Das Zwönitzer Einhorn kotzt Regenbögen und der Amtsschimmel wiehert dazu

Was haben der deutsche Amtsschimmel und 1 Einhorn gemeinsam? Auf den ersten Blick nicht allzu viel. Der eine ist schlimme, bürokratische Realität, das andere ein fabelhaftes Wesen, dem sich manche so verbunden fühlen, dass es weder auf Demonstrationen noch auf Partys fehlen darf. Manche halten es gar für das Rückgrat des Internets.

Dabei ist doch der Amtsschimmel nicht weniger fantastisch. Von je her war er Anlass für Erzählungen und Geschichten, reizte zu mancher Mär. Er scheint dazu wunderbar geeignet: dieses antiquierte Wesen, welches das Gegenbild verkörpert, zu unserer rasanten Welt mit all ihren technischen Innovationen, unternehmerischen Geistern und fortschrittsgläubigen Jüngern. Darin trabt der Amtsschimmel gemächlich vor sich hin, ihn kümmert all dies nicht. Ganz im Gegenteil. Er ist nur darauf bedacht, sich in den Weg zu stellen. Mit seinem plumpen Körper, seinen schwerfälligen Hufen alles zu blockieren, was sich irgendwie in Bewegung setzen will.

Dieses Bild hat sich uns doch tief eingebrannt. So tief, dass selbst die absurdesten Meldungen aus den Verwaltungsstuben dieses Landes kaum Anlass geben, zu zweifeln. Dem Amtsschimmel trauen wir alles zu – dass er das Laubfegen in den Städten fein säuberlich normiert, dass er penibel und millimetergenau auf die Einhaltung von Gehwegbreiten achtet, dass er Lärmschutzgutachten für Lämmer anfordert.

Da passt es nur allzu gut ins Bild, was über die Brauerei Zwönitz Anfang des Jahres öffentlich wurde. Da wieherte er nämlich wieder, der Amtsschimmel. Und was war der Grund? Die Brauerei hatte – und man mag das albern, langweilig oder geschäftstüchtig finden – die Zeichen der Zeit erkannt, auf den Einhorn-Hype gesetzt und ein „Einhornbier“ auf den Markt gebracht. In grellen pinken Farben und unglaublich süß – sowohl ästhetisch als auch geschmacklich kein allzu großer Wurf. Aber der Erfolg gab dem Unternehmen recht. Die Einhornbiere trafen den Puls der Zeit, wurden gekauft und in den social media Kanälen und Kassen der Brauerei brummte es nur so. Alle fanden das Einhornbier supitoll, megageil, voll süß – nur eben dem Amtsschimmel schien das nicht ganz geheuer und er schaute genauer hin.

„Kann das wirklich sein? Ein Einhornbier? Darf das so sein?“ Und kurzerhand wurde angewiesen, das Getränk in der Form vom Markt zu nehmen. Nicht weil es unschön, oder untrinkbar sei. Nein. Sondern – Achtung! – weil es sich um Verbrauchertäuschung handele, denn:

Im Einhornbier sei nachweislich kein Einhorn drin!

Da war er wieder, der Amtsschimmel, der direkt aus Absurdistan angetrabt zu sein schien. Unglaublich! schallte es all überall. Geschäftsschädigend! rumorte es an allen Ecken und Enden. Typisch deutsch! witzelte man kopfschüttelnd. Die Lokalpresse berichtete und ließ den Zwönitzer Braumeister Dominik Naumann höchst selbst zitieren:

„Das Einhornbier darf nicht länger Einhornbier heißen, weil kein Einhorn drin ist. Ein Scherz? Nein, sagt Naumann.“ (Quelle)

Die Deutsche Welle prangerte den „Bürokraten-Irsinn“ lautstark an und ließ wissen, dass es mit der Bierernstigkeit doch jetzt ein wenig zu weit gegangen sei.

Quelle: http://www.dw.com/de/wirtschaftplus-provokant-pers%C3%B6nlich/av-42566870

Auch Bier in Leipzig twitterte munter drauf los.

Und spätestens dann, wenn die Leipziger Bierblogger ein Thema aufgreifen, sollte man eigentlich stutzig werden. Und sich fragen, ob da wirklich was dran ist – oder ob es sich nicht wieder um eine dieser Geschichten handelt, die die vier Besoffskis sich in einer Bierlaune erdacht haben. Oder zumindest eine Geschichte, deren Wahrheitsgehalt äußerst begrenzt ist, aber die sich deshalb umso schöner weitererzählen lässt.

Und an der Stelle müssen wir es offen zugeben, auch, wenn wir irren Geschichten nie abgeneigt sind, wir uns eine Welt ohne Märchen und fantastische Erzählungen eigentlich noch schlechter vorstellen können als eine ohne Bier: mit Einhörnern und Amtsschimmeln hat die Zwönitzer Geschichte rein gar nichts zu tun!

Zwar gab es im Fall der Zwönitzer Brauerei eine Untersuchung des Chemischen und Veterinäruntersuchungsamtes Karlsruhe (CVUAKA), aber auf Nachfrage teilte man uns ziemlich unumwunden mit: „Die in den Medien kursierende Berichterstattung, dass das „Einhornbier“ der Brauerei Zwönitzer nicht mehr als solches firmieren darf, weil darin nachweislich kein Einhorn enthalten sei, ist falsch und fällt offensichtlich in die gleiche Kategorie wie das Einhorn selbst“, in das Reich der Fabeln. Schade eigentlich. Am Ende ging es ganz profan um das allseits bekannte Reinheitsgebot, und die Frage, ob das EinhornBIER wirklich BIER genannt werden darf. Das darf es eben nicht, weil neben Hopfen, Malz, Wasser und Hefe eben auch klebriger Himbeersirup drin ist.

Warum die Story trotzdem bundesweite Aufmerksamkeit erlangte und selbst der Brauer der Zwönitzer Brauerei die Geschichte bestätigt, das bleibt offen. Ein Schelm, wer einen zweiten Marketingzug der Brauerei vermutet.

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