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7. Leipziger Bierstammtisch (Sonderposten-Special | Outdoor | Tauschbörse)

Stammtisch mal anders. Am 11.04 gibt es ab ca, 13 Uhr auf dem Leipziger Sonderposten Kunst & Kreativmarkt im Lene-Voigt-Park einen ganz besonderen Stammtisch. Weil dort kein Alkohol verkauft wird, fordern wir euch auf bei unserer Biertauschbörse mitzumachen. Das ganze geht so: Jeder der vorbeikommt bringt zwei Flaschen von seinem Lieblingsbier mit. Ob gekauft oder selbstgebraut ist egal. Ob aus Europa oder Übersee ist auch egal. Dann kann er seine Biere mit anderen Stammtischbesuchern oder uns tauschen und so mal was Neues kosten. Ganz wie früher ind er Schule als ihr eure Wurstschnitte gegen das Nutella-Brot getauscht habt. Wenn ihr noch eine kleine Geschichte zu eurem Lieblingsbier dazu habt – umso besser. Wir bitten euch, nicht alle Sterni mitzubringen und auch das Beck`s Pale Ale muss nicht unbedingt sein, Besondere Biere in Leipzig bekommt ihr z.B. bei den BierFreunden oder in der Getränkefeinkost.
Kommt rum, hängt mit uns ab und tauscht Bier mit anderen Bierverrückten. Wir freuen uns auf euch!
Gegen 17 Uhr wollen wir unsere Zelte auf dem Sonderposten abbrechen und mit euch allen zur offiziellen Eröffnungsparty der Leipziger Getränkefeinkost spazieren. Ein Wegbierchen auf die Faust und los gehts auf einen kleinen SpaBIERgang.10703862_582427038570317_2502639641300913573_n

Der monatliche Bierstammtisch in Leipzig! Ziel ist es, die Leipziger Hopheads, Homebrewer, Bierliebhaber und auch Bieranfänger an einen Tisch zu bringen und sich in trauter Runde ein wenig auszutauschen! Dabei kann es um Home-Brewing, Leipziger Bier-Locations oder Bestandsaufnahmen Leipziger Bierkultur gehen. Natürlich auch um das letzte spannende Bier, das ihr gerade getrunken habt, die heißeste Craft-Brauerei, die ihr gerade entdeckt habt etc.

„Gaffee, Gaffee, edler Drobben,
Gedderdrank so wunderscheene!
Mancher schwärmt fier Malz un Hobben,
Doch ich lobe dich alleene.“ (Lene Voigt)

Leipziger SpaBIERgänge: #2 Der Süden – Wunder, Zwerge und Suppe

Immer wieder werden wir gefragt: „Wo kann man in Leipzig denn mal ein gutes (Craft-)Bier trinken gehen?“ Immer wieder antworten wir „Hmmm…naja….nicht so einfach, so viele Bars mit gutem Bierangebot haben wir nicht.“ und verweisen dann auf unsere kleine Übersicht der Leipziger Bierlocations. Wir wollen euch gerade deshalb ein kleines Bier-Survival-Paket für Leipzig schnüren und nehmen euch mit auf fünf Bier-Spaziergänge – kurz Spabiergänge – durch Leipzig, die jeweils nach Himmelsrichtungen aufgeteilt sind. Die Auswahl dabei ist betont subjektiv und erhebt null Anspruch auf Vollständigkeit. Es sind lediglich ein paar Bier-Schlaglichter auf die Bier-Diaspora Leipzig. Wir haben mit dem OSTEN begonnen und wollen heute in den Leipziger SÜDEN (Die Strecke in Kürze: Oskar – Biomare – KillyWilly – naTo – Südplatzspäti – Zest – Lazy Dog – Black Label Pub. Die Karte findet ihr unten.)

