Craft oder nicht Craft – das ist hier die Frage. Zu Besuch in Cliff’s Brauwerk

Saubere Sache: die Biere von Cliff’s Brauwerk

Nachdem wir bereits bei der trubeligen Eröffnung einen kurzen Abstecher zu Cliff’s Brauwerk gemacht und eine erste Kostprobe vom Bier genommen hatten, waren wir in der letzten Woche mal in Ruhe dort und haben uns von Cliffs handgebrauten Bier begeistern lassen. Dem wirklich ersten Leipziger Craft Beer! Weil, wirklich im Leipziger Waldstraßenviertel gebraut! Aber halt! Wie in der ein oder anderen Leipziger Braugaststätte wird hier bei Cliff das Wort Craft nicht in den Mund genommen, obwohl sich damit womöglich mehr Aufsehen erregen ließe.

Aufsehenerregend ist erst mal nicht viel, wenn man die Leibnizstraße an einem kalten Winterabend entlangtappt: Eine kleine Bar, mitten im Waldstraßenviertel, das fällt kaum mehr auf oder ins Gewicht, denkt man sich. Hier ist die Gentrifizierung ja auch schon durch. Kann sich später wenigstens keiner beschweren. Mit etwas Glück sieht man vor einem der Häuser eine schwach, mithilfe einer kleinen Lichterkette erhellte Tafel. Wie ein treuer, müde gewordener Weihnachtsbaum Ende Januar steht das Schild vor dem Eingang zur Bar und kündet sacht und leise: hier gibt es gutes Bier. Advent, Ankunft, wir sind, wo wir hinwollten.

Beer to go: Bier in Flaschen zum Mitnehmen. Alles zu fairen Preisen.

Die Tür führt uns hinab in einen weiß getünchten Gewölbekeller. Rustikal. Stehtische. Heimelige Atmosphäre. Irgendwas zwischen Eckkneipe und griechischem Restaurant in den 90ern. Sofort ist Cliff da und zapft uns erst mal eine Kanne Bier. Drei bis vier hat er immer am Hahn. Und alle (so der Plan) immer nur einmal. Also heißt es wachsam sein, will man keins verpassen. Stunde und Tag sind ungewiss, aber wenn der Tank leergetrunken ist, kommt das nächste dran.

Heute gibt es für uns ein Blond Ale (setzt an wie ein belgisches Triple, wird dann aber hopfig und ganz klar im Abgang), ein Amber Ale (ne ordentliche Schippe Malz und doch fruchtig), ein Pale Ale (vier Knallerhopfen, blumig mit ultratrockenem Abgang und immer noch schön leicht dabei) und ein Winterweizen (angenehme Mischung aus Banane und Nelke).

Bier-Nerds unter sich. Den Blick auf’s Allerheiligste gerichtet.

Während wir das zweite Bier ansetzen, lädt Cliff uns ein, seine Brauerei im angrenzenden Gewölbe zu besichtigen. Schnell ist man mit ihm im Fachsimpeln und Schwärmen. Der Typ liebt Bier und das Brauen und kann es überhaupt nicht ausstehen, wenn jemand ein leeres Glas hat. Was ihm allerdings total abgeht, ist das Gerede über Craftbeer, der Hype und das ganze Drumherum. Cliff ist so eine Art Gegenentwurf zum Craftbrauer: kein Vollbart, kein Holzfällerhemd, kaum Attitüde. Seinen Weg vom Heimbrauer zur eigenen Brauerei ging er, wenn nicht geradlinig, so doch geplant. „Ich brauchte ein Hobby, das mich ausfüllt.“, meint Cliff bescheiden. Und so hat er selbst, Stück für Stück, den alten Keller zur Brauerei und Kneipe umgebaut und konnte im Oktober 2016 endlich eröffnen.

Das freut nicht nur Cliff selbst, sondern auch viele Anwohner, die nach anfänglicher Skepsis und kurzer Eingewöhnungszeit seine Stammkunden geworden sind. Auch die Hobbybrauer kehren regelmäßig bei ihm ein. Für Cliff ist es kein Problem, wenn man einmal sein Heimgebrautes zur Verkostung mitbringt. Ganz im Gegenteil. Seine Kneipe soll ein Ort sein, sich in entspannter Atmosphäre auszutauschen – über Bier, aber auch über vieles mehr.

Dass man eine Weile bleibt, sich ohne Bedenken durch die Bierkarte trinken kann und nicht sofort wieder aufbrechen muss, hat auch seinen Grund in den moderaten Preisen: zwischen 2,90 € und 3,80 € kostet das Bier hier. Klar, ist das immer noch teurer als das Sterni vom Späti, aber auch weit weg von den teilweise infamen Preisen, die mittlerweile für manch mittelmäßige Craft-Biere abverlangt werden.

Malzbetont.

Aber wie schon erwähnt: mit den Gepflogenheiten der Craft-Szene hat das Cliff’s (zum Glück) weniger zu tun. Und so unterscheidet sich sein Brauwerk angenehm von vielen Playern auf dem Markt. Cliff folgt einer anderen Idee. Und auch, wenn man ihn nach seiner Einschätzung zur Leipziger Bierszene befragt, wird dies deutlich: Eigentlich sei genug Platz da für viele, der Markt ist überschaubar und bietet Raum für verschiedene Angebote, man könnte sich relativ entspannt ausprobieren. Trotzdem gibt es an einigen Stellen  bereits Missgunst, Grabenkämpfe und bilden sich Koalitionen, nicht zuletzt entlang der Gretchenfrage: „Wie hast du’s mit dem Craftbier?“. Hier die Craft-Apologeten, dort diejenigen, die sich bewusst von dem Label abgrenzen. Cliff gehört ganz eindeutig zu Letzteren.

Nicht nur dieser Umstand wird uns sicher immer einmal wieder bei Cliff einkehren lassen. Wir hatten einen bierigen Abend, haben uns wohlgefühlt und kommen deshalb gern zu ihm zurück!

Cliff’s Brauwerk findet ihr in der Leibnizstraße 17. Geöffnet ist von Dienstag bis Samstag zwischen 18 und 22 Uhr. Die Website findet ihr hier: klick!

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3 Gedanken zu „Craft oder nicht Craft – das ist hier die Frage. Zu Besuch in Cliff’s Brauwerk

  1. Steph79

    Immer her mit den Tipps für coole Bars in Sachen Craft Biere! Ale, Stout und Co. bekommt man leider viel zu selten in den großen Locations, deshalb sind solche Geheimtipps immer Gold wert. Wer Craft Bier und ausländische Biere nicht nur zu Hause geniessen möchte, sondern bei einem geselligen Abend mit Freunden, der findet in Leipzig nicht so einfach eine gemütliche Bar. Klar, die gängigen Biersorten vom Weizenbier bis zum Pils und auch die bekannter Biersorten bekommt man überall. Und das ist ja alles auch kein schlechtes Bier. Wer aber gerne Neues ausprobiert, der muss schon recht lange suchen. Deshalb noch einmal: Danke für den Tipp!

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  2. Cheech

    Übrigens hat auch das Beyerhaus eine erstaunlich gute Auswahl. Und die Preise sind sehr in Ordnung! Da kann mal wirklich mal ein wenig durchtesten.

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