Ale Symphony – Tschechisches Craft Beer in Leipzig

Die tropische Rakete aus Tschechien. Startet ab sofort von Leipzig-Lindenau.

Manchmal fragt man sich ja schon, nach so vielen Jahrzehnten, warum man immer noch Bierblogger ist. Diese immergleichen Craftbeer-Bar-Eröffnungen in den neuen Szenevierteln der neuen Szenestädte. Das distinguierte Schimpfen auf die dummen Industriebiertrinker und auf die Schweinekapitalisten aus den Großbrauereien. Die Bigotterie und die Doppelmoral und die Tripelmoral. Das reflexhafte, ironische Kommentieren der nächsten Biersau, die durchs Dorf getrieben wird. Das ermüdete Lächeln, das einem das x-te Baobab-Kaviar-Imperial-Stout aufzwingt. War es das sechste in diesem Monat!? Irgendwann hatte man aufgehört zu zählen. Der traurige Blick auf die Wampe unter einem macht auch nicht glücklicher.

Und dann, ja und dann wird man doch mal wieder unerwartet aus dem Bloggeralltag entführt. Da laden dich auf einmal wildfremde Leute zu sich nach Hause ein, bieten dir Schlappen an, machen Platz auf der weichen Wohnzimmercouch, schmieren Schnittchen – und servieren zehn völlig unbekannte, geile Biere. Und unvermittelt ist man nicht nur Gast. Man hat auch neue Freunde. Zumindest für einen Abend. Bier ist die heimliche Macht, der Zirkel. Freimaurergleich spinnt es unsichtbar ein Netz durch die Gesellschaft. Man sitzt beisammen, nickt sich wissend zu, man lächelt das Bierlächeln, das nur Eingeweihte deuten können. Man er-kennt sich, obwohl man bis vor ein paar Stunden nicht einmal wusste, dass es die Anderen gibt. Und genauso erging es uns letztens.

Nennen wir unsere beiden Gastgeber und neuen Freunde an diesem Abend der Einfachheit halber Lukáš Hrubý und Stanislav Kanta. Welche Namen lägen ferner! Und nehmen wir an, sie kommen aus Vitkovice. Oder aus Plzeň. Woher denn sonst! Der eine von da und der andere von dort. So unwahrscheinlich wie das klingen mag. Und irgendwie hat es sie vor geraumer Zeit schnell vorbei an Drežd’ene bis nach Lipsk geführt. Dort fühlten sie sich rasch wohl. Aber eines vermissten sie doch in ihrer neuen Heimatstadt, die zwar eine rühmliche Floorballmannschaft in der obersten Liga des Landes hat, jedoch nur wenige gute Kneipen. Und noch weniger gutes Bier. Allen voran fehlte es an Tschechischem Bier. Tschechischem Craft Beer, um ganz korrekt zu sein! Genau dieses geht seit einigen Jahren zwischen Böhmerwald und dem Riesengebirge richtig durch die Decke. In Deutschland, und besonders in Leipzig, sucht man es aber fast vergebens. Diese schmerzliche Lücke füllen jetzt Lukáš und Stanislav mit ihrem Lieferservice Ale Symphony. Seit März haben sie über 20 Biere aus (bisher) vier Tschechischen Brauereien im Angebot. Und für eine kleine Verkostung durften wir bei ihnen vorbeikommen und es uns in ihrer Wohnstube gemütlich machen.

Beeindruckend – aber auch ein wenig respekteinflößend: Die Biere von Ale Symphony in Reih und Glied

Schon der mit allerlei Bierflaschen gefüllte Tisch, den wir beim Reinkommen passieren, lässt erahnen, dass der Abend länger werden könnte, wir hier nicht so schnell wieder wegkommen. Rasch sind dann auch die ersten Gläser gespült* und gefüllt. Zum Beispiel mit dem erfrischend leichten, samtenen California 12% APA und der einnehmend, exotischen Fruchtbombe Tropical Rocket, beide aus der Brauerei Matuška. Von Kocour aus Varnsorf (ein paar Impressionen von unserem Besuch dort)  hat uns mal wieder das herrlich bittere Quaterback 70 hopfenmäßig die Hausschuhe ausgezogen. Von der Brauerei Albrecht fand das ultracremige Irish Stout 17 Morion unsere ungeteilte Begeisterung. Passt hervorragend zu Salami auf Butterbemmchen. Last but not least haben die Jungs auch einige Biere von Raven im Angebot, unter anderem das umwerfende Double Black Cream IPA. Ein Bier aus Pilsen, von überbordender Kraft, reich an Malz und fruchtigem Hopfen. Hammer! Mal so ganz, ganz anders als das weitbekannte Urquell. Nach dem zehnten Bier wirkt die Couch von Lukáš und Stanislav dann noch heimeliger. Wir rutschen immer tiefer in die Polster und stellen uns vor, wie es wäre, hier zu Hause zu sein. In diesem kleinen tschechischen Paradies.

Kollaborationen können lohnen. Das Double Black Cream IPA von Yankee & Kraut und Pivovar Raven.

Uns haben insgesamt alle an diesem Abend verkosteten Biere überzeugt. Sie waren sehr gut bis spitze, und in Leipzig einzigartig. Es gibt sie in 0,33er, 0,5er und 0,75er Gebinde, auf Anfrage auch in Fässern/Kegs. Lukáš und Stanislav liefern ihr Bier täglich und persönlich im Leipziger Stadtgebiet aus, ab 20 EUR Bestellwert frei Haus. Ihr Traum ist es, hier irgendwann eine kleine Bierkneipe aufzumachen, spezialisiert auf Tschechisches Craft Beer. Wenn es soweit ist, sind wir garantiert die ersten, die dort aufschlagen. Ihre Gastfreundschaft und Trinkfreude, beseelt von der Begeisterung für außergewöhnliche Biere haben wir fest ins Herz geschlossen.

Na zdraví!

^all


*Mit Gläserspülen nimmt man es übrigens den gesamten Abend über sehr, sehr Ernst. Dafür haben Lukáš und Stanislav ihre beiden Freundinnen am beigestellten Tischchen im Hintergrund platziert. Sie schauen aufmerksam zu, kommentieren mit leisem Kickern und immer, wenn eine neue Flasche angebrochen wird, stehen sie fast unbemerkt auf, greifen sich behände unsere Gläser, spülen sie in der Küche mit klarem, kalten Wasser und bringen sie zurück. Die vielfach ausgesprochene Aufforderung, doch mitzutrinken, verhallte erfolglos. Ein kleiner Wermutstropfen an diesem Abend. Aber hey, Danke Mädels!

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