Von Gender-Marketing und pinkem Craft Beer

Heute ist der 8. März – Internationaler Frauenkampftag (auch: international Women’s Day oder: يوم المرأة العالمي ). Warum genau an diesem Tag gefeiert wird und nicht an einem anderen, wer das Ganze initiiert hat – das ist historisch alles recht vage belegt (irgendwas mit Uno wahrscheinlich). Was man aber genau weiß ist, weshalb der Tag bis heute begangen wird: weil wir in Verhältnissen leben, die nicht allen Menschen die gleichen Rechte und die gleiche Form von Teilhabe zuerkennen. Kurz und knapp: wir leben bis heute in patriarchalen Verhältnissen. Isso!

Und diese Erkenntnis geht anscheinend auch an der Craft-Bier-Branche nicht ganz vorbei. Eine Branche, die gefühlt mehr Testosteron vor und hinter dem Tresen hat, als Till Schweiger zwischen seinen Ohren. An einem solchen Tag fässt das Thema Frauenrechte auch die Herren der (Bier-)Krone schwer an. „Da muss man doch was machen!“ „Da kann man doch was draus machen!“ „Da muss (!) man doch was draus machen!“. Und die Kreativstuben brodeln, bärtige Brauer und deren Marketing-Entourage verrenken sich das Hirn, auf der Suche danach, wie man der leidgeplagten, armen Frau zu Hilfe eilen kann.

„Gleiche Löhne in unseren Brauereien und Marketingabteilungen!“ schallt es über den Flur. Mmmmhhhhh, zu kostspielig. „Mehr Frauen am Sudkessel, in unsere (Aktien-)Gesellschaften, in unsere Aufsichtsräte!“ – auch irgendwie anstrengend und nicht so gut zu verkaufen. „Kapitalismus abschaffen und damit die Wurzel aller Ungerechtigkeiten!“ – Aber haben wir uns in genau diesem nicht gerade so schön wohlig eingerichtet, die Wände unserer Brauhäuser in revolutionären Farben gestrichen und uns als Brau-Rebellen überall ins Gespräch gebracht? Reicht das nicht aus? Muss man da wirklich noch weiter gehen!

Genau in diesem Moment fiel dann wahrscheinlich der Groschen. Das war der Moment, in dem diesen in grobes Linnen gehüllten Haudegen und Craft-Revoluzzern ganz klar wurde, was Frauen wirklich bisher gefehlt hat, wofür diese jahrzehntelang auf die Straßen gegangen sind, wofür sie Ruf und Leben riskiert haben und wofür sie bis heute kämpfen: ein Bier in pink! Nur für Frauen! Vielleicht sogar eines, was einen frivol und anzüglich ein „Hey Ladies!“ nachruft und hinterhergeifert. Ein Bier, das die weibliche Zielgruppe direkt und im Herzen anspricht. Mit dem sich auch Lotte und Lene gepflegt abschießen. Geld verdienen mit gutem Gewissen!

So stellt man sich anscheinend nicht nur im Ratskeller eine bessere Welt vor, sondern auch beim Branchenriesen BrewDog und angehängt im Dr. Hops. Sexismus und Bier lässt eben immer die Kassen klingeln. Selbst am Frauenkampftag.

LESESTOFF

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.