Archiv für den Monat: Juni 2015

Zu Besuch in der Pivovar Kocour Varnsdorf

Hallo Leute, hier mal eine kurzer Ausflugstipp für euch. Knapp 220 km von Leipzig entfernt liegt der tschechische Ort Varnsdorf, direkt an der Grenze bei Seifhennersdorf. Soweit so langweilig. In Varnsdorf steht aber die Brauerei Kocour und die ist alles andere als langweilig und definitv einen Ausflug wert. Ein wunderschönes etwas wildes Brauereigelände, witzige Möglichkeiten zu übernachten (alte Bahnwaggons), eine tolle Gastronomie und vor allem wirklich geiles Bier. Und zwar vom Fass. Mindestens 10 Sorten. Eine besser als die andere. Selten haben wir an einem Ort so viele gute und spannende Biere bekommen. Ein Fest! Seht mehr in unserer Bildergalerie.

Kleine Anmerkung: Die Mitarbeiter der Brauerei und des Gasthauses sind eher von der groben Art, also erwartet keine liebenswürdige Bedienung ;). Auch mit englisch und deutsch ist es nicht weit her.

Hop Devil India Pale Ale – Komm her du Nichtsnutz, ich zeige dir was ich kann!

Hallo,
heute das Hop Devil India Pale Ale von der Victory Brewing Co.
Im Glas ist das Bier satt bernsteinfarben. Der Geruch des Biers ist überwältigend. Der ist so gut, dass man sofort an eine Wiese mit frischen Blumen denkt nur dass man diese Blume hier trinken kann. Der Hopfenduft springt einen nahezu an und sagt: „Komm her du Nichtsnutz, ich zeige dir was ich kann!“ Oder spricht da schon der Teufel zu mir, bevor ich dran genippt habe.
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Schon der Antrunk explodiert wie ein ganzes Minenfeld auf der Zunge. Eine Herde durchgeknallter Stiere wird vom Hop Devil über den Gaumen getrieben und der Hopfen macht es sich richtig bequem, entfaltet sich voll, nimmt die ganze Zunge ein und sticht unglaublich angenehm auf den sensiblen Geschmacksnerv ein.
Die prickelnde Kohlensäure zündet gemeinsam mit dem Malz die zweite Welle die durch einen warmen Mittelteil führt.
Im Abgang kommt noch mal die volle Hopfenschärfe zur Geltung. Dort holt der Hop Devil noch mal alles aus der Hölle hervor was in so auszeichnet. Ein bombastisches Fegefeuer an gewaltigen Hopfenwellen regnet auf die Zunge nieder und sorgt für einen gigantischen Abgang eines großen Biers.
Seine 6,7 Prozent Alkohol versteckt der Hop Devil natürlich unfassbar gut. Ein India Pale Ale, das man mal versuchen sollte.

Ist in der Getränkefeinkost Leipzig zu haben.

^sm

Mylius-Erichsen Bryghus: Skonnert 8º 12,7′ Ø – Ein dänisches Skibsøl für den Seebären im Ruhestand

Bei 8º 12,7′ östlicher Länge liegt der Dreimast-Bramsegelschoner „Maja“ im Hafen von Hvide Sande. Hier, an der Mündung des Rinkøbingfjords im Westen Jütlands, hat dSkonnert 1as fast 100 Jahre alte Schiff den Ankerplatz für seinen Schiffsruhestand. Den hat es sich redlich mit jahrzehntelanger Plackerei im Lastkahngeschäft verdient, u.a. segelte es mit tonnenweise Braugerste für die Ceres Brauerei in Aahus. Heute ist es ein beliebtes Fotomotiv und wird von Touristen für kurze Segeltouren entlang der Nordseeküste oder für Partys gemietet. Immer mit an Bord: Ein 200-Liter Eichenfass voll mit getorftem Whisky aus der Stauning-Destillerie vom Ostufer des Fjordes. Der Whisky soll dort reifen und schippert überall mit hin.

