Archiv der Kategorie: India Pale Ale

Crew Republic Drunken Sailor. Der Segler

Crew Republic Drunken Sailor - kurz vorm Abfaden

Crew Republic Drunken Sailor kurz vorm Abfaden

Arrrrrrr! Me hearties, heute nehmen wir das Crew Republic Drunken Sailor in den Test und ins Schlepptau – ohne lange Vorrede, Segel gesetzt und volle Kanne voraus.

Der Geruch dieses Biers kommt saftig rüber, aber auf keinen Fall zu aufgesetzt. Das Drunken Sailor will nicht mit ausladenden Blumenbeeten rumprollen. Es hat sich, entgegen dem, auf raue See begeben um zu überzeugen. Der Mix der Zutaten ist gut durchdacht und alles wirkt ähnlich einer italienischen Viererkette in den 1990er – perfekt aufeinander eingestimmt. Ein Rad greift ins andere – wie zu Zeiten, als Kapitän Paolo Maldini die Abwehr der Squadra navale noch lautstark kommandierte und zusammenhielt. Weiterlesen

Hop Devil India Pale Ale – Komm her du Nichtsnutz, ich zeige dir was ich kann!

Hallo,
heute das Hop Devil India Pale Ale von der Victory Brewing Co.
Im Glas ist das Bier satt bernsteinfarben. Der Geruch des Biers ist überwältigend. Der ist so gut, dass man sofort an eine Wiese mit frischen Blumen denkt nur dass man diese Blume hier trinken kann. Der Hopfenduft springt einen nahezu an und sagt: „Komm her du Nichtsnutz, ich zeige dir was ich kann!“ Oder spricht da schon der Teufel zu mir, bevor ich dran genippt habe.
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Schon der Antrunk explodiert wie ein ganzes Minenfeld auf der Zunge. Eine Herde durchgeknallter Stiere wird vom Hop Devil über den Gaumen getrieben und der Hopfen macht es sich richtig bequem, entfaltet sich voll, nimmt die ganze Zunge ein und sticht unglaublich angenehm auf den sensiblen Geschmacksnerv ein.
Die prickelnde Kohlensäure zündet gemeinsam mit dem Malz die zweite Welle die durch einen warmen Mittelteil führt.
Im Abgang kommt noch mal die volle Hopfenschärfe zur Geltung. Dort holt der Hop Devil noch mal alles aus der Hölle hervor was in so auszeichnet. Ein bombastisches Fegefeuer an gewaltigen Hopfenwellen regnet auf die Zunge nieder und sorgt für einen gigantischen Abgang eines großen Biers.
Seine 6,7 Prozent Alkohol versteckt der Hop Devil natürlich unfassbar gut. Ein India Pale Ale, das man mal versuchen sollte.

Ist in der Getränkefeinkost Leipzig zu haben.

^sm

Bitterwolken am Horizont – Das imperium atakuje von Pinta aus Polen

Heute mein vorerst letztes Mitbringsel aus Polen, ein Imperial India Pale Ale also dem großkotzigen, muskulösen Bruder des kleinen IPA. Wir haben hier das imperium atakuje von Pinta. Die Jungs von Pinta sind sowas wie die Craft-Pioniere im stolzen Industrie-Bierland Polen. Sie fingen vor vier Jahren in Krakau damit an und haben inzwischen sogar einen ordentlichen Brewpub dort.IMG_1608

Aber zurück zum Bier, atakuje heißt so viel wie Anschlag und der ist das starke Bier auch. Ein Anschlag auf die Geschmacksnerven, da läuft ein IPA Amok. Das Amerikafähnchen weht uns vom braunen Etikett entgegen und verrät uns außerdem noch 7,8 Umdrehungen, 19,1 Stammwürze, 81 IBU. Worauf habe ich mich hier nur eingelassen? Als Hopfensorten sind angegeben Zeus, Chinnook, Amarillo, Citra, Cascade, Palisade – also so ziemlich die aromastärksten die zu haben sind.

Nach dem Einschenken zieht sich der bräunliche Schaum sofort ängstlich zurück. Einschüchternd dunkel zwinkert mich das Bier aus den Glas an. Es ist relativ geruchsneutral, hält man den Zinken tiefer rein ist da etwas dräuendes, erdiges, autochtones. Man sieht schon die Bitterwolken am Horizont heraufziehen.

