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Bitterwolken am Horizont – Das imperium atakuje von Pinta aus Polen

Heute mein vorerst letztes Mitbringsel aus Polen, ein Imperial India Pale Ale also dem großkotzigen, muskulösen Bruder des kleinen IPA. Wir haben hier das imperium atakuje von Pinta. Die Jungs von Pinta sind sowas wie die Craft-Pioniere im stolzen Industrie-Bierland Polen. Sie fingen vor vier Jahren in Krakau damit an und haben inzwischen sogar einen ordentlichen Brewpub dort.IMG_1608

Aber zurück zum Bier, atakuje heißt so viel wie Anschlag und der ist das starke Bier auch. Ein Anschlag auf die Geschmacksnerven, da läuft ein IPA Amok. Das Amerikafähnchen weht uns vom braunen Etikett entgegen und verrät uns außerdem noch 7,8 Umdrehungen, 19,1 Stammwürze, 81 IBU. Worauf habe ich mich hier nur eingelassen? Als Hopfensorten sind angegeben Zeus, Chinnook, Amarillo, Citra, Cascade, Palisade – also so ziemlich die aromastärksten die zu haben sind.

Nach dem Einschenken zieht sich der bräunliche Schaum sofort ängstlich zurück. Einschüchternd dunkel zwinkert mich das Bier aus den Glas an. Es ist relativ geruchsneutral, hält man den Zinken tiefer rein ist da etwas dräuendes, erdiges, autochtones. Man sieht schon die Bitterwolken am Horizont heraufziehen.

Dennoch setze ich an. Einen Antrunk gibt es eigentlich gar nicht. Geschmeidig schlängelt sich das Bier aus dem Glas und winkt mit rauher Hand voll Bitterkeit. Im Körper knallt dumpf der Hopfen rein, ein dunkles Dickicht brutaler Bitteraromen. Der Wald ist so dicht, dass man sich kaum zurechtfindet, kaum Hopfenkrumen, die einem den Weg weisen, ein wenig dunkle Fruchtigkeit womöglich. Hier gibt es keinen Likör, sondern schweren Weinbrand. Der Abgang ist dann nur noch ein trockener Knall aus Hopfen. Hier entlädt sich das Geschmacksgewitter endgültig. Ein heißes blitzen und prickeln vom Alkohol. Der Geschmack und die Bitterkeit wollen gar nicht mehr verschwinden. Das imperium atakuje ist ein fieser Waldgeist von IPA, der mit der Statur eines Trolls durch den Bierwald stampft.

PS: Wer mehr über die polnische Craft-Szene wissen will, kann hier oder hier nachlesen.

^sg

Piwo Sobótka Górka 12 – Ein Bier wie eine Stange saure Drops

Wir haben hier ein kleines Bier aus Polen, gekauft im Beer O’Clock in Breslau. Piwo Sobótka Górka 12 heißt es und kommt auch aus Breslau. Auf der Brauereiseite findet man nicht viel über das kleine Lager, daher bleibt nur trinken und kosten.
Der Schaum verschwindet sofort nach dem Einschenken und macht Platz für einen orangig-süßen Geruch. Auch das Bier sieht eher aus wie ein frisch gepresster Orangensaft – mit Fruchtfleisch, dick und nahrhaft. Der Antrunk ist unglaublich spritzig eine Polonaise aus einer großen Apfesline gespickt mit getrocknetem Pfirsich und unreifer Mango überdeckt erst mal alles. Fast wie ein erfrischender Softdrink geht es den Hals runter. Gleich noch einen Schluck. Wieder das Limonadige, die Kohlensäure-Kanone, ganz spät kommt der Hopfen mit leichter Bitterung und viel Säure. Er macht es sich auch nach dem Schlucken auf der Zunge gemütlich. Von den 4,5% Alkohol ist kaum etwas zu spüren. Wenn man genau hinschmeckt kommt mit dem Hopfen am Ende noch etwas Schwefliges wie Trockenobst. Ein raffiniertes, ungewöhnliches Stück Bier.

IMG_20141224_183717Der Körper ist fruchtig, kaum greifbar, gleich macht sich die Säure des Abgangs breit. Ich habe es definitiv zur falschen Jahreszeit verkostet, eigentlich etwas für einen staubtrockenen Sommertag. Hier sind keine schwerfälligen Bären am Werk, wie das Etikett verspricht, sondern sondern eher leichtfüßige Tanzbären bei einer Polka. Man möchte am Fluss im Schatten sitzen und ihnen beim herumtollen zuschauen. Ein Bier wie eine Stange saure Drops.

^sg