Eine sehr empfehlenswerte Tour, die den Bierliebhaber mit einigem Appetit und Durst ankommen lässt. Das Waldhaus ist von seiner Speisekarte her wohl am besten als deutsch-italienisches Gasthaus zu bezeichnen, das zahlreiche Klassiker und Spezialitäten beider Küchen auf der Karte hat. Haute cuisine sollte man vielleicht nicht gerade erwarten. Gut essen kann man im Waldhaus jedoch allemal.

Mit einem Jahresausstoß von 250.000 Litern zählt das Waldhaus natürlich zu den Kleinbrauereien. Umso beachtlicher ist es da, dass man hier auf 14 verschiedenen Sorten verweisen kann, die jedoch nicht alle gleichzeitig angeboten werden (können). Zu den interessantesten zählen sichwaldhaus_maerzen_schwarzer das Rotbier, ein Rauchbier, ein Rauch- sowie ein Weizenbock. Leider war keiner dieser Kandidaten bei meinem Besuch am Hahn. Gutes Bier habe ich dennoch getrunken. Zur Sache:

Das Waldhaus Märzen kam herrlich bernsteinfarben und leicht nussig in der Nase daher. Mit 5,3% Vol. ist es ein angenehmes Leichtgewicht des Stils, der üblicherweise bei ca. 6% Vol. liegt. Wobei hier natürlich keine festen Grenzen gesetzt sind und ein Märzen amerikansicher Craft Brewer mitunter 10,2% Vol. haben kann. Das weiche Malz und kaum wahrzunehmender Hopfen machen das Waldhaus-Märzen zu einem typischen Vertreter eines Märzen, das vor allem Freunden süßerer Biere schmecken sollte. Leider leidet die Süffigkeit dieses Bieres unter dem, ebenfalls oft beim Märzen anzutreffenden, merkwürdigen Mundgefühl, das ich eigentlich nur als „klebrig“ bezeichnen kann. Bei einer Trinkmenge von 0,3l ist das zu verkraften. Einen halben Liter oder gar eine Maß würde ich davon jedoch nicht schaffen. Was dem Bier leider völlig abgeht ist eine Aroma, dass über die Malze hinausreicht, sowie ein erkennbarer Nachgeschmack. Alles in allem: ok.

Das Waldhaus Stockdunkel ist ein Thüringer Klassiker, das heißt: ein Schwarzbier. Auffällig war hier die angenehmen Röst-, Kaffee- und Schokoladennoten in der Nase. Das roch schon mal vielversprechend. Vom Geschmack und Gefühl her kam das Stockdunkel dann aber recht konventionell daher. Der Geschmack ist sehr auf das Malz ausbalanciert, lässt kaum Hopfen erkennen, dafür angenehme Röstnoten, die wiederum für eine gewisse Herbe sorgen. Das Bier könnte meinem Geschmack nach etwas „dicker“ sein und würde dennoch nichts von seinem Süffigkeit einbüßen. Aber: ein gutes Bier mit 5,1% Vol.

Das Waldhaus Bräu ist ein typisches Brauhaus Pilsener. Hell und ungefiltert (wie alle Waldhaus Biere) mit 5,0% Vol. Gesetzt wird eher auf Malz, denn auf Hopfen, dennoch stimmt die Balance. Nach der erwähnten Wanderung läuft es wunderbar, wobei die etwas (!) zu prickelige Kohlensäure auch nerven kann. In der Nase leider nur wässriges Malz (so komisch das auch klingt), ist das Waldhaus Bräu dennoch ein enorm süffiger Zeitgenosse für Freunde der milden Pilsener. Würde ich vor allem im Sommer wieder trinken.
waldhaus_braeu_pilsener

Schließlich der Waldhaus Doppelbock, der an diesem Tag der aromatischste Kollege war. Mit 7,5% Vol., Karamell- und Keksnoten in der Nase kündigt sich da schon vor dem Trinken einiges an. Aber hol’s der Teufel, wer kann einer solchen dunkelbraunen Versuchung schon widerstehen? Im Antrunk zeigt sich schon, dass das volle Malz es ernst meint. Ölig legt sich dieser Doppelbock um die Zunge und hinterlässt tatsächlich einen Nachgeschmack, den Brauer so gern als malzaromatisch bezeichnen. Über Hopfen brauchen wir hier nicht reden, wobei der Doppelbock durchaus eine gewisse Würze erkennen lässt, die ich leider nicht näher beschreiben kann. Dennoch ist Vorsicht geboten: an Wandertagen kann das Bier zur Herausforderung für den Rückweg werden! 😉

Hier die Biertafel vom Waldhaus mit aktuellem Zapfhahnbelegungsplan.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.