Dennoch setze ich an. Einen Antrunk gibt es eigentlich gar nicht. Geschmeidig schlängelt sich das Bier aus dem Glas und winkt mit rauher Hand voll Bitterkeit. Im Körper knallt dumpf der Hopfen rein, ein dunkles Dickicht brutaler Bitteraromen. Der Wald ist so dicht, dass man sich kaum zurechtfindet, kaum Hopfenkrumen, die einem den Weg weisen, ein wenig dunkle Fruchtigkeit womöglich. Hier gibt es keinen Likör, sondern schweren Weinbrand. Der Abgang ist dann nur noch ein trockener Knall aus Hopfen. Hier entlädt sich das Geschmacksgewitter endgültig. Ein heißes blitzen und prickeln vom Alkohol. Der Geschmack und die Bitterkeit wollen gar nicht mehr verschwinden. Das imperium atakuje ist ein fieser Waldgeist von IPA, der mit der Statur eines Trolls durch den Bierwald stampft.

PS: Wer mehr über die polnische Craft-Szene wissen will, kann hier oder hier nachlesen.

^sg

Távoli Galaxis von RothBeer

Ich war dieses Jahr in Ungarn und vollkommen frappiert, über die dort blühende Craft-Szene, zumindest in Budapest. Unentdeckte Welten: Wenn ich mal wieder Zeit habe, schreibe ich noch mal etwas ausführlicher über die dortige Lage. Bis dahin sprechen wir über meinen ungarischen Favoriten: das Távoli Galaxis der ungarischen Brauerei RothBeer.

IMG_1390 Das American IPA wurde 2013 Grand Champion in Hungary und das vollkommen zurecht. Schon der Geruch aus der Flasche ist kraftvoll – nach Apfel, vielleicht Litschi, jedenfalls ordentlich sauer-fruchtig. Die Farbe im Glas ist fast schon Bernstein, ganz dickflüssig und gehaltvoll – so wertvoll wie ein kleines Steak. Dafür gibt es kaum Schaum und dementsprechend wenig Kohlensäure. Der erste Schluck ist sofort voll, komplex, vielfältig, ein wenig vermisst man die Kohlensäure. Der Körper knallt dann wirklich laut und heftig seine Fruchtbombe raus. Der Abgang ist sehr bitter und hopfig, beißt schon fast etwas in seiner Hopfigkeit, bringt aber tatsächlich noch mal neue, prickelnde Geschmacksnuancen. Die 6.1% spielen dabei aber fast keine Rolle, müssen den Geschmack nicht tragen, sondern versickern sanft!
Das Távoli GalaxiIMG_1391s, ein Intergalactical Pale Ale baut voll auf den australischen Galaxy Hopfen und heraus kommt ein abgefahrenes Zeug. Ein sehr komplexes und anderes Bier, dabei aber extrem interessant, fordernd und vielfältig. Das  Távoli ruckelt vielleicht ein wenig in den Geschmacksübergängen, ist nicht wirklich harmonisch abgerundet. Macht das aber mit Geschmacks-Vielfalt wieder wett. Also mehr Klingone als Betazoid.

sg

CREW Republic Detox Session IPA (Gastbeitrag)

Ein neuer Gastbeitrag von Clarknova. Er ist Heimbrauer aus Leipzig und Erfurt, bloggt jedoch selten über Bier sondern hauptsächlich hier über Literatur, Kunst und Kultur. Von ihm kriegen wir immer mal wieder kleine Bierkritik-Miniaturen. Heute geht’s um CREW.

10641221_851269918219111_6797638487452197878_nCREW Republic Detox Session IPA (3,4% Vol., 32 IBU). Ein merkwürdiges, aber okayes Bier. Warum merkwürdig? Session Biere sind in der Regel nicht so hochprozentig und packen weder den Hopfen-, noch den Malzhammer aus. IPA ist nun aber ein Stil, der sich durch erhöhten Alkohol- und Hopfengehalt auszeichnet, weswegen das Ganze etwas paradox daher kommt. Warum okay? Das Detox ist mild-fruchtig und geht gerade im Hochsommer locker rein, ohne in den Kopf zu steigen. Trotz der 3,4% gibt es relativ viel Geschmack. Kann man machen, v.a. bei 35°C. Alles in allem aber nicht überragend.

UNION JACK

Karstadt hat neuerdings auch einen Braufactum Kühlschrank, in dem aber nicht viel neues zu finden ist….obwohl.. doch…das Union Jack IPA von Firestone Walker Brewing Co.. Yeah!!! Eine unglaublich geile Hopfenbombe mit 7 Hopfensorten. Leider irritiert die Karamellsüße etwas….aber egeal: TOLLES BIER!

