Perlen der Bier-Poesie | Zum Zweiten

Per mille – grazie!

Wer viel Bier trinkt, dem treibt es nicht nur den Urin, schwämmt es einen in Folge dessen wieder und wieder zum Ort der Notdurft hin. Sondern Bier lässt auch viele dumme Gedanken an die Küsten der Wirklichkeit schwappen. Nach dem zehnten Glas heißt es für die geistigen Flachwassermatrosen und kulturseichten Badewannenkapitäne dann allzu oft: Leinen los! Die Segel der Laberei gesetzt. Die Anker der Vernunft gekappt und sämtliches Fein- und Sprachgefühl übermütig über Bord geworfen. Denn noch schlimmer, als eine Ebbe im Bierglas scheint das Schicksal zu sein, schweigend die eigene Dusseligkeit ertragen zu müssen. Wer uns nicht glauben will, der setze sich an jede x-beliebige Theke einer deutschen Craftbeer-Bar und lausche eine Weile den geistigen Wogen und Wellen, die sich rauschend im Reden der Gäste am ungekämmten Vollbart des Barkeepers brechen. Da rumpelt, schmatattert und pladauzt etwas vor sich hin, das sich als Bierverstand wähnt, ergeht sich im brackigen Duktus der Kenner- und Gönnerschaft. Eigentlich sollte es Verkennerschaft heißen. Denn diese Personen verkennen ja, dass sie der Welt nicht nur keinen Gefallen tun, mit ihrer unkurrierbaren Logorhoe, sondern sie noch dazu strafen – vermutlich für die ganzen schlechten Biere, die man ihnen bis dahin eingeschenkt hat. Da wird man als Beobachter und Zuhörer nicht seekrank, sondern wortkrank. Und es hebt sich alles innerlich, ganz hoch, überdeck, ob solch wildem und launig-dumpfsinnigem Geblubber und Brausen. Und sofort wünscht man sich die Stille wieder – Windstille – oder noch besser: Grabesstille. Denn lebend kann man das alles zumeist kaum ertragen

Doch es geht auch anders. Bier und Feingeist müssen sich nicht ausschließen. Vielmehr können sie sich freundschaftlich, sogar liebend die Hand geben, sich zart umarmen und küssen, wie dereinst Erich Honecker und Leonid Breschnew zum 30. Jahrestag der DDR. Und in einem solch innigem Kuss kann die ganze utopische Hoffnung liegen, dass es mit der (Bier-)Welt doch nicht ganz so schlimm bestellt ist, dass es Enklaven des Schönen, Wahren und Guten gibt, in denen sich der Geist gemütlich eingerichtet und ein Bier eingegossen hat.

Unsere kleinen Bier-Poesien, die wir Tag für Tag in die Welt senden, bei untappd – dem Mekka für pferdegeschwänzte, urbane Wichtigtuer und digitale Biermarken-Sammler – unsere Bier-Poesien sollen ein solcher Ort sein. Mit ihnen reichen wir den Musen die Hand, bieten ihnen einen Probeschluck an und in kleinen Aphorismen lassen wir von den Möglichkeiten geistreicher Rede erahnen, zu denen ein Bier Anlass geben kann. Ab und zu schlagen wir vergangene Trink-Kapitel dann auch noch einmal im Nachhinein auf, wie ein altes, kleines Gedichtbändchen, lesen uns gegenseitig daraus vor und heute, zur Feier des 1.000sten Check-Ins, auch euch:

Unser Untappd-Profil findet ihr übrigens unter:
https://untappd.com/user/Bier_in_Leipzig

^mr & dd

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