Archiv der Kategorie: Pils

Bier in Thüringen – Hotelpark Stadtbrauerei Arnstadt (Gastbeitrag)

Ein neuer Gastbeitrag von Mario. Er ist Heimbrauer und lebt inzwischen in Erfurt. Er bloggt sonst selten über Bier sondern hauptsächlich hier über Literatur, Kunst und Kultur. Von ihm kriegen wir immer mal wieder Gastbeiträge. Heute gehts um die Stadtbrauerei Arnstadt – BIER IN LEIPZIG goes Thüringen ;)


Die Stadtbrauerei Arnstadt ist einen Besuch wert, auch wenn der Hotelpark eher das Ambiente eines Tagungshotels, denn einer rustikalen Braugaststätte besitzt. Das führt auch dazu, dass die Speisekarte hier recht „schick“ daherkommt. Aber gut essen hat ja auch einiges für sich. Über die Geschichte der Brauerei, wie überhaupt des Arnstädter Bieres erfährt man einiges auf der Website des Hotelparks. Hier sei nur soviel gesagt, dass Arnstadt wohl einer der ersten, wenn nicht der erste Brauort von Weißbier wie wir es heute kennen, sein soll. Überprüft habe ich das aber bisher nicht. Nun gut: Weiterlesen

Bier in Thüringen – Waldhaus Erfurt (Gastbeitrag)

Endlich mal wieder ein Gastbeitrag von Mario. Er ist Heimbrauer und lebt inzwischen in Erfurt. Er bloggt sonst selten über Bier sondern hauptsächlich hier über Literatur, Kunst und Kultur. Von ihm kriegen wir immer mal wieder Gastbeiträge. Heute gehts um das Waldhaus Erfurt – BIER IN LEIPZIG goes Thüringen 🙂


Das im Steigerwald gelegene Waldhaus wurde 1994 als erste Erfurter Gasthausbrauerei eröffnet. Zu erreichen ist das Waldhaus zum Beispiel auf einer kleinen, ca. 4 km langen Wanderung, beginnend am Steigerwaldstadion. Eine sehr empfehlenswerte Tour, die den Bierliebhaber mit einigem Appetit und Durst ankommen lässt. Das Waldhaus ist von seiner Speisekarte her wohl am besten als deutsch-italienisches Gasthaus zu bezeichnen, das zahlreiche Klassiker und Spezialitäten beider Küchen auf der Karte hat. Haute cuisine sollte man vielleicht nicht gerade erwarten. Gut essen kann man im Waldhaus jedoch allemal. Weiterlesen

Beck’s hat sich CRAFTIG verhoben – Die neuen Beck’s-Biere im Schnelltest

Beck’s macht jetzt wieder neues Bier und man staunt schon über die Aufmachung der ganzen Sache. Da denkt man sofort an Kaugummi bei dem Label. Wenn man bedenkt, dass dieses Beck’s-Gerücht ja lange Zeit kursierte, dann überlegt man sich schon warum die Biere so katastrophal gesichtslos geworden sind. Man kann sich auch nicht erklären was das alles soll. Ein Witz so schal wie von Fips Asmussen. Soll das der neue Anspruch vom Beck’s sein? Ist es InBev, die irgendwas zurechtballern, um noch mehr Marktanteile zu verlieren um dann sogar von Heineken aufgekauft zu werden. Niemand weiß es.
IMG_20150319_183608Die Biere hinterlassen einen wirklich verstörenden Eindruck. Das Pale Ale ist mit Cascade gehopft. Und ja ich weiß wir alle haben ihn ein wenig über, aber den geilen Cascade-Geschmack bekommt sogar meine Oma mit Erdbeermarmelade besser hin. Dann ist da diese Alkoholnote, man fragt sich was los ist, warum kann der Alkohol nicht besser versteckt wird. Das Amber Lager hört sich erst mal interessant an, ich unterstreiche interessant aber nicht innovativ und da haben wir dann ’ne recht nette Farbe, es duftet auch schön malzig. Da keimte schon Hoffnung auf aber auch hier geschmacklich extrem unangenehm. Inspired bei Australia steht drauf – weil nämlich die Australier den ganzen Tag in der prallen Sonne sitzen und hochprozentiges Amber kippen.

