Archiv der Kategorie: Japan

Ich bin dann mal Biertrinken. Eine Pilgerreise zu den Zapfhähnen von Ise-Kadoya

Befeuchtet und erfrischt ausgetrocknete Pilger-Gaumen: Bier der Ise Kadoya Brewery

Was gibt es schon Schöneres, als an den freien Tagen zum wichtigsten Shintō-Wallfahrtsort, dem Ise-Schrein in Japan, zu reisen – ein Schrein, der sich für den ungeübten Betrachter rein äußerlich  nur wenig vom Rest unterscheidet, dafür aber wie kaum ein anderer von Politikern und Nationalisten vereinnahmt wird? Na, das hier: man kann nach dem touristischen Pflichtprogramm die Chance nutzen und einen Abstecher in die hiesige Brauerei Ise Kadoya machen. Die gibt es mittlerweile seit fast 20 Jahren und ist eine derjenigen kleinen lokalen Brauereien in Japan, die während des ersten Craftbier-Booms in den 1990er Jahren entstanden und deren Sudkessel noch bis heute angefeuert werden und auf Hochtouren laufen. Weiterlesen

Warum Bernie und Hillary am Zapfhahn stehen und die G7-Konferenz hopfige Vorboten schickt

Ein Leichtgewicht (4,5%) für die politischen Schwergewichte: Ise Kadoya hat ein Ale zum G7-Gipfel gebraut.

In den kommenden Tagen findet in Ise (Japan) mit dem G7-Treffen eine der wichtigsten internationalen Konferenzen in diesem Jahr statt. Aus diesem Anlass hat es sich die hiesige Brauerei Ise Kadoya nicht nehmen lassen, das Summit Beer 2016, ein hopfig-trockenes, schön malziges Session Pale Ale, zu brauen. Nun mag man die Nase rümpfen und sich fragen, was ein Obergäriges denn bitte schön mit dem Treffen von Staats- und Regierungschefs zu tun haben soll. Aber auch hier gilt: Alles ist politisch – oder anders herum: nichts ist unpolitisch. Erst recht nicht das Bier. Weiterlesen

Shane Callum, Ire in Japan auf Bier | Folge 1: 着地

Als Shane Callum Irland verließ, weinte Irland nicht. Das Schiff vor Anker, es war leicht als blinder Passagier zu reisen. Die Japaner, die ihn an Bord entdeckten, taten so, als wäre er nicht da.

Nach Tagen die Küste Japans. Wieder an Land, sah Shane sich um. Er war ein Fremder in einer fremden Welt. Alles schien hier anders. Die Japaner wirkten freundlich und nicht so wie die Menschen in Dublin. Den ganzen Tag irrte Shane umher. Am Abend dann ein Symbol, Schriftzeichen die er nicht lesen konnte. Sein erster Bar-Besuch. Die Kneipe wirkte von außen komisch. Die Budweiser-Dose sah aus, als ob sie aus der Wand zum Mond aufbrach. Ein Bier, so dünn wie Seide. Einsame Trinker an Tischen. Niemand redete. Man war für sich.

Einer ist in Japan und der andere schreibt drüber!  Die neue Miniserie über ビール und 単孤 auf BIER IN LEIPZG! Text: sm | Foto: dd

Von Bier, Craft Beer und Ji-Biru in Japan

IMG_6049Wenn man Menschen in Japan danach befragt, welche Ideen ihnen spontan zu Deutschland in den Sinn kommen, dann ist das neben „Wurst“ und „Fußball“ meistens: „Bier“. Ich schwöre: 90% der Antworten bewegen sich in diesem fein säuberlich abgesteckten Bedeutungsfeld. Alle drei Dinge sind zudem äußerst positiv konnotiert. Bei mir löst das immer merkliche Krisen der nationalen Identität aus. Mariannengrabentiefe Einschnitte im so sicher geglaubten Selbstverständnis – kann ich doch als Vegetarier kaum etwas mit Fleisch anfangen – es sei denn, es lebt fröhlich hoppelnd auf einer Wiese –, Fußball in Deutschland ähnelt seit dem gekauften „Sommermärchen“ eher einer schlechten Folge Dschungelcamp und bei gutem Bier – nunja – da freut man sich zwar über jede neu eröffnete Craft-Beer-Bar, aber so lange Sternburg noch als gutes Bier gilt und gehypt wird, sehne ich mich doch eher ins Bier-Schlaraffia, wo Prairie Ales und Habanero Sculpin IPAs in Strömen fließen. Weiterlesen

Ji-Biru – Craft-Beer in Japan

Ji-Biru

Ji-Biru trinkt man am besten gut gekühlt aus einem Glas. Dabei konzentriert man sich in Japan ganz bewusst auf Geschmack und Entfaltung der Aromen. Mancher Japaner schließt beim Trinken sogar die Augen.

Von wegen, die können nur Karate! Wer hätte gedacht, dass Japan auch in Sachen Bier so einiges zu bieten hat? „Bier in Leipzig“ hat es – mit seinem untrüglichen Näschen für Trends, Hypes und kommende Must-Haves – natürlich schon immer gewusst und nicht zuletzt deshalb das BandBlogmitglied, auf das beim Cornern im Lene-Voigt-Park am ehesten verzichtet werden kann weit weg ins Land der aufgehenden Sonne und der steil abgehenden Craft-Beer-Scene geschickt.

Ähnlich, wie in anderen Industrieländern ist Craft-Beer hier auf dem Vormarsch. Die Umsatzzahlen steigen rapide. Nicht zuletzt, weil die Politik sukzessive existierende Braubeschränkungen lockert. Da lohnt ein Blick über den Rand des Goseglases allemal. Weiterlesen