Manchmal wagen wir uns aus unserem Kiez heraus, um auch den Rest der Stadt mit unserer Bierneugier zu belästigen. Zum Beispiel in den Leipziger Süden entlang der Karl-Liebknecht-Straße. Irgendwie seltsam da, war mal cool, ist jetzt teuer, war mal studentisch, ist jetzt eher gediegen, war mal Avantgarde ist jetzt Mainstream. Ein Reservat unter speziellem Schutz. Weil wir Hunger haben, geIMG_20141230_203715hen wir zunächst das neu eröffnete Oskar testen. Die haben einen Smoker für ihr Fleisch, eine absurde Atmosphäre aus Bauernstube, In-Schuppen und Italiener und eine sogenannte Craft-Beer-Karte. Sogenannt weil sich ganze drei (aber immerhin und irgendwer muss ja anfangen) Craft-Biere darauf versammeln: das Monohop von Braustrom, das IPA von Zwönitzer und das Imperial Stout von Schoppe aus Berlin. Wir entscheiden uns für letzteres, ein wirkliches Erlebnis. Tiefschwarz, brotig, schokoladig, mit unglaublicher Espressonote im Abgang, bei 9% Alkohol. Eigentlich ein schlechter Starter, eher ein Finisher zu zartbitterer Mousse au Chocolat. Andererseits fühlen wir uns wach, wie nach einem Coffeeshot. Gestärkt stiefeln wir in die kühle Dezembernacht.

Wir laufen mitten auf der Straße, hier ist ja eh gerade alles Baustelle. Oder doch nicht? Jedenfalls bebt hier gerade gar nix, alles wie ausgestorben im vorderen Teil dessen was der Leipziger Karli nennt. Die Kneipenmeilenantithese zum folkloristischen Drallewatsch-Quatsch. Links leuchtet das BioMare und lädt zu einem kurzen Abstecher ein. Irgendwie haben es die Bioläden ja geschafft durch das Bio-Siegel mehr interessanteres Bier zu verkaufen als manch Supermarkt. Mal sehen wann der erste so clever ist und sein Bier in die Apotheken bekommt. Wir finden ein nettes Angebot, die gesamte Palette von Nerchauer aus Grimma zum Beispiel und wie inzwischen öfter in Bioläden das Riedenburger Doldensud. Eigentlich kein gutes Bier – viel zu alkoholisch, wodurch so ziemlich alle möglichen Geschmacksnuancen eines IPA überdeckt werden. Feige! Aber nun gut wir geben ihm noch eine Chance als Wegbier.

Vorbei am La Boum und Michael Fischer Arts schreiender Hauswand – zwei Leipziger Erscheinungen die sich gesucht, gefunden und verdient haben – schlendern wir Rickilliwillyhtung Süden. Als wir am KILLYWILLY stehen, reden wir über alte Zeiten. Das Bierangebot dort war schon mal besser (es gab mal Youngs Bitter vom Hahn!), aber Murphys oder Guiness vom Fass ist immer noch recht nett und es ist nun mal der schönste Pub der Stadt. Als wir so quatschen fliegt in hohem Bogen Pat Keene durch die Tür auf den Bürgersteig, berappelt sich kurz und grinst uns aus seinem zahnlosen Mund an. Wir nutzen die offene Tür und  schlüpfen hinein. Misses O`Leary zapft schon den ganzen Abend lang Ale. Danny Flowers und Ian Rankin sitzen am Tresen und sehen ihr dabei zu. Sie ist ruhiger als sonst. Ihr Sohn verlor heute ein Auge bei einem der Barrikadenkämpfe. “Es tut mir für ihren Sohn leid Misses O`Leary.” sage ich leise. “Was hast du da gesagt, einen scheiß tut es dir leid. Alles für Irland ihr blinden Bastarde oder Heilige Maria, Mutter Gottes, euch tut nichts leid”, schimpft Misses O`Leary. Und vielleicht hat sie recht. Wir sind auf unserem Weg. Wir haben kaum was zu fressen, kaum warme Socken aber die Kinder glauben an uns. Wir sind Helden aus dem Grünen Land in dem die Menschen hungern. Polternd stolpern wir nach einem Sturzglas Murphys Red aus dem Pub zurück in die eiskalte Luft der Stadt.

natoWir brauchen dringend was zum runterkommen. Da müssen Blauhelmtruppen rein oder mindestens die naTo. Die ist zum Glück gleich gegenüber. Das Hauptquartier hilft uns mit einem Andechser vom Fass. Auch eine Seltenheit in Leipzig und immer noch das beste Hefe der Welt. Ein hopfiger Obstkorb, die schönste Hefeblume im Garten lässt uns wieder ruhiger werden und die Welt bunter sehen.