Komischerweise waren ja sehr viele gespannt darauf, was Beck’s da so zusammmenballert und das tIMG_20150321_192259rifft es recht gut. Zusammengeballertes Bier von der Weser oder von sonst wo. Beck’s hatte die große Möglichkeit als erste Riesenbrauerei etwas mit Stil zu machen aber so ist es nur der schiefe Purzelbaum eines Kleinkindes das will aber nicht kann. Man kann kaum glauben, dass die Bremer Braumeister hier so durften wie sie wollten und könnten. Das Traditionspils war übrigens noch das beste. Man denkt beim ersten Schluck, ach schau an, Beck’s macht jetzt auch Flens. Dieser Traditions-Zusatz im Namen nervt übrigens ziemlich. Wir wünschen Beck’s alles Gute aber der Zug ist abgefahren. Wer will als Nächstes?

PS: Momentan zu kaufen in den Leipziger Lösch-Depot-Filialen.

Hier der Link auf unseren kleinen Leak vom Juni 2014: Springt Beck’s auf den fahrenden Zug auf?

^sm / ^sg

Disclaimer: Wir finden das Bier nicht aus ideologischen Gründen schlecht oder weils gerade so chic ist, alles, was aus Industriebrauereien kommt scheiße zu finden oder weil es schlecht fänden, dass große Brauereien ihrem Sortiment neue Biere hinzufügen: Wir beurteilen immer von hinten, also vom Produkt! Und das schmeckt uns nicht!
Bei der Geburt-Becks

Cerveja Forest Pilsen von Amazon Beer

Wir testen ja wirklich jeden Scheiß für euch! Hier mal wieder etwas, das ihr definitiv NICHT kaufen müsst. Das Cerveja Forest Pilsen von Amazon Beer ist ein schales, muffiges, metallisch schmeckendes Pils! Das dies wirklich „crafted“ sein soll ist schwer zu glauben! Also Finger weg, auch wenn es das gerade beim Galeria Kaufhof in Leipzig gibt! Gönnt euch was Gutes am Wochenende.

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BRAUSTROM – Leipzigs erstes Craft Beer

Wir kommen in die Wohnung von Cathrin und Jann und treffen zwei sehr entspannte Menschen, die das erste Leipziger Craft Bier herstellen. Kaum an einem großen rauhen Tisch Platz genommen, hat Jann schon ein Pils an der hauseigenen Zapfe eingelassen. Moment! Waren wir nicht da, um das neue Monohop Cascade zu kosten? Ja aber wir beginnen mit dem Pils. Das solls nämlich auch bald unter dem Braustrom-Label geben – Arbeitstitel Hausmarke. Ein einfaches, klares, sehr süffiges Pils mit 4,7%. Es ist ein Gebrauchspils, dabei ein handwerklich hergestelltes Bier. Es macht tatsächlich keinen Kater (Wir haben getestet!), läuft richtig gut rein und soll einmal in Halb-Liter-Flaschen in Leipziger Spätis zu haben sein. Es ist durchaus vorstellbar, dass ein so unaufgeregtes, dabei schmeckbar gutes, leicht süßliches Pils zu Leipzig passt.

Cathrin und Jann haben viel vor und haben momentan nur ein Thema: Bier! Da geht es schnell um eine eigene Gastronomie, ein Leipziger Craft Beer Festival, neue Marken, neue Biere, Craft Beer Stores etc. So viele Träume, dass man sich gern mit auf die Schwingen setzt und forttragen lässt, in ein kleines Bierparadies. Zurück auf den Boden der Tatsachen bringt einen nur die Frage nach dem nächsten Bier. Und jetzt wird auch das Monohop Cascade aufgetischt, dass die beiden entwickelt haben.IMG_1548

Die 1600 Flaschen sind händisch abgefüllt und verkorkt (alles im Brauhaus Röglitz), werden jetzt gerade mit selbst gestempelten Etiketten versehen und warten momentan im Braustrom-Schlafzimmer auf ihre Kunden.

