Der arrogante Bastard aus Berlin

Heute nehmen wir also die selbsternannte Speerspitze der Craft Beer Bewegung in die Zange. Der Zenit einer ganzen Kultur, der angebliche Eric Cantona des Biers im Test. Der King of Hearts, der keiner sein möchte. Der Leibhaftige, der nicht nur Bieren, sondern auch Eheleuten seinen Segen gibt. Wir testen das Arrogant Bastard Ale von Stone Brewing Berlin.

Die Dose, die wir vor uns haben, ist schon mal ganz stattlich. Da kann man allerhand Quatsch draufschreiben. Macht man dann auch. Was einige Leute bestimmt ansprechend finden. Leute die auf sexy Storyteller-Startups stehen und die wahrscheinlich völlig überzeugt denken, dass Stone eine kleine revolutionäre, alteingesessene Berliner Buchte ist. Leute, die mit Bier schon lange rumprobieren, wird dieser Klappentext nicht hinterm Ofen hervorlocken. Also Leute wie uns. Leuten, denen man nichts mehr von Bier erzählen muss. Gar nichts! Andererseits freut es Leute wie uns auch – und das geben wir unumwunden zu -, dass Greg Koch eine Brauerei in Berlin eröffnet hat und seine kompromisslosen Biere nur einen Diagonalpass von Leipzig entfernt an den Start bringt. Und wer weiß? Vielleicht knackt man ein System wirklich eher von innen als von außen? Okay, eine Randnotiz zum Dosentext muss noch sein: Da wird am Ende vom Reinheitsgebot gesprochen. Naja. Wenn schon soviel Text notwendig ist, bevor man zum ersten Schluck kommt, dann hätte man das Reinheitsgebot doch mal richtig anständig bei den Eiern packen, oder mit einem Dropkick umhauen können. Aber es bleibt eher bei einer lahmen Floskel und damit ist das Ding getrunken. Hat da etwa jemand Angst vor’m Platzverweis? Sei’s drum.

Kommen wir zum Eigentlichen – dem Arrogant Bastard Ale.

Im Glas steht ein schwer und dickflüssig aussehendes Bier. Die Krone ist mächtig. Das hat schon mal was Höllenfürstliches. Wir halten die Nase drüber und der Duft, der einem entgegenkommt ist etwas schräg. Ist das in harzig-ranzigem Honig eingelegter, verdorbener Pfeffer? Es gibt Ahnungslose, also das Gegenteil von uns, die sagen würden, es stinkt danach. Und die würden schon jetzt die Finger von dem Bier lassen. Aber ich nehme schon mal vorweg: Der Geruch hat nichts mit der Qualität des Biers zu tun. Durch den muss man sich einfach durchkämpfen, um zum Eigentlichen zu kommen.

Schon beim Antrunk weiß man, dass man es mit einem Biest von Bier zu tun hat. Der Arrogant Bastard rasiert einem sofort wie der wahnsinnige Lord einer fiesen Gang aus Los Angeles scharf ins Maul. Als ob die Geliebte einen – blutdurstig – beim Kuss die Zunge abbeißen will. Das Ganze wird von einem wunderbar balancierten, saftigen Hopfengeschmack begleitet.

Im Mittelteil kommt dann ein besänftigendes Malzbrett, das uns ein wenig zur Ruhe kommen lässt.

Der Abgang des Arrogant Bastard ist dann unfassbar bitter und setzt dem Bier die Krone auf. Ein Wasserfall aus knallendem Hopfen, der einem die Kiemen durchzuspülen versucht und den Hopfen, samt des Malzkusses, im ganzen Mundraum spürbar zurücklässt.

Der Arrogant Bastard ist bestimmt kein Bier für Anfänger. Aber vielleicht sollten gerade diese damit starten, damit sie sofort zu spüren bekommen, was Bier so kann. In Leipzig gibt es das Arrogant Bastard Ale von Stone Brewing unter anderem bei den Bierfreunden und im Kaufland.

^sm

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