Schlagwort-Archive: Craftbier

Die Tränen des Fleischers

Butcher’s tears aus Amsterdam

„Seit Tagen schaut er traurig. Steht hinter der Theke seiner Metzgerei und sieht nach draußen.  Seine Stammkunden wissen, dass er selten lacht. Er macht seine Arbeit ohne Ausnahme perfekt, er hat immer Zeit für einen kurzen Plausch, er packt immer alles gut ein, wenn es geschnitten und zerhackt ist. Seine Kunden, die keine Stammkunden sind, schätzen ihn, weil er ihnen Bier unter der Theke verkauft. Zumeist polnische Bauarbeiter, gute Jungs mit ehrlichen Augen. Fern der Heimat, sanieren sie unsere Städte damit wir es schön haben. Weiterlesen

Mit Penisneid auf Biertour. Zu Besuch in der Rorschach Bar

Cock(!)tails & Craft Beer. Phallozentrisches erwartet einen im Rorschach.

Unsere Neugierde auf die Rorschach Bar erweckte vor nicht allzu langer Zeit ein Artikel im Stadtmagazin Kreuzer (Fokus aufs Wesentliche). Dort wurde die Bar nicht nur Cocktailfreunden, sondern auch Biergourmets anempfohlen. Und weil wir wissen, dass sich die Leute beim Kreuzer zwar außergewöhnlich gut mit Subkultur, aber nicht ganz so gut wie wir mit Bier auskennen (und noch weniger gut mit psychologischer Diagnostik), haben wir bei der Rorschach Bar eine kurze Stippvesite gemacht. Der Bier-in-Leipzig-Crosscheck. Weiterlesen

Craft oder nicht Craft – das ist hier die Frage. Zu Besuch in Cliff’s Brauwerk

Saubere Sache: die Biere von Cliff’s Brauwerk

Nachdem wir bereits bei der trubeligen Eröffnung einen kurzen Abstecher zu Cliff’s Brauwerk gemacht und eine erste Kostprobe vom Bier genommen hatten, waren wir in der letzten Woche mal in Ruhe dort und haben uns von Cliffs handgebrauten Bier begeistern lassen. Dem wirklich ersten Leipziger Craft Beer! Weil, wirklich im Leipziger Waldstraßenviertel gebraut! Aber halt! Wie in der ein oder anderen Leipziger Braugaststätte wird hier bei Cliff das Wort Craft nicht in den Mund genommen, obwohl sich damit womöglich mehr Aufsehen erregen ließe. Weiterlesen

Das Leipziger „Bullet Brew Braukombinat“ – ein neuer Stern am Crafbeer-Himmel? Ein Exklusivinterview mit den Machern

Leidenschaft, Kreativität, Innovation und Regionalität. Dafür stehen die Biere der Leipziger Craft-Pioniere vom Bullet Brew Braukombinat. [Bild 1]

Vor einiger Zeit ließ uns eine ominöse Facebook-Seite aufhorchen, auf die wir eher zufällig gestoßen sind: Was und wer verbirgt sich hinter dem Leipziger Bullet Brew Braukombinat? Dort wird unter dem Claim „Awesome Craftbeer from Leipzig since 2016“ u.a. nicht weniger als die „Revolution der deutschen Crafbeer-Szene“ und der Einstieg ins Craft-Geschäft „im großen Stil“ angekündigt – und das offenbar von Plagwitz aus! Die Gerüchteküche brodelte, aber selbst intensive Recherche und der Buschfunk bei den üblichen Verdächtigen der Leipziger Bierszene brachten kein Licht ins Dunkel. Doch jetzt haben sich die beiden Macher Peer Borowski und Rico Schuster bei uns gemeldet. Sie boten uns ein Interview an. Und als Investigativjournalisten für die Leipziger Bier-Community lassen wir uns bei sowas natürlich nicht zweimal bitten. Beim Bier im Bayerischen Bahnhof verrieten uns Peer und Rico selbstbewusst ihre Pläne, kurz bevor sie bald ihre große Medienkampagne starten. Und soviel vorweg: Das wird ganz ganz großes Bierkino! Weiterlesen

Die Bierkanzlei in Halle (Gastbeitrag)

Unser Gastautor Geronimo war immer regelmäßiger Gast bei unseren Bierstammtischen. Er kam extra  aus Halle angefahren. Denn in Halle hat man ja nix, wie wir alle wissen. Jedoch siehe da, es tut sich was im beschaulichen Leipziger Vorort ääähm im Nachbarland. Aber lest selber:

Die Bierkanzlei in Halle

Bier in Halle

Halle hat einen neuen Bierladen. Geht das gut? Zugegeben, als ich durch einen befreundeten Bierenthusiast die frohe Kunde vernahm, kamen in mir doch leise Zweifel, ob der Tatsache, dass Halle ja nicht unbedingt als kulinarisches Eldorado bzw. für seine kulturellen Highlights bekannt ist. Doch die einstige graue Diva von der Saale erhebt sich so langsam aus der Versenkung und klopft sich den Staub von den Schultern. So entstehen momentan gerade im Bereich der Gastronomie immer neue Projekte, die zum Teil recht dankbar von Jung und Alt aufgenommen werden. Weiterlesen

Ich bin dann mal Biertrinken. Eine Pilgerreise zu den Zapfhähnen von Ise-Kadoya

Befeuchtet und erfrischt ausgetrocknete Pilger-Gaumen: Bier der Ise Kadoya Brewery