Im Glas ist es dann überraschend dunkel, fast schon bernsteinfarben. Der Geruch stellt einen schon  etwas auf die Probe und bereitet vor, auf das was kommt: süßlich, karamellig, dunkle Frucht, fast schon likörig. So ist dann auch der erste Schluck kaum fruchtig im cascade-typischen Citrus-Sinne, sondern stark nach Biskuit schmeckend, süßlich, fast schwer. Die Hefe spielt hier nicht nur eine Nebenrolle. Alles andere als ein leichtes sommerliches Cascade, sondern ein Herbst und Winterbier. Man stelle sich vor, am Fenster einer Großstadtwohnung zu sitzen, draußen fallen dicke Flocken, die Stadt wird gedämpft, das warme Licht der Straßenlaternen refklektiert schwach. Genau hier gehört das Braustrom Cascade hin. Der Tropfen ist durchgängig spritzig und anregend, er wirkt dickflüssig und voll, schmeckt dabei durchaus alkoholisch (hat aber nur 5,2%). Das Prachtstück des Braustrom Monohop Cascade ist aber der Abgang. Er fächert sich in unzählige komplexe Geschmacksnuancen auf, bleibt nahezu ewig auf der Zunge und im Rachen, prickelt dabei aufregend.

Das Braustrom Monohop ist ein Bier, dass sich unterscheiden will. Es ist wie ein entspanntes Bad im Nichtschwimmerbecken, bei dem man nie Angst hat wirklich schwimmen zu müssen, ein wirkliches Einstiegsbier! Es ist vorstellbar, dass dieses Bier bei Leuten, die sich ein wenig auskennen enttäuschen wird, da man bei Cascade ja Fruchtigkeit und Citrus erwartet, aber Biskuit und karamellige Hopfigkeit bekommt und ein Finish, das seinesgleichen sucht. Vielleicht ein wenig vergleichbar mit den enttäuschten Reaktionen auf das Anchor IPA, das auch nicht alles auf die Karte Fruchtigkeit setzt. Wir für unseren Teil stehen total darauf!

Das Monohop gibt’s ab ca 20.10.2014 auf www.braustrom.de: „Bei einer Bestellung zwischen 2 und 30 Flaschen wird das Pale Ale in Leipzig persönlich mit dem Fahrrad ausgeliefert.“ heißt es auf der Website. Momentan gibt es das Monohop bereits im Kiezkontor. Weitere Leipziger Spätis und Gastronomien findet ihr ständig aktualisiert hier.

PS: Der Preis fürs Monohop liegt im Späti bei 3,50€, in der Direktbestellung bei 3€.
PPS: annabelle sagt hat den Fahrrad-Lieferdienst ausprobiert.

^sg

Brauhaus Watzke Dresden | Pils und Doppelbock

Die Dresdener Watzke Hausbrauerei wurde 1996 eröffnet und stellt ausschließlich unfiltriertes Bier her. Wir waren im Watzke am Goldenen Reiter. Von außen geht es kaum hässlicher, zumal, wenn man aus der bunten Neustadt kommt. Tritt man dann jedoch ein, ist man in einer ganz anderen Welt. Tolle Atmosphäre in einer Mischung aus Charme vergangener Jahrhunderte, DDR-Chic und zeitgemäßer Gastronomie. In dem rustikalen Laden wird überwiegend Bier getrunken, dazu gibt’s deftige Hausmannskost und kompetente, lockere Beratung und Bedienung. Alles in allem sehr stimmig. Es werden zwei Standardbiere ausgeschenkt: das Pils und das Altpieschener. Dazu gibt’s jeden Monat ein Sonderbier, das dieses Mal ein Doppelbock war.

Kommen wir zum Watzke Pils: In einem Humpen wird ein sehr naturtrübes, fast strohgelb leuchtendes Pils serviert. Der säuerlich-untergärige Geruch schreit nach Hochsommer. Der feinporige, weiche und milde Schaum sagt „Trink mich ganz schnell, denn stabil bin ich nicht!“ Der Antrunk ist prickelnd, säuerlich und spritzig. Ein milder, wohliger, unaufgeregter, fast schon zarter Körper. Im Abgang kommt es zum Infight von Blumigkeit, Fruchtigkeit und Säure, den ganz knapp die Fruchtigkeit für sich entscheidet. Ein rollendes Perlen aus grünem Apfel und unreifer Traube. Ein unaufgeregtes, süffiges, sehr solides Pils, das bei sommerlichen Temperaturen im Freisitz mit Canaletto-Blick wohl noch besser mundet.