Wir ziehen weiter zum Südplatzspäti. DEM Späti. Einer Institution. Hier ist immer Betrieb und es gibt gutes Bier. Der Südplatzspäti war einer der Vorreiter in Sachen neue Biersorten und schon immer eine Oase für uns. Hatten die doch vor Jahren als erste das Atlantik Ale im Angebot – heute immer noch unser Haus- und Hofbier. Wir entscheiden uns für zwei kleine Belgier: Den handlichen Zwerg von La Chouffe – ein treuer beaxter Begleiter in allen Situationen und ein kleines Hoegaarden. Ein belgisches Wit. Eine überwältigende Fruchtigkeit macht sich da über die Zunge her und mündet in einen schönen weichen Abgang. Zitrone und Orange verbinden sich mit Hefe, ein eindrucksvoller Tanz nimmt seinen Lauf. Das Hoegaarden hält immer was es verspricht. Pierre Celis der den Witbier-Stil mit dem Hoegaarden geprägt und vor allem wiederbelebt hat, ist mit seinem Wit, das er im März 1966 zum ersten Mal einbraute, ein kleines Wunder gelungen.

Mit dem Wunder und dem Zwerg stapfen wir weiter durch die kühle Nacht. Wir verlieren unsHoegaarden in Gesprächen über Wit und warum es seinen Weg nach Deutschland noch nicht angetreten hat, obwohl es doch das beste Biergarten-Getränk wäre. Eine tolle Alternative zum manchmal schweren Hefe. Oder warum es in Leipzig kein Bitter vom Hahn gibt. Ein raffiniertes Werk der Engländer, oft unter 4% aber den Geschmack eines ganz großen. Wir grübeln mal wieder, weshalb es keine Bierbar in Leipzig gibt und warum wir überhaupt so lange hier durchs Niemandsland laufen. Am Connewitzer Kreuz sitzen wir plötzlich auf dem trockenen und biegen  schnell links weg zum Zest auf einen Snack in veganer Hipsteratmosphäre – so geht Punk 2015. Der eigentliche Grund ist aber, dass die Karte ein wirklich außergewöhnliches Bierangebot verspricht. Da gibt es zum Beispiel Gusswerk Nicobar IPA oder das Williams Impale IPA oder wieder den verrückten Zwerg La Chouffe. Wir nehmen ein Appenzeller Holzfassbier, dass durch heftigen Malzeinsatz glänzt und durch Eichenfasslagerung eine ganz weiche, milde Note bekam. Smooth und flauschig wie ein Küken.

Lazy-Dog-SchildAls wir wieder raustreten beraten wir über den Finisher. Soweit im Süden bleibt uns nur ein Bad im eiskalten Cossi oder ein letzter Gang zum Lazy Dog – dem wohl unfreundlichsten Späti der Stadt. Aber auch der Späti mit der höchsten Bier-Überraschungsquote: Da findet man mal ein Butcher’s Tears, ein Duvel, ein Crew Republic, was von Ratsherren. Aber es ist nie Verlass darauf, dass diese Getränke beim nächsten Mal noch da sind. Wir entscheiden uns für einen Proper Job. Denn den haben wir heute Abend getan. Das beste IPA, das wir kennen. Ein authentisches, ehrliches Bier mit einer unglaublichen Ausgewogenheit aus Fruchtig- und Malzigkeit. Es hat nichts von der Aufgeregtheit oder Nervosität der deutschen Craft-Biere. Es ruht in sich, ist gleichmäßig laut. Ein Bier wBier-Suppeie Steven Gerrard. Voller Würde und ausgestattet mit allem was Bier banal macht, am Meer sehen wir uns alle. Ein Meisterwerk aus Englands Südwesten. Wir stehen in definitiver Schräglage vorm Anschlag des Black Label Pub: „Suppe des Tages: BIER!“ steht da drauf. Auf seinem klapprigen Rad schleicht Ian an uns vorbei, es war Zapfenstreich, er muss in den Nachbarort.
„Viel Glück du alter Humpen!“
„Schön hier!“ sage ich leise.
„Cheers!

