Archiv des Autors: Bier in Leipzig

What gose on?

…das ist heute, am 17. November, keine bloß rhetorische Frage. Denn heute ist hochoffiziell und amtlich beglaubigt der International Happy Gose Day. Wir feiern das Lieblingsgetränk aller (!) Leipziger und Leipzigerinnen (Keine Widerrede!). Den Zaubertrunk aus der Gosestadt. Das heilige Fluidum, mit dem Hierzulande die Kinder getauft werden, egal ob gläubiger Muslim, frommer Katholik oder spiritistischer Waschnussfreak. Hier badet man jeden Samstag gemeinsam mit der Familie in Gose (Papa immer als letztes). Statt K&K (Kippe und Kaffee) heißt es in Leipzig morgens G&G (Gippe und Gose). Also: macht euch schick zum Festtag! Gosenanzug aus dem Schrank geholt und hoch die Tassen. Goseanna!

Und damit ihr keine Gose verpasst, verschaffen wir euch einen kleinen Überblick darüber, was in Leipzig heute gosemäßig so geht. Weiterlesen

Perlen der Bier-Poesie | Zum Zweiten

Per mille – grazie!

Wer viel Bier trinkt, dem treibt es nicht nur den Urin, schwämmt es einen in Folge dessen wieder und wieder zum Ort der Notdurft hin. Sondern Bier lässt auch viele dumme Gedanken an die Küsten der Wirklichkeit schwappen. Nach dem zehnten Glas heißt es für die geistigen Flachwassermatrosen und kulturseichten Badewannenkapitäne dann allzu oft: Leinen los! Die Segel der Laberei gesetzt. Die Anker der Vernunft gekappt und sämtliches Fein- und Sprachgefühl übermütig über Bord geworfen. Denn noch schlimmer, als eine Ebbe im Bierglas scheint das Schicksal zu sein, schweigend die eigene Dusseligkeit ertragen zu müssen. Wer uns nicht glauben will, der setze sich an jede x-beliebige Theke einer deutschen Craftbeer-Bar und lausche eine Weile den geistigen Wogen und Wellen, die sich rauschend im Reden der Gäste am ungekämmten Vollbart des Barkeepers brechen. Weiterlesen

Sternburg in Ruinen, Craft-Lobby beim Gegenangriff und Bier nach atomarem Fallout – Things you must read before you’re totally drunk!

Gute Lektüre und gutes Bier – passt wie Arsch auf Eimer (Foto by mcfarlandmo (CC BY 2.0)

Im Laufe eines Monats stolpert man doch hin und wieder über Texte, die es zu lesen lohnt, Bilder und Videos, die es dann zwar auf Facebook und Twitter geschafft haben, wir aber nicht die Zeit finden konnten, sie ausführlich auf dem Blog zu besprechen. Aber dafür gibt es unsere monatliche BierLese – mit den Bier-Must-Read-and-Watch der vergangenen Wochen.

Things you must read before you’re totally drunk!

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Ale Symphony – Tschechisches Craft Beer in Leipzig

Die tropische Rakete aus Tschechien. Startet ab sofort von Leipzig-Lindenau.

Manchmal fragt man sich ja schon, nach so vielen Jahrzehnten, warum man immer noch Bierblogger ist. Diese immergleichen Craftbeer-Bar-Eröffnungen in den neuen Szenevierteln der neuen Szenestädte. Das distinguierte Schimpfen auf die dummen Industriebiertrinker und auf die Schweinekapitalisten aus den Großbrauereien. Die Bigotterie und die Doppelmoral und die Tripelmoral. Das reflexhafte, ironische Kommentieren der nächsten Biersau, die durchs Dorf getrieben wird. Das ermüdete Lächeln, das einem das x-te Baobab-Kaviar-Imperial-Stout aufzwingt. War es das sechste in diesem Monat!? Irgendwann hatte man aufgehört zu zählen. Der traurige Blick auf die Wampe unter einem macht auch nicht glücklicher.

Und dann, ja und dann wird man doch mal wieder unerwartet aus dem Bloggeralltag entführt. Weiterlesen

Neues Bier für Sebastian Krumbügel, Bar-Fight-Kurse und die große Ernüchterung – Things you must read before you’re totally drunk!

Gute Lektüre und gutes Bier – passt wie Arsch auf Eimer (Foto by mcfarlandmo (CC BY 2.0)

Im Laufe eines Monats stolpert man doch hin und wieder über Texte, die es zu lesen lohnt, Bilder und Videos, die es dann zwar auf Facebook und Twitter geschafft haben, wir aber nicht die Zeit finden konnten, sie ausführlich auf dem Blog zu besprechen. Aber dafür gibt es unsere monatliche BierLese – mit den Bier-Must-Read-and-Watch der vergangenen Wochen.

Things you must read before you’re totally drunk!

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Merke Dir, Sternburgbier. Eine deutsche Brauerei und die Schwierigkeit von Tradition (Gastbeitrag)

Stefan Gerbing und Carsten Henning interessieren sich für Geschichtspolitik – und für Bier. Der folgende Text beruht auf einer gemeinsamen Forschung der Autoren für die Sterni-Konferenz der Kollektivkneipe Tristeza und einem auf dieser Grundlage entwickelten Vortrag für die Gedenkstätte für Zwangsarbeit Leipzig (04.12.2014). Eine frühere Version dieses Textes erschien im Magazin *prager frühling. Wir danken den Autoren, dass sie uns den Text für den Blog zur Verfügung gestellt haben.