Hin und weg: Homebrew-Erfahrung

Wir sind hin und weg – MarIMG_1178io, der von Anfang an reger BIER IN LEIPZIG Fan und auch Gastautor war, hat uns kurz vor seinem Wegzug aus Leipzig die letzte Flasche seines selbstgebrauten IPAs überlassen. Gestern haben wir es verkostet und das war ganz groß! Ein rauhes, ein derbes, schlagkräftiges IPA – ganz dunkel, ganz kräftig, unglaublich fruchtig. So herrlich bitter im Abgang. Eine Hopfenkanone sondersgleichen! Kompliment an einen Homebrewer für ein großartiges handcrafted Bier!

IPA von S:T Eriks Bryggeri (Schweden)

Guten Tag So, IPA der ST Eriks S:T Eriks Bryggeri.

Wenn man den Riechkolben übers Glas hält, schweben einem Hopfenwände entgegen. Wände so undurchdrungen wie wilde Wälder. Der Antrunk gleicht einer Explosion des Hopfens, die Zunge zuckt nervös, ein Obstkorb von exotischen Früchten prügelt auf den Geschmacksnerv ein und sorgt dann mit dem Malz für eine gelungene Massenkeilerei die man aus alten Tagen noch von seinem Schulhof kennt. Im Mittelteil zeigt das Malz seine volle Kraft und das über mehr als 12 Runden. Ein toller Wechsel von Pfirsich zu saftigem Apfel weiß zu faszinieren. Im Abgang zeigt der Hopfen noch mal seinen durchschlagenden Punch, dicht und perfekt in der Technik und der Abgang bleibt lange auf der Zunge und macht den Trinkenden langsam mürbe und zwar auf die Art wie es nur ein wirklich gutes IPA kann.

Geiles Bier.

^sm

BIeRICIANA von Schneider Bräu

Seit ein paar Wochen freuen wir uns hier in Leipzig am BIeRICIANA von Schneider Bräu aus BiericianaWeißenburg. Das Leipziger Löschdepot hatte wohl zufällig einige Kisten auf irgend einem Lieferantenhof gefunden und nun alles zusammengeholt, was davon noch da war. Wir haben natürlich zugeraten. Wir haben im Netz keine einzige Besprechung des IPAs gefunden, wollen euch deshalb ein wenig darüber erzählen:

Das IPA wurde gebraut zum Jubiläum eines Römermuseums – so ist vielleicht auch das durchaus hässliche Etikett zu entschuldigen. Im Glas eine eher dunkle Farbe, fast schon Bernstein, nix vom strohblond anderer Ales. Der Schaum ist kaum existent, außer wenn man die Flasche öffnet, dann will er unbedingt raus, im Glas verflüchtigt er sich rasant. Das BIeRICIANA verströmt einen sehr angenehmen, fruchtigen Duft, Weintraube und  Apfel vielleicht – nicht zu viel, nicht zu wenig.

Der Antrunk ist gefällig, matt, unaufgeregt, cool, leicht prickelnd. Im Körper bricht sich die Frucht Bahn, versehen mit einer ganz eigenen Holzigkeit, man denkt an alte Fässer und eine Menge Hopfen – Simcoe-Hopfen, der Grapefruit und Citrusfrüchte deutlich hervortreten lässt. Dazu ein gehöriger Schuss Säure – belebend und adstringierend. Der Abgang gehört dann vollends dem Hopfen – da wird noch mal eine dicke Rakete gezündet, immer noch sehr prickelnd und fruchtig. Der Geschmack hallt lange nach und macht doch Lust auf den nächsten Schluck.

Ein IPA, das richtig was kann! Eine ganz große Nummer. Es fällt schwer, hier an ein Zufallsprodukt zu glauben – zu gefällig, zu rund, zu ausgewogen schmeckt das BIeRICIANA. Ein kleines Jubiläumsbier, das eine große Bühne verdient! Applaus!

^sg

Waimea

Hallo Freunde!  Heute das Waimea von der BrewDog Brauerei aus der Serie IPA IS DEAD.
Waimea
Der Geruch ist neutral. Der Antrunk kommt relativ nüchtern daher, der Hopfen wirkt fade und es fehlt die fette Spritzigkeit die die Brew Dog Biere zu sexy Meisterwerken machen.
Im mittleren Teil kommt eine Malzkanone die alles ein wenig aufpoliert aber schon der Abgang sorgt mit seinem komischen Geschmack nach Holunder, dünner Zahnpasta und einer Alkoholfaust von gigantischer Schwere für einen KO-Schlag der so nicht zu erwarten war.

Leider ist das Waimea eine Enttäuschung.

SM.