^sg

Leipziger SpaBIERgänge: #1 Der Osten – Kontor, Klaus und Kupferbier

Immer wieder werden wir gefragt: Wo kann man in Leipzig denn mal ein gutes (craft) Bier trinken gehen? Immer wieder antworten wir „Hmmm…naja….nicht so einfach, denn einen guten Bierladen oder eine Craft-Kneipe haben wir nicht.“ und verweisen dann auf unsere kleine Übersicht der Leipziger Bierlocations. Wir wollen euch gerade deshalb ein kleines Bier-Survival-Paket für Leipzig schnüren und nehmen euch mit auf fünf Bier-Spaziergänge – kurz Spabiergänge – durch Leipzig, die jeweils nach Himmelsrichtungen aufgeteilt sind. Die Auswahl dabei ist betont subjektiv und erhebt null Anspruch auf Vollständigkeit. Es sind lediglich ein paar Bier-Schlaglichter auf die Bier-Diaspora Leipzig. Wir beginnen mit dem OSTEN. (Die Strecke in Kürze: Substanz – Kiezkontor – Hopfenspeicher – Brauhaus Napoleon – HIT Markt – Bayrischer Bahnhof und verschiedene Getränkehandel. Die Karte findet ihr unten.)

10454969_510035572476131_4886809538822393444_oDer Leipziger Osten hat keinen guten Ruf: kriminell, oll, brennpunktig – oder kurz Dunkel.Dreckig.Reudnitz (Martin hat auf seinem Blog alles dazu gesagt). Aber der Osten ist auch unser Kiez, wir wohnen hier (freiwillig und gern) und daher wollen wir auch mal Bier trinken ohne aus der Hood rauszumüssen. Und – Überraschung – das geht! Wir nehmen euch mit auf einen Spabiergang durch den Leipziger Osten. Los geht’s!

Unseren Starter nehmen wir in der Substanz. Hier gibt’s erst mal den schönsten Biergarten der Stadt, wenn das Wetter nicht mitspielt ist es drinnen etwas verraucht, aber der Platz an der Theke ist trotzdem ganz angenehm. Es gibt – als Start in das Wochenende macht sich ein Hefe immer gut –   Franziskaner vom Fass. Nix besonderes aber gut gezapft und gekühlt doch eine Wonne und ein guter Durstlöscher. Wer das nicht mag, bestellt ein Nerchauer aus Grimma. Jeden Monat wird ein anderes dieser handwerklich gebrauten, interessanten Biere serviert. Das Hefe ist enorm spritzig-sommerlich, im Herbst macht der sanfte, harmonischeLeffe-Substanz Bock eine gute Figur und im Winter bezirzt das Schottendicht den Gaumen mit einer differenzierten Ladung Malzigkeit. Im Sommer ist sogar Leffe am Fass, was jedoch ob seines hohen Alkoholgehalts zum Versacken einlädt. Wir wollen aber weiter, machen noch einen kurzen Schwatz mit Betreiber Jörg, der aus dem Norden stammt und sich über die Bitter-Entschärfung von Jever aufregt. Wir pflichten bei und gehen dann weiter.

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(Foto von Cathrin Rühle)

Den Täubchenweg hoch, über die Breite Straße zum Kiezkontor. Ein netter Späti, der neben vielen Hellen im Kühlschrank neuerdings auch das erste Leipziger Craftbier Braustrom führt. Wir treffen noch Braumeister Jann, der um die Ecke wohnt und gerade Nachschub anliefert. Wir schwatzen über das nächste geplante Monohop Ale und die Vorzüge des Willamette-Hopfens. Die Kanne Braustrom nehmen wir auf die Faust und machen uns auf den Weg in den Lene-Voigt-Park – vulgo: Todesstreifen. Dort pulsiert allerdings das Leben. Mit Blick auf das voll gentrifizierte Publikum schlürfen wir unsere Monohop Cascade Ale und fragen uns, weshalb im alten Lokschuppen immer noch niemand eine Kneipe mit Biergarten und Brauerei eröffnet hat. Wäre das nix für Menno Olivier von de Molen? So eine kleine Außenstelle des Holländers in Reudnitz, das hätte doch was.

