LAUFEN UND SAUFEN. Unser kleines Biertrinkerherz klopft ängstlich

Mikkeller hatte eine nette Marketing-Idee (nein das hier hat nix mit Braufactum zu tun): Man kauft ein T-Shirt mit Mikkeller-Werbung und erwirbt damit eine lebenslange Mitgliedschaft im sog. ‚Mikkeller Running Club‘. Oder wie es im PR-Sprech dann heißt:

„The idea of Mikkeller Running Club is to stay fit through running. That makes us capable of enjoying even more of the good life – which includes state of the art food and drinks.“

Bevor man also Bier trinkt, soll man erst mal richtig rennen. Auch Leipzig hat jetzt einen Mikkeller Running Club. Bei uns hieß das ja früher Bierstaffel und es ging darum möglichst schnell besoffen zu werden. Was hat Laufen denn mit Biertrinken zu tun? Und wie soll man bitteschön Suff mit Gesundheit zusammenbringen? Auf so ne Idee muss man erst mal kommen. Fast so komisch wie Tischtennis und Schnaps. Oder Kiffen und Schach. Wir machen dann auch bald mal nen Club auf: Den Bierstrolch-Suff-Club. Einmal im Monat trifft man sich zum Bechern in einer Kneipe und danach …geht man irgendwo Bier trinken. Und dann ordentlich angeschrägt nachhause. Ende!
UnbenanntSo ganz war’s dann doch nicht zu Ende. Es regte sich Widerspruch auf der Bier-in-Leipzig-Facebook-Seite ob unserer Einlassungen („Körperliche Ertüchtigung und gutes Bier sind nun mal nicht für jeden. Dann lassts lieber sein.“). Da erklären wir’s halt etwas genauer und lassen es natürlich lieber sein:

Körperliche Ertüchtigung – das trifft den Kern schon ganz gut. Bei dem Begriff zucken wir ganz unwillkürlich ein wenig zusammen und unser kleines Biertrinkerherz klopft ängstlich. Das tut es schon seitdem Bier nicht mehr bekömmlich ist. Zum Glück hat es gelernt, sich an kritischer Gesellschaftsanalyse zu kräftigen. Und so stellt es selbstgewiss fest: ‚Körperliche Ertüchtigung‘ ist eine Wortschöpfung aus dem 18. Jahrhundert (ähnlich wie ‚Leibesübung‘ – Igitt!), im Kontext des Philantropismus geprägt. Was sich damals explizit in seiner politischen Funktion als Erziehung, Züchtung und Wehrhaftmachung der Bevölkerung offenbarte (Stichwort: Biopolitik), versteckt sich heute (nennen wir die Zeiten der Einfachheit halber einmal ‚neoliberal‘) hinter neuen Gesundheitsimperativen und Forderungen nach Selbstverantwortlichkeit:

Kümmere dich um dich selbst! Sorge vor! Übertreib nicht! Achte auf dich und kalkulier die (Gesundheits-)Risiken gut, die du mit deinem Verhalten provozierst! Wenn du schon die Gefahr eingehst, Alkohol zu trinken, dann denk doch bitte daran, vorher ein paar Runden zu joggen!

Hinzukommt die Instrumentalisierung und Entpolitisierung von „Gemeinschaft/ Community“, sei es bei Freeletics, Runtastic, Mikkeller etc. – aber das ist noch einmal eine andere Geschichte.

Wir würden gern einfach nur Bier trinken – so es sich anbietet, auch mehr als wir vertragen. Ab und an bis zum Rausch. Meist auch nur, um unseren Durst zu stillen. Manchmal aber auch, um damit unsere Suhrkamp-Lektüre weniger fad erscheinen zu lassen und die Dinge um uns herum lustvoll zu kommentieren. 🙂 Daneben halten wir aber auch niemanden davon ab, zu rennen, was das Zeug hält. Los geht’s! Und: Prost!

^all

2 Gedanken zu „LAUFEN UND SAUFEN. Unser kleines Biertrinkerherz klopft ängstlich

  1. Lauffreundin

    Liebes Bier in Leipzig Team,

    wie schön, dass ihr hier noch einmal eure Meinung über uns Läufer kund tut. Als Läuferin und Biertrinkerin stehe ich auf der anderen Seite dieser Meinung. Biertrinken und Laufen gehören in der Tat zusammen, sobald man dies zulässt. Darf ich als Biertrinkerin also nicht laufen? Darf ich als Läuferin kein gutes Bier trinken?
    Wie gesagt, wenn ihr mit Sport nichts am Hut habt (holt nun gern schnell einen Wikipedia-Eintrag über „Sport“ zur Hand), dann müsst ihr keinen Sport treiben. Aber hindert nicht die daran, die es tuen möchten. Man treibt Sport weil es Spaß macht. Man trinkt Bier weil es Spaß macht und es ein Genußmittel ist. Und da sind wir beim nächsten Punkt. Bier ist zum genießen und nicht da um sich zu betrinken. Bei einer Website wie Bier in Leipzig, würde man denken es geht um den Geschmack und den Genuß von Bieren, in die so viel Kreativität und Liebe gesteckt wurde und nicht um „Suff“ & „möglichst schnell besoffen zu werden“. Aber vielleicht ist das zu viel verlangt für Leute, die als Biernoten „muffig-kotzig“ und „Kaugummi“ anpreisen.
    Also wenn ihr möchtet – trinkt einfach nur Bier. Wir gehen einmal pro Monat Laufen und trinken danach in geselliger Runde ein paar Biere.
    Prost.

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    1. Daniel

      Liebe Theresa,

      wie wir in dem Beitrag geschrieben haben, halten wir niemanden davon ab, Sport zu machen oder Bier zu trinken oder beides gleichzeitig zu tun. Es sei uns trotzdem erlaubt, das ein oder andere gesellschaftliche Phänomen, das sich an „Bier“ anknüpft, (auch ganz ohne Wikipedia) kritisch und ein wenig ironisierend zu kommentieren. Wer nur Affirmation erwartet, muss sich mit unseren Texten ja auch nicht auseinandersetzen, sondern kann getrost darüber hinwegblicken, hinwegklicken, die Seite blocken etc. Was die Funktion von Biertrinken angeht, haben wir im Beitrag ja auch schon ein paar Möglichkeiten – neben dem Rausch – aufgezeigt. Einfach noch mal checken. Der Kommentar zu unseren Bierbeschreibungen gehört zu einem anderen Blogbeitrag, deshalb gehen wir an dieser Stelle nicht sonderlich darauf ein. Aber toll, dass du dich bis zu dieser Stelle durch den ellenlangen Text gekämpft hast. Wir hatten ja schon die Befürchtung, dass alle Leute bei den grass’esken Reimen im ersten Abschnitt kapitulieren und aufhören zu lesen.

      Viel Spaß beim Laufen und Biertrinken (ganz ohne Ironie) und muffig-kotzige Grüße
      Daniel (von Bier in Leipzig)

      PS. Wir sind eine Gang und kein Team.

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