Sternburg in Ruinen, Craft-Lobby beim Gegenangriff und Bier nach atomarem Fallout – Things you must read before you’re totally drunk!

Gute Lektüre und gutes Bier – passt wie Arsch auf Eimer (Foto by mcfarlandmo (CC BY 2.0)

Im Laufe eines Monats stolpert man doch hin und wieder über Texte, die es zu lesen lohnt, Bilder und Videos, die es dann zwar auf Facebook und Twitter geschafft haben, wir aber nicht die Zeit finden konnten, sie ausführlich auf dem Blog zu besprechen. Aber dafür gibt es unsere monatliche BierLese – mit den Bier-Must-Read-and-Watch der vergangenen Wochen.

Things you must read before you’re totally drunk!


LVZ: Die alte Sternburg-Brauerei. Leipzigs verlassene Orte im Wandel

Die LVZ macht den Indiana Jones und begibt sich, bewaffnet mit archäologischem Blick, zu den „Lost Spaces“ Leipzigs, alten Orten und Gebäuden, die an der ein oder anderen Stelle vor sich hingammeln. In der ersten Folge geht es zu den Ruinen der ehemaligen Sternburg-Brauerei in Lützschena. Sekundiert werden die Macher_innen dieses multimedialen Spektakels (Berauschende Videos! Berührende Tondokumente! Spektakuläre Dronenaufnahmen! Halbgar hingewurschtelte Texte!) von dem Architekten Bernd Sikora und – Achtung! Tief Luftholen! – von: Wolf-Dietrich Freiherr Speck von Sternburg, Nachfahre von Maximilian Speck von Sternburg (puh! Geschafft!). Neben Architektonischem erfährt man einiges zur Geschichte der Brauerei. Die Zeit des Nationalsozialismus wird dabei wieder einmal gekonnt umschifft. Wer sich dafür interessiert, kann aber hier bei uns nachlesen.


Wilder Wald: Historical Gose Recipes

Wir sind ja immer ganz fasziniert, wenn Bierblogger mit ihren nerdigen Themen nicht hinter dem Berg halten und frei von der (malträtierten) Leber aus ihren Nischen berichten, in denen sie es sich gemütlich eingerichtet haben. Benedikt Rausch, der unter „Wilder Wald“ bloggt, lässt uns so immer einmal wieder an seinen archivarischen Reisen in die Geschichte der Gose teilhaben. Er gräbt unter anderem alte Gose-Rezepte aus – und übersetzt sie dann ins Englische. Warum auch immer! Soviel Mut zum Abwegigen muss anerkannt und gewürdigt werden. Benedikt, melde dich mal bei uns! Wir wollen wissen, warum du das machst. 🙂


Mixology: Die zehn wichtigsten Fakten über Deutsche Kreativbrauer e.V.

Ein wenig Staub aufgewirbelt hat in diesem Monat eine Gruppe von Brauern, die just einen Tag vorm „Tag des Deutschen Bieres“, einen neuen Verband gegründet haben und als Interessenvertretung der „kleinen Brauereien“ auftreten, gegen die bestehenden großen Brauereiverbände, denen sie die Legitimation absprechen. Unter dem Label „Kreativbrauer“ hat man sich versammelt, weil „Craftbier“ zu schwer zu definieren sei – im Gegensatz zum Begriff der „Kreativität“, dessen Bedeutung so offenkundig vor uns liegt!? Schon klar, ne! Immerhin schwingt bei Kreativität ganz unbestreitbar auch immer etwas Religiöses mit. Da denkt man an creatio ex nihilo, veni creator spiritus oder Kreationismus. Und wir dachten immer, Greg Koch wäre der neue Jesus und nicht Oliver Wesseloh!? In der FAZ haben die Bier-Apostel dazu auch noch einmal ausführlich Rede und Antwort gestanden. In der ARD besänftigt im Gegenzug Georg Schneider, Chef des Bayerischen Brauerbundes.


october: Speak Daggers, Use None – Hypocrisy and Authenticity in Today’s Beer World

Über die Grenzen hinaus, die das deutsche Reinheitsgebot absteckt, hat vor allem der anteilige Verkauf von BrewDog für Aufmerksamkeit und Aufregung gesorgt. Aufgeheizte Stimmung allerorten und Empörung auf Knopfdruck. Was nicht anders zu erwarten war. Miles Liebtag vom october hat sich ein kühles Glas Wasser genommen – sowie die aktuelle Enzyklopädie des Dialektischen Materialismus – und analysiert in gemächlicher Ruhe den Verkauf als gängigen Bestandteil kapitalistischer Ökonomien und die Forderungen nach Authentizität als heuchlerisches Moment, das die eigentlichen Interessen derjenigen verschleiert, die sie in die Debatte einführen.


The Guardian: We saved our ailing local pub – now it’s the heart of the community

Gemeinschaft und Community sind Schlagwörter, um die man heutzutage kaum herumkommt. In Brighton haben Bürger_innen nun gemeinsam, mit viel Engagement einen Pub erfolgreich vor der Schließung gerettet. Im „The Bevy“ wird wieder Bier ausgeschenkt. Aber nicht nur das. Aus der Kneipe ist eine Art selbstverwaltetes Community Centre geworden, mit vielen sozialen und kulturellen Angeboten. Klingt ein wenig wie eine gelebte Kneipenutopie – würde sich nicht gleichzeitig der Gedanke aufdrängen, dass dies einen Vorwand bilden kann, staatliche Dienstleistungen und Wohlfahrtsleistungen noch weiter zurückzufahren.