Justament weht uns der strenge Geruch von Hopfen in die Nase. Auf der anderen Seite des Parks wartet nämlich die Sternburg-Brauerei und gleich daneben der Hopfenspeicher. Ob die beiden Läden zusammengehören, weiß niemand und nur aus Prinzip verlangen wir ein Sterni vom Fass. Als das abgelehnt wird, ordern wir das Reudnitz Nut Brown Ale. Oder ist das Sterni Imperial Pale gerade am Hahn? Nein? Aber wenigstens doch Sternis Extra Bitter!? IMG_0559Na gut, dann eben ein Krostitzer Zwickel. Ein schlanker Zylinder naturtrüben Biers wird gebracht. Der kleine versteckte Stiefbruder des großen hässlichen Krosti. Tatsächlich sehr lecker! Wir zahlen, bedanken uns für die ausgesprochen nette Bedienung, werfen noch einen letzten Blick auf die riesigen Sterni-Tanks und sachte dreht sich der Stern auf dem Dach. Wir lassen den Mercedes unter den schlechten Bieren hinter uns und stiefeln die Oststraße stadtauswärts.

An der Holsteinstraße biegen wir rechts ab, vorbei am Späti mit dem seltsamen Namen Sprutzbude (und der grandiosen Webadresse: www.sprutzbu.de). Durch Stötteritz schlagen wir uns in Richtung Prager Straße. Dort finden wir das Brauhaus Napoleon (eines der wenigen in Leipzig) und nehmeIMG_1015n ein Kaiser Napoleon Hell. Das Bier ist ganz ordentlich – vor allem das Helle (nah an einem Pils) geht gut rein. Wir essen hier nichts, da Service und Qualität der Gerichte extrem zu wünschen übrig lassen. Wir trinken unser Helles stehend an der Theke. Schauen auf die Kupferbraukessel und hoffen auf einen kleinen Schwatz mit dem Braumeister René, dem man wünscht, dass er so brauen könnte wie er will.

Wir gehen zurück auf die Prager Straße, folgen dieser hässliche Leipzvölkerschlachtdenkmaliger Magistrale stadteinwärts, biegen am Völki links weg und betreten von hinten das alte Messegelände. Unser Weg führt uns zum HIT Markt, denn dort steht ein Braufactum-Kühlschrank. Dieser hat vollkommen überzogene Preise und teilweise seltsame Sorten. Aber dazwischen findet sich auch immer ein Schätzchen für kleines Geld. Heute zum Beispiel das Firestone Pale 31 von Firestone und das neue The Brale von Braufactum. Zwei tolle Wegbiere – und vor allem gekühlt. Wir lassen den eigentlichen Getränkemarkt von HIT links liegen (obwohl auch hier ein nettes Angebot wäre) und laufen über die Straße des 18. Oktober Richtung Bayrischer Platz.

Im Gasthaus Bayerischer Bahnhof sind wir dann auch schon mitten im Hotspot der Leipziger Bierwelt. Hier gibt es das beste Bier der Stadt. Braumeister Matthias versteht sein Handwerk bestens und zaubert erst mal drei Standardbiere hin: ein Schwarzes (sehr schön süß dabei trotzdem ordentlich hopfig), ein Pils (leicht säuerlich, spritzig, angenehme Hopfennoten) und IMG_0863ein grandioses Hefe, das an Fruchtigkeit unübertroffen ist. Daneben gibt’s natürlich die weltberühmte Gose – naja wers mag. Immer mal wieder macht der Braumeister ein Saisonbier. Im Sommer zum Beispiel ein völlig abgefahrenes Amarillo (ausdauernder Hopfen, eine Spur Marzipan, knallharter trockener Abgang) oder ein Centennial (nahe an einem leichten Sommer-Ale, flüchtig und perfekt für heiße Abende). Im Winter auch mal einen Weizenbock mit Aromahopfen (einmalig im letzten Jahr mit Simco). Hierzu genießt man die deftige Küche und schafft ein wenig Grundlage – zum Beispiel mit den Brauhaus-Pommes. Mit ein bisschen Glück treffen wir Matthias auch persönlich und wenn er fünf Minuten Zeit hat, lässt sich’s mit ihm blendend über Bier quatschen. Er produziert viel für den internationalen Markt (von Finnland bis USA), was wir in Leipzig gar nicht zu sehen kriegen. Dazu ist er blendend mit anderen Brauern weltweit vernetzt und gerade in Sachen Sauerbier ganz oben dabei.

