Mit Penisneid auf Biertour. Zu Besuch in der Rorschach Bar

Cock(!)tails & Craft Beer. Phallozentrisches erwartet einen im Rorschach.

Unsere Neugierde auf die Rorschach Bar erweckte vor nicht allzu langer Zeit ein Artikel im Stadtmagazin Kreuzer (Fokus aufs Wesentliche). Dort wurde die Bar nicht nur Cocktailfreunden, sondern auch Biergourmets anempfohlen. Und weil wir wissen, dass sich die Leute beim Kreuzer zwar außergewöhnlich gut mit Subkultur, aber nicht ganz so gut wie wir mit Bier auskennen (und noch weniger gut mit psychologischer Diagnostik), haben wir bei der Rorschach Bar eine kurze Stippvesite gemacht. Der Bier-in-Leipzig-Crosscheck.

Rorschach also. Den Namen trägt die Bar in der Arndtstraße 44, im Herzen der Südvorstadt. Wie es sich für gute JournalistInnen gehört, hatte schon ein Leipziger Stadtmagazin im alten Brockhaus nachgeschlagen und herausgefunden, dass es sich beim Rorschach-Test um irgendwas mit Psychologie handeln muss. Ein Test, der aber kein guter Test sei, weil er nicht so richtig funktioniert. Irgendwas mit düstere Tintenklecks-Bilder anschauen und dann findet man die Persönlichkeit des Anderen raus. Bissel spooky das alles.

„Nächste Frage: Was sehen Sie in diesem Bild?“

Aber seien wir ehrlich. In Wirklichkeit ist es beim Rorschach-Test wie so oft in der Psychologie: man soll frei assoziieren, seine Gedanken von der Leine lassen, gibt vor, damit in unentdeckte Welten des Unbewussten vorzudringen, Neues zu erfahren. Und am Ende landet man bei dem, was man sowieso schon vorher gewusst hat: frühkindliche Neurose, Ödipuskomplex, Penisneid. Und irgendwie ging es uns auch so, als wir die Rorschach Bar besuchten. Unsere Träume, Wünsche und Projektionen waren nicht unermesslich groß, firmiert das Rorschach doch nicht als Bier- sondern primär als Cocktailbar. Aber wo auch Craft-Bier draufsteht, erwartet man schon den ein oder anderen überraschenden (Be-)Fund. Dem ist leider nicht so. Negativ.

Als wir zu Gast waren, gab es zwei Biere am Hahn: das Köstritzer Pils und das Kellerbier aus dem selben Hause. Beides solide, aber bei Weitem keine Offenbarung. Auf der Karte finden sich dann eine ganze Reihe von Flaschenbieren, die man so kompiliert zwar selten in Leipziger Restaurants oder Bars findet, die jedoch nicht über das hinausgehen, was man mittlerweile auch in so manchen Supermärkten bekommt: das Standard-Repertoire von La Chouffe (Blonde, Brune, Golden Ale), einen Großteil der Palette von Störtebecker (Pils, Atlantik Ale, Freibier, Scotch Ale, Schwarzbier), Maisel’s Weisse (Original, Dunkel), ein bisschen was von Zwönitzer (Pils, IPA, Stout, Rauchbier) oder das Imperial Stout von Schönramer. Achso, Craftbier von Pilsner Urquell gibts auch. Okay, vielleicht ist das Klagen auf recht hohem Niveau. Vor ein paar Jahren wäre das Rorschach in Leipzig vielleicht noch als siedend heißer Biertipp gehandelt worden. Aber mittlerweile kann man sich mit den genannten Bieren ganz gut im Rewe um die Ecke eindecken und es sich auf der heimischen Couch gemütlich machen. Im Liegen lässt sich ja auch sowieso viel besser Seelenkunde betreiben.

Düster und rauchig-umnebelt wie im Es.

Wer also vom Bierangebot überrascht werden will – und wie wir mittlerweile einen so verfeinerten Geschmack hat, dass nur das Beste gut genug und nur die ungewöhnlichsten Spitzwegerich-Quinoa-IPAs ins Glas kommen – wird schnell enttäuscht sein. Für alle anderen bietet das Rorschach vielleicht sogar einen niedrigschwelligen Einstieg in die weite Welt der Biere. Noch dazu ist die Location gemütlich-schummerig hergerichtet, es darf geraucht werden und der Chef, Maurice, ist ein äußerst sympathischer Typ, der auch gut und gern Auskunft über sein Angebot gibt. Seine Cocktails haben wir leider nicht probiert, obwohl wir Mischkonsum nicht abgeneigt sind.

Die Rorschach Bar findet ihr der Arndtstraße 44, in der Südvortsadt, die Website hier: www.rorschach-bar.de

^dd

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