Archiv der Kategorie: Witbier

COJONES WIT im Bayerischen Bahnhof

Dürfen wir vorstellen? Das ist unser Special-Gast beim heutigen 9. Leipziger Bierstammtisch (Biergarten-Special): Ein belgisches Wit am Hahn mit ordentlich Koriander, Orangenschalen und Kardamon! Oder anders gesagt ein Witbier mit richtig Cojones. Da hat sich jemand (na wer schon!?) richtig was getraut! Sehr gehaltvoll, so wertvoll wie ein kleines Steak, so trüb wie Bagdhad im Morgennebel, so erfrischend wie ein Hitzegewitter, so sommerlich wie ein Netz Orangen, so würzig wie ein Korianderfeld, so ätherisch wie ein Korb Kardamon! Ein Bier aus 1001 Nacht! Versprochen!
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(Danke Gasthaus & Gosebrauerei Bayerischer Bahnhof, für das großartige Timing)

Köstritzer Witbier

Heute wollen wir uns mal mit dem zweiten neuen Bier beschäftigen, das Köstritzer parallel zu seinem Pale Ale herausgebracht hat: dem Köstritzer Witbier. Die niederländisch-belgische Variante des deutschen Hefeweizens, wird oft mit Koriander oder Orangenschalen IMG_1085_300aromatisiert und ist für uns Holland-Bierfahrer ein absolutes Muss. Nichts geht über ein eiskaltes Hoegaarden oder Wieckse oder Korenwolf oder gar ein absolutes Highlight wie das Jopen Adriaan. Seit Jahren wundern wir uns, warum das Witbier seinen Weg nicht in das Biergartenland Deutschland findet, denn genau da gehört es hin. Zu einem warmen Sommerabend in geselliger Runde, eiskalt serviert. (Ein Grund könnte übrigens wie so oft das Reinheitsgebot sein. Köstritzer hat nach unseren Informationen eine Sondergenehmigung.) Umso größer war die Freude, als herauskam, dass die Bad Köstritzer Brauerei sich daran probiert. So haben sie denn als Pioniere auch einen gewissen Bonus bei uns und wir befürworten diesen Geist zu 100%. Das Ergebnis ist allerdings recht ernüchternd (soweit man das bei einem Bier mit 5,4% sagen kann).

Im Glas angekommen zeigt das Bier die typisch helle, strohgelbe Frabe eines Wit. Der Schaum ist ordentlich wild und fein, verflüchtigt sich aber rasch. So weit so normal. Aber schon der Geruch irritiert. Dezent bis kaum vorhanden. Mit Wohlwollen riecht man etwas saures, ein wenig Orange und leider auch schon etwas Abgestandenes. Der Antrunk ist blass, leichte Fruchtschwaden wabern umher, viel Kohlensäure. Der viel zu flüchtige Körper ist noch das Beste. Orange, ein Hauch von Koriander, eine kleine Hefigkeit, ordentlich Kohlensäure, ein wenig Alkohol. Aber das ist nur eine Idee. Viel zu schnell macht sich dieses Wohlgefallen jedoch aus dem Staub und gibt einem wirklich schlechten Abgang Raum: der ist vor allem metallisch. Das Kräuterige wird undefinierbar muffig und abgestanden, die Hefe wirkt alt und gar nicht spritzig. Zum Glück ist da noch ein Rest Kohlensäure. Und weg ist das Bier. Nicht etwa weil man es geschluckt hat. Es gibt kein Nachhallen, ein metallischer Rückstand auf der Zunge bleibt zurück. Vom Alkohol war gar nichts zu merken.

Fazit: Die Idee – sehr gut! Die Umsetzung – gar nicht gut! Das Problem ist, dass man für ein gutes deutsches Wit Eier in der Hose haben muss. Eier sind in diesem Fall Koriander und Orangenschalen. Es ist ein gänzlich anderer Biertyp, der von so manchem Reinheitsgebotsfanatiker sicher hart angegangen wird. Da darf man dann aber keine Kompromisse machen, nach dem Motto für den deutschen Markt darf es aber nicht so sehr danach schmecken. Vielleicht ist ja da beim nächsten Sud noch was zu machen. Das Hauptproblem ist allerdings das Gebinde: Momentan muss man zu die zwei wirklich guten Pale Ale zwei Witbier dazu kaufen, was bei immer mehr Leuten dazu führt, es gar nicht mehr zu kaufen, da man ja dann auf den Wit rumsitzt! Auch hier besteht dringend Nachholbedarf.

^sg

Hoegaarden

Das Hoegaarden. Irgendwo in meinem Bierdepot war noch eine Büchse vom letzten Amsterdam HoegaardenBesuch. Und am Sonntag erste Sonnen die mehr auf der Hüfte hatte als nur ein wenig Wärme.
Dann das Hoegaarden. Ein Belgisches Wit, vielleicht das Belgische Wit. Die frische des Biers fällt sofort auf, eine überwältigende Fruchtigkeit macht sich über die Zunge her und mündet in einen schönen weichen Abgang. Zitrone und Orange verbinden sich mit Hefe, ein eindrucksvoller Tanz nimmt seinen Lauf. Das Hoegaarden hält immer was es verspricht und trotz der Feinheiten bleibt es bodenständig und wunderbar voll aber leicht.
Pierre Celis der den Witbier Stil mit dem Hoegaarden geprägt und vor allem wiederbelebt hat, ist mit seinem Wit das er im März 1966 zum ersten Mal einbraute ein kleines Wunder gelungen.

sm.