Mit leichter Schräglage verabschieden wir uns aus dem Bahnhof, es ist höchste Eisenbahn. Wir tänzeln zurück nach Reudnitz. Zuhause angekommen, fällt uns ein, wir waren ja vormittags noch mit dem Auto im weiteren Osten Bier jagen. Hoch getragen in die Wohnung hat’s natürlich noch niemand. Also Kofferraum auf und der Blick wird frei auf ein paar am Vormittag gefangene Spezialitäten. Da sehen wir zunächst das gute Wippraer aus der Museumsbrauerei im Harz. Lieblich lächeln die 1-Liter-Flaschen – das prämierte Schwarze (nah an einem englischen Stout), das Kupferbier (atembraubender Malzeinsatz, fast schon 21280_272365789576445_1778583037_nein Amber) und das außergewöhnlich nussige Pils. Der Braumeister Dr. Gehring weiß, was er tut und der Getränkehandel Klaus verkauft es exklusiv in Leipzig. Bei Klaus hat man gelegentlich mal einen Glücksfund, ansonsten das übliche Pils-Inferno. Dann liegen da noch ein paar Flaschen Meißener Elbsommer, so gut und weich wie ein belgisches Witbier und daneben ein Zufallsfund: ein österreichisches Steinbier. Die haben wir aus dem Getränkemarkt Andrae. Idyllisch auf einem Vierseitenhof gelegen, wird dort auch Gemüse aus heimischen Gärten verkauft. Hier findet man immer mal wieder eine Spezialität oder ein Saisonbier zu fairen Preisen.

Außerdem steht im Kofferraum noch ein Sixpack Anchor Liberty Ale. Das Bier, mit dem unsere Bierkarriere begann, als wir merkten, da gibt es mehr als das Einheitspils. Gekauft haben wir es im Löschdepot, fast schon außerhalb der Stadt.. Das Löschdepot hat ein sehr ordentliches Angebot, wenngleich von Filiale zu Filiale verschieden. Hier im Osten bekommen wir zum Beispiel das Störtebecker Atlantik Ale oder das Andechser Weizen.

LibertyWir entscheiden uns für ein kleines Liberty – der perfekte Finisher. Ein Bier wie ein gutes Buch, tief und intensiv. Das Liberty Ale riecht wundervoll nach hellen Früchten; Aprikose und Pfirsich drängen sofort in die Nase. Der Antrunk ist beerenmäßig fruchtig und hopfig. Man hat das Gefühl, dass sich ein leichter Film einer konstanten Frucht auf der Zunge niederlegt. In der Mitte baut sich ein gigantischer Körper voller Bitterkeit auf, der nie ins Unangenehme übergeht. Im Abgang macht sich nochmals die volle Baggerladung an Frucht bemerkbar. Der Nachknall ist noch lange auf der Zunge zu schmecken. Das Liberty Ale ist eine Wucht. Eine Art eigene Liga, wie Zidane am Ball, ein Bier das seine unglaubliche Klasse hält, eine Klasse die ihre Kraft aus perfektem Handwerk und der Liebe zum Produkt schöpft. Ein Bier für die Ewigkeit. Gute Nacht!

PS: Das nächste Mal gehen wir in den Leipziger Süden. Und ja – wir haben hier etwas geschummelt und manches in den Osten eingemeindet!

^sg