Liebes Craft Beer, wir müssen reden…

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…um es vorweg zu nehmen. Es ist nicht, weil du uns nicht genügst. Nicht, weil das olle Industriebier, aus Jugendzeiten, auf einmal wieder besser schmecken würde. Es ist nichts persönliches. Vielleicht hat es auch eher mit uns selbst zu tun. Mit uns vier versoffenen Typen, die diesen kleinen Bierblog in der ostdeutschen Provinz mal mehr, mal weniger intensiv pflegen. Aber untreu sind wir dir nur selten geworden. Ganz im Gegenteil: wir haben immer an dich geglaubt, auch wenn du manchmal zu sauer, zu bitter, zu grün, zu wild oder zu einseitig warst.

Aber mittlerweile reden die Leute über dich. Ganz normale Leute. Sogar Opa Walter und Tante Brigitte fragen nach dir. Nicht, dass sie schlecht über dich sprechen und wir uns deshalb für dich schämen würden. Das Problem ist vielmehr: die Leute verehren und vergöttern dich nahezu. Zumindest sagen sie das dauernd – ungefragt. Sie reden von Liebe, Leidenschaft, Genuss und Authentizität und verlieren dabei das Große und Ganze aus den Augen. Sie verlieren vor lauter Feelgood-Attitüde den kritischen Blick, können kaum an was anderes denken. Sie leben nach dem Instagram-Prinzip. Alles ist immer gut. Und wenn nicht bekommt es einen Filter. Und die entsprechenden Hashtags. Awesome! Great! Beerporn! Top-Bier, gerne wieder!

Aber ist das richtige Liebe? Okay, vielleicht ist Liebe nicht mehr als ein Relikt? Kann sein. Wir wollen den Glauben an diese uneigennützige Liebe (Agape, Baby!) aber nicht aufgeben. Wir haben jemanden einfach so sehr gern und sind dann recht loyal und freundschaftlich verbunden. Wir wollen „Ich liebe dich!“ nicht nur sagen, weil wir uns Belohnung versprechen, Aufmerksamkeit, Anerkennung und ein Freibier.

Okay, man kann deine Verehrer_innen, liebes Craft-Beer, ein Stück weit verstehen. Denn, wer kennt sie und ihre Nöte nicht aus eigener Erfahrung. Sie haben, sagen wir einmal, „Theaterwissenschaft“ studiert und kommen dann nicht richtig voran. (Wir haben auch so einen bei uns im Bier-in-Leipzig-Blog). Dann denken sie sich, hey!, Journalismus geht eigentlich immer. Und dann trinkt man ja gern Bier. Wie praktisch, dass da gerade die Craft-Beer-Welle anrollt. Also, nichts wie los! Man fängt an, für andere Medien über Bier zu schreiben, man hat seinen Blog, man hat zunehmend mit Brauereien und anderen Playern zu tun. Man wird Bierjournalistin des Jahres. (Diese Auszeichnung wird übrigens vergeben von beerkeeper.news und gehostet von NürnbergMesse GmbH aka BrauBeviale. Keine Pointe!) Nur, was meistens nicht klappt: Geld zu machen mit all dem. Aber die ganzen anderen Lifestyle-Influencer kriegen das doch auch hin!? Wieso man selber nicht? In diesem Moment wird man dann erfinderisch. Macht aus der Not eine Tugend. Und man erfindet beispielsweise ein „Partnerprogramm“, erklärt aber nicht weiter, was das genau bedeutet. Offensichtlich heißt es nichts anderes, als Texte von Brauereien und Distributoren eins zu eins zu übernehmen und auf seinem Blog und seinen Social-Media-Kanälen zu veröffentlichen. Das kann man soweit unangenehm finden oder logisch oder sogar geschäftstüchtig. Wenn man diese Werbetexte aber nirgends als solche kennzeichnet außer mit dem Begriff „Partnerprogramm“, nirgends erwähnt, dass man dafür Belohnungen (in welcher Form auch immer) erhält und es sich daher nicht mehr um Journalismus handelt, sondern um Werbung oder Anzeigen – dann fühlen wir uns als Leser hintergangen und betrogen.

Dann kommt uns die Liebe falsch und erkauft vor.

Hinzu kommt: Diese sogenannten „Partner“ sind nicht irgend welche kleinen, unabhängigen Hinterhofbrauereien. Sondern, das sind auch Big Shots, die haben was zu sagen und noch dazu Schotter (Braufactum, Riegele, Insel Brauerei, etwas kleiner Giesinger und und und). Die gehen mit ihren „Medienpartnern“ eher mal zum Fünf-Gänge-Menu ins Ritz, statt zu Currywurst und Pommes in die Bude nebenan. An der Stelle geht es uns gar nicht darum, wie oft man als Blogger mit an diesen Tischen sitzt. Uns geht es ums Prinzip, um Transparenz und Ehrlichkeit!

Die glorreichen 5? Wer gehört noch dazu? (https://www.facebook.com/www.bierguerilla.de/posts/1705316126214347)

Wenn wir hier auf diesem Blog über dich, liebes Craftbier, schreiben, dann deshalb, weil wir echt in dich verschossen sind. Wir investieren nicht in dich, weil wir eine Gegenleistung erwarten oder weil wir unsere eigenen Biere verkaufen wollen. Unsere Texte sind keine Tauschware. Wir geben sie, ohne einen monetären Gegenwert. Einfach so. Naja, so ganz uneigennützig ist unsere Liebe zum Craftbier dann aber doch nicht – immerhin beschert sie uns ab und zu auch den einen oder anderen soliden, höchst angegehmen Rausch. Und vielleicht ist das die Form von Liebe, die wir uns auch von anderen wünschen. Das ist sicher idealistisch und naiv, aber so sind wir nun einmal. Und so ist zunächst auch einmal jedes Bier an sich: ehrlich, gerade heraus, für alle da. Es gibt ohne Hintergedanken. Es sättigt, es berauscht, es inspiriert oder irritiert. Es ist uns Labsal und Trost für die Seele in einer verrückten Welt. Wir schöpfen aus seiner Fülle und teilen davon gern etwas mit allen, die sich darauf einlassen möchten.

Also liebes Craftbier, versprochen. Wir werden dir keinen Korb geben, uns dir weiterhin zuwenden. Wenn auch immer mit der nötigen Portion Kritik. Aber pass einfach ein wenig besser auf dich auf, und überleg dir genau, mit wem du in die Kiste steigst.

Deine
Bier in Leipzig-Blogger <3

Hintergrund: Redaktionelle Werbung und Anzeigen
Werbung muss als solche erkennbar sein und streng von redaktionellen Beiträgen getrennt werden (§ 4 Nr. 3 UWG). Auch der Hinweis „sponsored“ reicht nicht aus und ist abmahnbar. Der Begriff „Sponsored Post“ wird nur von einem Drittel der Kernzielgruppe als solcher richtig (im Sinne von Anzeige) verstanden. „Sponsored by“ ist also nicht gleichwertig mit „Anzeige“. Nur dieser Begriff ist rechtlich und semantisch sicher.

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