Soweit, so gut. Aber was hat all das primär mit Bier zu tun? Hier kommt das kleine Mylius-Erichsen-Brauhaus aus Ringkøbing ins Spiel. Das fühlt sich der Region verbunden und nutzt zum Brauen seiner aktuell 12 Sorten Bier nicht nur regionale Rohstoffe, sondern auch gerne einmal Eigenarten der ortstypischen Flora wie Hagebutten, Honig, Blutwurz, Mädesüß und Gagelstrauch. Das Brauhaus braut damit besondere Biere, die den Charakter der Gegend widerspiegeln sollen. (wie z.B. das nach dem Fluss Skjern benannte “Skjern Å Ale“). Eines dieser regionalen Charakterbiere von Mylius-Erichsen ist ein „Skibsøl“ (Schiffsbier), eine traditionelle dänische Rauchbiersorte, dazumal gern getrunken von Seeleuten und bei der Marine. In diesem Fall hat das Brauhaus passenderweise ein Schiffsbier zu Ehren eben jenes lokal berühmten Schoners „Maja“ eingebraut. An sich schon eine klasse Idee. Richtig stilecht wird’s dann mit den regionalen Spezialzutaten: über Torffeuer gedarrtes Whiskymalz und Whisky. Beides – wer hätte das gedacht – aus eben jener Stauning-Destillerie.

Das Ergebnis ist ein malziges Rauchbier mit ordentlichen 8% Alkohol in der Takelage, dunkel bernsteinfarben im Glas und mit stabiler, cremefarbiger Schaumkrone. Bootstypisch und dem Seemann wohlvertraut ist der erste Geruchseindruck: Torf, Teer, Pech- und Schwefelnuancen kitzeln die Nase. Vielleicht verbranntes Tau? Oder Kautabak? Da möchte man schon fast wieder beidrehen. Aber auch Karamell-, Sahnebonbon- und natürlich Whiskynoten sind dabei. Etwas zu Naschen gibt es für den Seemann also doch. Man wird neugierig auf den Geschmack. Und beim Klabautermann, dies Bier ist nichts für Leichtmatrosen sondern gereicht dem echten Seebären zur Ehre: Es gibt tüchtig was mit’m Paddel auf die Geschmackspapillen; unaufdringlich torfig, Whisky mit Meeresbrise, Seetang und Kräutern. Freunde von Islay-Single Malts dürften ebenso ihren Spaß an diesem Bier haben. Obendrein ist es angenehm karamellig-malzig, aber gerade noch nicht zu süß. Leicht fruchtige Noten und nussige Holzaromen machen sich auch dezent bemerkbar. Und Hopfen? Den schmeckt man erst hinten raus. Nachdem zuerst das karamellige Toffee verebbt, bleibt noch Torf im Mund und dann bis zum Schluss eine trockene Hopfennote. Leider nur sehr zurückhaltend. Mit etwas mehr und aromatischerem Hopfen hätte man noch mehr aus diesem Bier herauskitzeln können. aber trotzdem: Wahrlich ein Seemannsbier, wie man sich es als Landratte so vorstellt. Stark, eigensinnig, etwas kauzig aber mit dem Herz am rechten Fleck. Dennoch nicht so derb und aufbrausend wie die stürmische See (ist auch eher schwach karbonisiert). Vielmehr harmonisch-kraftvoll, das torfige Rauchmalz und den Whisky ausgewogen eingebunden. Hart am Wind aber abgebrüht und geerdet. Also eher doch für den Seebären im Ruhestand. Der hat ’n dicken Pulli an und schon tausend Stürmen, Riesenkraken und Seeschlangen getrotzt. Sitzt jetzt Pfeife rauchend und Sahne-Toffee lutschend am Kamin und schwelgt in alten Zeiten, als er noch mit seinem Dreimastschoner voller Braugerste durch den Skagerrak gesegelt ist. Ab und zu kippt er sich ein Skibsøl hinter die Augenklappe und spinnt Seemannsgarn. Den Klabautermann, den hat er nämlich wirklich gesehen damals. Als er im Öresund mit 100 Whiskyfässern an Bord auf Grund lief…

Die Idee, ein Bier eigens als“tribute“ für ein Schiff zu brauen ist schon mal bemerkenswert. Dem Mylius-Erichsen-Brauhaus ist mit dem Skonnert 8º 12,7′ Ø noch dazu ein anständiges Rauchbier mit Charakter gelungen (und Rauchbiere überzeugen mich nur selten.) Beim meinem nächsten Besuch am Rinkøbingfjord bin ich sicher wieder dort zu Gast. (mr)