FAZ: Die Bierflaschen-Krise

Das Pfandsystem schien bisher ganz gut funktioniert zu haben. Auch deshalb, weil vornehmlich die großen Brauereien für den Nachschub an neuen Flaschen sorgten. Individualisierte Flaschenformen, die in den letzten Jahren zunehmend eingeführt wurden, bringen das System nun an die Grenzen. Die FAZ dröselt diese Problematik einmal dezidiert auf.


Utopia: Craft-Biere überzeugen, sind aber oft mit Glyphosat belastet

Stiftung Ökotest hat verschiedene Craftbiere unter die Lupe genommen – und schlägt damit ein weiteres Kapitel in der Debatte im Glyphosat im Bier auf. Geschmeckt hat es den Testerinnen und Testern aber anscheinend trotzdem.


El Pais: Los humanos inventaron la agricultura para hacer cerveza

Karin Bojs, Wissenschaftsjournalistin und Autorin, hat vor kurzem El Pais ein Interview gegeben, über die Entwicklung von Kulturen, über Europa und die Erzählungen, die um dessen Entstehung kreisen. Ihre Hauptthese, die wir nur zu gern immer und immer wieder wiederholen möchten, bis auch der Letzte es verstanden hat: unsere Kultur ist weder auf Hirsebrei, noch auf irgendeinem imaginativen, christlich-religiösen Erbe gebaut – sondern auf Bier! Ohne Bier keine Landwirtschaft – ohne Landwirtschaft keine sesshaften Lebensformen – ohne Sesshaftigkeit keine Kulturleistungen. Ohne Bier also keine Begriffe, kein Bacon, kein Bergson.


Business-Insider: Scientists once nuked beers to see if they’d still be drinkable after an atomic blast

Habt ihr euch schon immer einmal gefragt, wie ihr die Zeit nach einem Atomkrieg überstehen sollt? Ohne Infrastruktur. Ohne Trinkwasser. Ohne Strom. Und vor allem: ohne Bier! Good news for people living in bad times: Forscher haben nun herausgefunden, dass man Bier auch nach einem nuklearem Fallout noch trinken kann. Na, dann: Prost Mahlzeit!


Süddeutsche: Darum ist Bier so oft im Sonderangebot

Oft fragt man sich ja, wie der Kasten Bier für 7,99 € überhaupt gewinnbringend die Supermarktkasse verlassen kann. Das bei dem Preis keine großen Geschmackserlebnisse zu erwarten sind, leuchtet intuitiv ein. Dass sich das auch nicht rechnet, war ebenfalls zu vermuten. In der Süddeutschen geht man dem Phänomen auf den Grund und soviel sei verraten: Gewinn machen die Brauereien mit diesen Sonderangeboten wirklich nicht. Ganz im Gegenteil. Große Unternehmen kritisieren auch die Praxis, an denen sie selbst in nicht unwesentlicher Weise teilhaben. Wer an dem Schlamassel jedoch Schuld trägt, bleibt offen und vielleicht auch gar nicht entscheidbar. Der schwarze Peter wird so fein von Einem zum Anderen weitergereicht.

Apropos Bierpreis:


Bierjustiz

Auch in unserer Lieblingsrubrik gäbe es wieder eine Menge skurriler Geschichten zu erzählen. Beispielsweise von dem Typen aus South Dakota, der verhaftet wird, nachdem er Bier aus seinem brennenden Haus retten konnte. Oder von dem Haldeslebener, der der Polizei einfach mal Bier in den Briefkasten kippt. Warum? Weil es geht! Oder von den juvenilen Biertrinkern, die vom Schul– oder auch vom Kirchendach geholt werden mussten. Aber bevor ihr denkt: „Typisch. Diese jungen Leute wieder, können sich nicht benehmen. Denen sollte Vater Staat mal gehörig die Löffel lang ziehen!“ Es geht auch andersrum.


Und was gab’s auf unserem Blog so? Das hier:

Bier in Leipzig: Ale Symphony – Tschechisches Craft Beer in Leipzig

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2 Gedanken zu „Sternburg in Ruinen, Craft-Lobby beim Gegenangriff und Bier nach atomarem Fallout – Things you must read before you’re totally drunk!

  1. Wilder Wald

    Hallo Bier in Leipzig,

    ihr fragt warum ich das ganze mache 🙂 Also es gibt mehrere Gründe. Einer davon ist das ich am 23. Juni auf dem Carnival Brettanomyces in Amsterdam einen Vortrag über alte Deutsche Bierstile halten werde. Ein anderer Grund ist das die Goslarsche Gose das einzige mir bekannte Spontanvergorene Bier Deutschlands war das hoch gelobt wurde. Als bereits andere Biere mit Bärme/Hefe angestellt wurden hielten die Goslarer noch an alten traditionen fest und stellten ihr bier nicht an. Da ich sehr fasziniert von Lambic und anderen Sauerbieren bin ist das für mich natürlich eine extrem interessante Entdeckung. Die Berliner Weisse ist ansich schon ein schönes Bier aber ein spontanvergorerenes deutsches Sauerbier 😉 das topt sie natürlich noch. Was ich damit sagen will Deutschland hat eigentlich selbst wundervolle Sauerbiertraditionen wie das Lichtenhainer, den Broyhahn, die Gose, die Berliner Weisse usw. und wir brauchen uns nicht von den Belgiern verstecken. Nur schade das wir nicht stur genug waren und sie weitergeführt haben… dann wären jetzt die ganzen Amerikanischen Biertouristen bei uns 🙂 Noch ein anderer Grund ist das ich für den Vortrag eine Goslarsche Gose nachbrauen werde, dazu fahre ich heute nach Goslar und nehme eine Wasserprobe der Gose (Fluss) und werde wilde Hefen fangen um damit dann die Gose in einem Holzbottich zu brauen/gären.

    Cheers
    Benedikt

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