Was gibt es schon Schöneres, als an den freien Tagen zum wichtigsten Shintō-Wallfahrtsort, dem Ise-Schrein in Japan, zu reisen – ein Schrein, der sich für den ungeübten Betrachter rein äußerlich  nur wenig vom Rest unterscheidet, dafür aber wie kaum ein anderer von Politikern und Nationalisten vereinnahmt wird? Na, das hier: man kann nach dem touristischen Pflichtprogramm die Chance nutzen und einen Abstecher in die hiesige Brauerei Ise Kadoya machen. Die gibt es mittlerweile seit fast 20 Jahren und ist eine derjenigen kleinen lokalen Brauereien in Japan, die während des ersten Craftbier-Booms in den 1990er Jahren entstanden und deren Sudkessel noch bis heute angefeuert werden und auf Hochtouren laufen. Weiterlesen

Warum Bernie und Hillary am Zapfhahn stehen und die G7-Konferenz hopfige Vorboten schickt

Ein Leichtgewicht (4,5%) für die politischen Schwergewichte: Ise Kadoya hat ein Ale zum G7-Gipfel gebraut.

In den kommenden Tagen findet in Ise (Japan) mit dem G7-Treffen eine der wichtigsten internationalen Konferenzen in diesem Jahr statt. Aus diesem Anlass hat es sich die hiesige Brauerei Ise Kadoya nicht nehmen lassen, das Summit Beer 2016, ein hopfig-trockenes, schön malziges Session Pale Ale, zu brauen. Nun mag man die Nase rümpfen und sich fragen, was ein Obergäriges denn bitte schön mit dem Treffen von Staats- und Regierungschefs zu tun haben soll. Aber auch hier gilt: Alles ist politisch – oder anders herum: nichts ist unpolitisch. Erst recht nicht das Bier. Weiterlesen

Von Bier, Craft Beer und Ji-Biru in Japan

IMG_6049Wenn man Menschen in Japan danach befragt, welche Ideen ihnen spontan zu Deutschland in den Sinn kommen, dann ist das neben „Wurst“ und „Fußball“ meistens: „Bier“. Ich schwöre: 90% der Antworten bewegen sich in diesem fein säuberlich abgesteckten Bedeutungsfeld. Alle drei Dinge sind zudem äußerst positiv konnotiert. Bei mir löst das immer merkliche Krisen der nationalen Identität aus. Mariannengrabentiefe Einschnitte im so sicher geglaubten Selbstverständnis – kann ich doch als Vegetarier kaum etwas mit Fleisch anfangen – es sei denn, es lebt fröhlich hoppelnd auf einer Wiese –, Fußball in Deutschland ähnelt seit dem gekauften „Sommermärchen“ eher einer schlechten Folge Dschungelcamp und bei gutem Bier – nunja – da freut man sich zwar über jede neu eröffnete Craft-Beer-Bar, aber so lange Sternburg noch als gutes Bier gilt und gehypt wird, sehne ich mich doch eher ins Bier-Schlaraffia, wo Prairie Ales und Habanero Sculpin IPAs in Strömen fließen. Weiterlesen

Crew Republic Drunken Sailor. Der Segler

Crew Republic Drunken Sailor - kurz vorm Abfaden

Crew Republic Drunken Sailor kurz vorm Abfaden

Arrrrrrr! Me hearties, heute nehmen wir das Crew Republic Drunken Sailor in den Test und ins Schlepptau – ohne lange Vorrede, Segel gesetzt und volle Kanne voraus.

Der Geruch dieses Biers kommt saftig rüber, aber auf keinen Fall zu aufgesetzt. Das Drunken Sailor will nicht mit ausladenden Blumenbeeten rumprollen. Es hat sich, entgegen dem, auf raue See begeben um zu überzeugen. Der Mix der Zutaten ist gut durchdacht und alles wirkt ähnlich einer italienischen Viererkette in den 1990er – perfekt aufeinander eingestimmt. Ein Rad greift ins andere – wie zu Zeiten, als Kapitän Paolo Maldini die Abwehr der Squadra navale noch lautstark kommandierte und zusammenhielt. Weiterlesen

Ji-Biru – Craft-Beer in Japan

Ji-Biru

Ji-Biru trinkt man am besten gut gekühlt aus einem Glas. Dabei konzentriert man sich in Japan ganz bewusst auf Geschmack und Entfaltung der Aromen. Mancher Japaner schließt beim Trinken sogar die Augen.

Von wegen, die können nur Karate! Wer hätte gedacht, dass Japan auch in Sachen Bier so einiges zu bieten hat? „Bier in Leipzig“ hat es – mit seinem untrüglichen Näschen für Trends, Hypes und kommende Must-Haves – natürlich schon immer gewusst und nicht zuletzt deshalb das BandBlogmitglied, auf das beim Cornern im Lene-Voigt-Park am ehesten verzichtet werden kann weit weg ins Land der aufgehenden Sonne und der steil abgehenden Craft-Beer-Scene geschickt.

Ähnlich, wie in anderen Industrieländern ist Craft-Beer hier auf dem Vormarsch. Die Umsatzzahlen steigen rapide. Nicht zuletzt, weil die Politik sukzessive existierende Braubeschränkungen lockert. Da lohnt ein Blick über den Rand des Goseglases allemal. Weiterlesen