Danach gab’s noch den Doppelbock, der einige Grundeigenschaften des Pilses mitbringt aber doch eine sehr eigene Note hat! Das ist wirklich ein handcrafted Bier: Sehr süß, der Sprit schmeckt nicht hervor, likörige Noten, sehr passend zu einem windigen Februartag.

Ein sehr schöner Ausflug zu absolut fairen Preisen. Wir kommen wieder!

Anmerkung [18.01.2017]: Kein Bier für Rassisten! Kein Bier bei Rassisten!
Das Private ist politisch, das Öffentliche ist politisch – und auch das Bier ist politisch. Nicht zuletzt, wenn Brauhäuser ihre Türen Rassisten, Faschisten und Menschenfeinden öffnen, stellt sich die Frage, welcher Geist in den jeweiligen Orten wohnt. Am 17.01.2017 hat das Brauhaus Watzke seine Räume der AfD zur Verfügung gestellt, ihnen den roten Teppich ausgerollt und deren revanchistischer Ideologie viel Platz eingeräumt. Als privater Unternehmer kann das Ball- und Brauhaus Watzke selbst entscheiden, wem sie ihre Räumlichkeiten vermietet. Vor dem Hintergrund dessen mutet es – gelinde ausgedrückt – befremdlich an, wenn einer rechtspopulistischer Partei freiwillig solche Zugeständnisse gemacht werden. Es stößt uns ab – und wir sind ziemlich sicher, dass wir dort kein Bier mehr trinken werden. Kein Bier für Rassisten! Kein Bier bei Rassisten!

Svijany Svijanský Máz

Nach einer enttäuschenden Bierreise nach Tschechien dieses Jahr müssen wir wenigstens ein SvijanjyHighlight herausheben: Das Svijany Svijanský Máz aus der Nähe von Liberec. Kein Industriebier, sondern etwas ganz besonderes!
Der erste Geruch ist nicht sehr angenehm. Wenn man sich aber darauf einlässt, erahnt man hinter der Alkoholnote einiges an blumiger Power. Der Antrunk ist sehr spritzig, der Geschmack matt und unaufdringlich – das Prickeln obsiegt. Der Körper ist das Prunkstück dieses Pilses: Breit, ausdifferenziert, blumig, fruchtig, angenehmer Alkohol. Die Aromen steigen sogleich in die Nase und füllen den ganzen Mundraum aus, das Malz dreht zügig seine Runden. Ein Friedenspanzer! Man merkt hier gibt es ein altes Rezept, Jungs, die schon eine ganze Weile am Werk sind und dem Bier eine Stimmigkeit gegeben haben. Der Abgang ist sehr süffig, leider wandelt sich die Mattigkeit schnell in eine leichte Muffigkeit, was ja immer der größtmögliche Vorwurf an Biere ist!
Alles in allem kein Vaclav Havel, aber doch mindestens ein Karel Gott.

Mehr zur Tschechien-Reise hier.

^sg

Rumpelkammer Leipzig (Watzdorfer, Tegernseer, Störtebeker Kellerbier 1402)

Kleiner Ausflug in die Rumpelkammer Leipzig. Neben klassischen Bieren wie Hasseröder und RumpelkammerStaropramen, The spirit of Prague (beide vom Fass) und den Unvermeidlichen ( Franziskaner, Astra Bier) gibt es drei ganz spannende Flaschenbiere.
1. Das kleine Watzdorfer – ein ehrliches Bier zum Aufreißen aus Thüringen. Erdig, hopfig, süffig.
2. Das Helle vom Herzoglich Bayerisches Brauhaus Tegernsee. Eines der besseren Hellen, steht dem Augustiner-Bräu in nix nach!
3. Das prämierte Kellerbier 1402 von Störtebeker. Schön gekühlt ein Spitzenbier. In der Tradition der Zwickelbiere lässt die Stralsunder Brauerei hier wieder mal einen gucken: Eine blumige, fruchtige Frische macht es zum perfekten Sommerbier. Die Hefe ist zrückhaltend eingesetzt. Der dominante Hopfen verhindert jene Muffigkeit, die man sonst bei Kellerbieren oft findet. Man trinkt womöglich nie mehr als zwei davon, die aber mit Genuss!