Foto: privat

Seit einigen Jahren gehört Sternburg zu den absatzstärksten deutschen Biermarken. Als Teil der zur Dr. Oetker AG gehörenden Radeberger Gruppe hat es das Ende der neunziger Jahre akut von der Schließung bedrohte Brauhaus in Reudnitz geschafft, die Marke unter den Top-15 der meistverkauften Biere zu etablieren. Dies ist besonders bemerkenswert, da Sternburg ausschließlich im Osten der Bundesrepublik vertrieben wird.

Das Marketing der Brauerei setzt seit gut einem halben Jahrzehnt auf ein deutlich subkulturell gefärbtes Marken-Image. Während bis 2009 SchlagersängerInnen wie Linda Feller und Frank Schöbel sowie Künstler wie der jüngst verstorbene Achim Mentzel die „Brauereifeste“ prägten, treten heute Punkbands wie Heckschaden, Kotzreiz oder die Terrorgruppe auf. Am Beginn dieses radikalen Imagewandels stand der Besuch eines Sternburg-PR-Teams auf der „Freiheit-statt-Angst“-Demo 2011. Aus einer umgebauten Polizeiwanne mit dem Schriftzug „Brauerei“ statt „Polizei“ verteilten Mitarbeiter Bier an die Demonstrierenden.

Geschichtsmarketing mit Lücken

Demgegenüber bezieht sich die Firma aber auch ausdrücklich auf die vermeintlich fast zweihundertjährige Geschichte der Marke. Anlässlich des entsprechenden Jubiläums druckte die Brauerei stolz die Zahl 190 auf Sternburg-Jubiläums-Shirts und auf die Flaschenetiketten. Eine Art Chronik auf deren Webseite ist mit der Überschrift „Bier mit Tradition“ versehen. Wie jedes History-Marketing, insbesondere in Deutschland, provoziert dies Fragen. Weiterlesen

Der Affenkönig aus der Knallhütte – eine Traditionshudelei zu Hütts Weizenbock 1838

Beliebt bei Jung und Alt: Das Bananenwunder aus der Knallhütte

Wenn es einen aus irgendeinem zweifelhaften Grund in die nordhessische Provinz verschlägt, oder man die Bürde mit sich herumträgt, dort aufwachsen zu müssen, man noch dazu nah am Gerstenwasser gebaut ist, dann kommt man früher oder später ganz gewiss in Kontakt mit den Bieren der Hütt-Brauerei aus dem schönen Gemeindekonglomerat Baunatal. Hütt braut dort seit 1752 auf der Knallhütte, einer Brauerei mit Gasthaus und Biergarten. Seit neun Generationen in Familienbesitz und ehedem die erste Station der Postkutsche von Kassel nach Frankfurt. (Heute wenig pittoresk direkt an der A49 gelegen, kurz vorm Kreuz Kassel-West.)

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Biertipps für die Leipziger Buchmesse 2017

Gute Lektüre und gutes Bier – passt wie Arsch auf Eimer (Foto by mcfarlandmo (CC BY 2.0)

Die Leipziger Buchmesse steht wieder vor der Tür. Das heißt, die Straßenbahnen sind wieder vier Tage lang gefüllt mit kostümierten Cosplay-Kids und die Kneipen vier Nächte mit trinkfesten Literaten, LeserInnen, Verlagsmenschen und Buchnerds. Im diesjährigen Messerummel gibt es auch  wieder einige Termine rund ums Thema Bier, die wir Euch ans Herz legen möchten: Weiterlesen

Bier in Thüringen – Zu Besuch in der „Bierwelt“ in Erfurt (Gastbeitrag)

Wie Phönix aus der Erfurter Asche ist unser Gastautor Mario wieder aufgetaucht und berichtet über den neuen, besser den ersten Erfurter Bierladen. Mario bloggt sonst selten über Bier sondern unter anderem hier über Literatur, Kunst und Kultur.

Seit November 2015 hat die Bierwelt, das erste Bierfachgeschäft in der Thüringer Landeshauptstadt geöffnet. Seit Anfang Januar 2016 bin ich ein regelmäßiger Besucher. Ich kann nicht anders, als immer wieder zu kommen. Die Gründe dafür sind vielfältig. In besagtem Januar durfte ich mich sehr über eine Privataudienz nach Ladenschluss mit Inhaber Carsten Roth freuen. Bei der ein oder anderen verkosteten Flasche habe ich schnell gemerkt, dass hier ein herzlicher Mensch mit viel Leidenschaft bei der Sache ist. Ins Fachsimpeln kommen Bierliebhaber und Heimbrauer ohnehin recht schnell und wenn man einen gewissen Draht zueinander findet, klappt es umso besser. Entscheidender ist aber die überaus gute und differenzierte Beratung, die Carsten und natürlich auch seine Frau Antje zu bieten haben. Vom „Normalbier-Trinker“ über den „craft-Neuling“ bis hin zu Nerds und Experten wird hier nicht nur jeder fündig, sondern dank Hinweisen und Expertise auch glücklich werden. Weiterlesen

Die Tränen des Fleischers

Butcher’s tears aus Amsterdam

„Seit Tagen schaut er traurig. Steht hinter der Theke seiner Metzgerei und sieht nach draußen.  Seine Stammkunden wissen, dass er selten lacht. Er macht seine Arbeit ohne Ausnahme perfekt, er hat immer Zeit für einen kurzen Plausch, er packt immer alles gut ein, wenn es geschnitten und zerhackt ist. Seine Kunden, die keine Stammkunden sind, schätzen ihn, weil er ihnen Bier unter der Theke verkauft. Zumeist polnische Bauarbeiter, gute Jungs mit ehrlichen Augen. Fern der Heimat, sanieren sie unsere Städte damit wir es schön haben. Weiterlesen